Sesamöl aus China, eingelegte Zitronen aus Marokko oder Bananenchips aus Brasilien – landestypische Naschereien gehören zu den beliebtesten Reisemitbringseln und verströmen noch Wochen nach dem letzten Ferientag sofort Urlaubsstimmung beim Aufreißen der Verpackung. Für alle Genießer, für die Reisen und Essen miteinander verbunden sind wie Klebereis und Noriblätter, gibt es nun eine Box, mit der man ein ganzes Land kulinarisch erkunden kann – und das auch, wenn der nächste Urlaub noch in weiter Ferne liegt.

„Entdecke die Welt durch Essen“ ist das Motto des jungen Gründerteams aus Dresden, das die Weltprobierer-Boxen in die deutschen Küchen bringt. Kennengelernt haben sich Bettina Kieselbach, Frederik Rambow und Philipp Hölzel beim gemeinsamen Studium an der TU Dresden. Schnell war klar, dass sie zusammen ein Unternehmen gründen und die Welt an ihrem kulinarischen Entdeckersinn teilhaben lassen wollen. Im Dezember 2015 machten sich die ersten Boxen auf den Weg, mittlerweile versendet das Trio nach ganz Deutschland und Österreich.

Das Motto der Food-Box: „Entdecke die Welt durch Essen“.

Mit-Gründer Bettina und Frederik verraten im Interview, wie man mit einer einzigen Box ein fremdes Land entdecken kann, was ein naschender Lagerarbeiter mit der Auswahl ihrer Produkte zu tun hat und warum man sich als junger Gründer lieber an Probleme gewöhnen sollte.

Bettina und Frederik – zwei Drittel des Gründerteams.

Was bedeutet Weltprobierer?

Frederik: Mit Weltprobierer kann man eine kulinarische Reise rund um die Welt machen. Wir entwickeln Foodboxen, die jeweils einen Bezug zu einem bestimmten Land haben. Diese Boxen beinhalten einen Mix aus Lebensmitteln zum Kochen, zum Backen, süße und herzhafte Snacks oder Getränke. Alle zwei Monate haben wir ein neues Land zum Thema, jeweils von einem anderen Kontinent.

Bettina: Die Box ist aber nicht nur auf das Essen reduziert, sondern ein richtiges Rundumpaket. Wir packen etwa immer noch ein Souvenir mit hinzu. Für Spanien hatten wir eine Tapas-Schale, für Marokko gab es ein marokkanisches Teeglas. Immer etwas, das in Erinnerung bleibt, wie bei einem richtigen Urlaub. Außerdem gibt es noch ein Informationsheft, in dem wir etwas über die Produkte schreiben, warum sie typisch sind und Rezepte vorstellen, wie man die Zutaten verwerten kann. Zudem geben wir Film- und Musikvorschläge zum Land und natürlich auch Infos über uns.

Frederik: Das Ziel ist, dass man ein Land mit allen Sinnen entdecken kann. Schmecken, Riechen, Sehen, Hören – das ist unsere Idee.

Das Weltprobierer Magazin hält alle Infos zum Land und den Produkten bereit.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Frederik: Wir hatten eigentlich immer schon den Wunsch, zusammen ein Unternehmen zu gründen– und haben uns dann gefragt, was wir selbst machen könnten.

Bettina: Hier in Dresden gab es ein Fest der Kulturen bei dem man an verschiedenen Ständen Essen aus aller Welt probieren konnte. Das fand ich eine sehr schöne Idee. Foodboxen erleben zudem gerade einen echten Boom, aber es gab noch keine, mit der man ein Land kulinarisch entdecken konnte.

Italienische Spezialitäten aus originalen Zutaten.

Wie kommt ihr auf die bestimmten Produkte die in der Box sind? Wie trefft ihr eine Auswahl und wie kommt ihr in Kontakt mit Herstellern und Lieferanten?

