Sachsen hat eine lebendige Literaturszene. Ende Oktober fanden erstmals die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften in Dresden statt. Mittendrin: Christian Meyer und Julius Fischer.

Sein letztes Projekt steckt ihm zum Interviewtermin noch spürbar in den Knochen. Christian Meyer, Musiker und Comedian, hat die 18. deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften mitorganisiert. Das größte Bühnenliteraturfestival Europas hat im November 2014 zum ersten Mal in Dresden stattgefunden. „Poetry Slam ist eine Art moderner Dichterwettstreit mit einfachen Regeln: Menschen auf der Bühne tragen Texte vor, Menschen im Publikum stimmen darüber ab“, erklärt Christian Meyer. Anderthalb Jahre hätte die Vorbereitung für die Mammutveranstaltung gedauert. „Wir sind echt stolz, dass 300 Poeten und Literaturveranstalter nach Sachsen gekommen sind und 7 Zuschauer da waren“, ergänzt Julius Fischer, sein Bandkollege. Als „The Fuck Hornisschen Orchestra“ haben sie die Eröffnungsgala des Slams 2014 moderiert – musikalisch, witzig und ein bisschen durchgeknallt, so wie immer.

Komödiantische Kreativität trifft musikalisches Improvisationstalent

Auf der Bühne ist Meyer neurotisch-hibbelig, Fischer gemütlich-stämmig. Die beiden 30-Jährigen sind ein eingespieltes Team, voller komödiantischer Kreativität und musikalischem Improvisationstalent. Der Poetry Slam ist ihre künstlerische Heimat. Früher haben sie selbst an solchen modernen Dichterwettbewerben teilgenommen, viele gewonnen, Erfahrungen gesammelt und sich als Künstlerduo gefunden. Lange galten sie als Geheimtipp, waren in drei Staffeln Showband beim NDR Comedy Contest, hatten Auftritte bei den Comedy-Shows „NightWash“ und „Quatsch Comedy Club“. Seit diesem Jahr moderieren sie ihre erste eigene Fernsehshow im MDR-Fernsehen.

Nun sind sie die Gastgeber und begrüßen in „Comedy mit Karsten” (Nachwuchs-)Comedians, singen, blödeln, improvisieren. Wenn der Hund einer Zuschauerin auf die Bühne tappt, das Sendekonzept zur Makulatur wird, dann spielen sie ihre Stärken aus. Beide haben großen Spaß an diesem Projekt. Christian Meyer: „Ach, ich wollte eigentlich schon immer ins Fernsehen. Die Sendung ist für uns ein Experimentierparadies.“

 

Die Sachsen brauchen nicht so lange, bis sie lachen

Abgehoben wirken die beiden trotz TV-Erfolg kein bisschen. Eher sind sie ein wenig befremdet von der Fernsehwelt und dem Promotion-Rummel, der halt einfach dazugehört: Talkshowbesuche, Interviews im Radio und Fernsehen. Julius Fischer: „Cool, dass wir die Chance haben, das zu machen. Sollte die erste Staffel ausreichend gute Quoten haben, geht es vielleicht weiter.“ Wenn nicht, bricht ihre Welt allerdings nicht zusammen. Meyer moderiert Poetry Slams und andere subkulturelle Veranstaltungen wie das Dresdner Seifenkistenrennen. