Es ist ein trutziges Schloss mit dicken Mauern. Doch schon im Eingangsbereich wird man überrascht von den knalligen Farben und modernen Formen. Pulsierendes Magenta auf aschgrauem Beton – so stimmt die „Terra Mineralia“ ihre Besucher auf das mineralische Farbenspektakel in ihrem Inneren ein. Dort angekommen: Was für ein Schatz! Ein Farben- und Formenreichtum, der die Sinne anregt, wie es Steine sonst eher selten tun. Über 3.500 Minerale, Edelsteine und Meteoriten – jedes für sich ein Unikat – funkeln auf über 1.500 qm Ausstellungsfläche in geschickt illuminierten Glasvitrinen um die Wette. 2008 fand die bemerkenswerte Sammlung im Freiberger Schloss Freudenstein ihre Heimat – hier, wo die sächsische Bergbautradition ihre Wurzeln hat und wo mit der TU-Bergakademie die einzige Bergbauuniversität in Deutschland Studierende aus der ganzen Welt anzieht. International auch die Herkunft der Kristalle und Minerale: Ob Edelopal aus Australien, Vanadinit aus Marokko, Mimetesit aus China oder Kunzit aus Afghanistan – auf der Spur der Steine lassen sich fünf Kontinente entdecken. Zwischen den beleuchteten Glasvitrinen: ein Ozean aus Finsternis, aus dem die Exponate den Besuchern wie leuchtende Sterne ins Auge springen.

Drei, vier Stunden sollte man für den Exkurs in die Kristallwelten allemal einplanen. Und wer meint, das Auge ermüde irgendwann ob der Farben- und Formenvielfalt, der sei eines Besseren belehrt. Dank einer ansprechenden Quizrallye für Kinder – als Ansporn dient der Griff in die Muggelsteinkiste am Ende – kann sich die Besuchszeit durchaus halbieren. Schulklassen bietet die „Terra Mineralia“ mit ihren Workshops und Experimentierlabors hingegen eine dankbare Ergänzung zum zuweilen etwas trockenen Chemie- oder Geografieunterricht.

Und wem ist diese unglaubliche und weltweit bewunderte Sammlung zu verdanken? Im Museumsshop neben der Kasse lächelt sie von einem Gemälde: Erika Pohl-Ströher, passionierte Mineraliensammlerin und ursprüngliche Besitzerin der meisten Exponate. Ganz in der Nähe, in Wurzen, wurde sie geboren und wuchs im kleinen Städtchen Rothenkirchen im Vogtland auf. Über 60 Jahre lang sammelte sie außergewöhnliche und besonders ästhetische Minerale aus der gesamten Welt und entschied sich 2004, der TU Bergakademie Freiberg einen großen Teil ihrer Sammlung zu überlassen.

Freiberg genießt übrigens nicht nur wegen seiner Bergakademie einen exzellenten Ruf. Als „Silberstadt“, gegründet um das Jahr 1168, zählte Freiberg dank des Silberabbaus über Jahrhunderte zu den reichsten Städten in Sachsen – reich auch an herausragender Kultur und Architektur. So zählt der Freiberger Dom heute zu den Kulturdenkmälern von europäischem Rang, und die Silbermann-Orgeln ziehen jedes Jahr Tausende begeisterte Musikliebhaber in ihren Bann.

Alle Fotos in diesem Beitrag ©Kai Bergmann