Frederik: Wir schauen immer zuerst, wen wir kennen. Ein Beispiel anhand der Irland Box: Meine frühere Englischlehrerin ist zufälligerweise Irin. Sie hat mitbekommen, was wir machen und ist zu uns ins Büro gekommen, um uns Spezialitäten vorzuschlagen.

Bettina: An der Uni ist es zudem wirklich einfach mit verschiedenen Leuten aus unterschiedlichen Ländern in Kontakt zu kommen, weil da so viele Kulturen zusammentreffen.

Frederik: Generell haben wir aber verschiedene Ansätze. Leute, die wir kennen, Fremdenverkehrsämter, Botschaften – die helfen auch gerne was Rezepte und Lieferanten betrifft – aber auch unsere Standardlieferanten. Diese Lieferanten wiederum geben uns auch Input. Mit ihnen können wir darüber sprechen was uns noch fehlt und fragen, was sie reinpacken würden. Ein Inder meinte etwa, dass er sehr gerne kleine Sesambällchen esse, beziehungsweise diese immer aus dem Lager nasche und uns die sehr empfehle. Auf solche Tipps kann man meistens am Besten vertrauen. (lacht)

Ingwerbier aus Australien

Sehen Abonnenten die Produkte schon vorher online oder ist das eine Überraschung?

Bettina: Es ist eine Überraschung. Wir haben zwar eine „Vergangene Boxen“-Seite auf unserer Homepage, auf der ersichtlich ist wie die Boxen zusammengestellt sind. Aber wenn man Abo-Kunde ist, wird man überrascht.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Bettina: Wir haben jetzt einen Online-Shop und auch die Website wird überarbeitet, damit wir mehr Produkte anbieten können. Zum Beispiel zum Nachbestellen, wenn etwas gut geschmeckt hat. Oft bekommt man die Produkte ja sonst nirgendwo. Und dann ist auch eine kleinere Box zum Testen in Planung.

Frederik: Oder Sonderboxen, wie etwa mal eine Süßigkeitenbox oder Boxen für bestimmte Anlässe wie Valentinstag oder Muttertag. Auf eine Sachsenbox mit Produkten aus dem Freistaat wurden wir auch schon oft angesprochen. Momentan fehlt uns aber leider noch die Zeit, alle Ideen sofort umzusetzen.

Liebe geht durch den Magen – die Box für den Valentinstag

Ihr habt jetzt schon eine Menge Startup-Erfahrung. Welche Tipps, gebt ihr Studenten oder anderen jungen Menschen am Beginn der Firmengründung mit?

Frederik: Ein Team, das verschiedene Stärken hat, ist sicherlich sehr hilfreich. Denn wenn man ein Startup gründet, tauchen immer tausend Probleme auf. Daran muss man sich gewöhnen. Lieferungen, die nicht eintreffen und so weiter – da muss man sich jeweils was einfallen lassen und improvisieren können. Dafür ist ein gutes Netzwerk sehr wichtig.

Bettina: Ansonsten Planung, Planung, Planung und die Stellen kennen, an die man sich wenden kann, wenn es um finanzielle Fragen wie Steuern geht. Man muss sich einfach trauen, anzufragen und flexibel im Denken bleiben.

Koreanischer Yuzu Tee aus der Valentinstagsbox

Frederik, ursprünglich kommst du aus Göttingen. Warum hast du dich für Dresden entschieden?

Frederik: Ich bin vorerst wegen der Uni in die Stadt gekommen, die gefällt mir sehr gut. Ich habe mir Dresden angeschaut, die Menschen kennengelernt und fand alle sehr nett und freundlich, ich habe mich sofort wohlgefühlt. Nach einem Praktikum in Berlin bin ich zurück gekommen für meinen Master – und dann kam ja auch schon die Gründung des Unternehmens. Ich fühle mich hier wohl – es gibt keinen Grund wegzuziehen.

Hier geht’s zu den Weltprobierern.

Mit der Weltreise Box kommen Leckerbissen von allen Kontinenten.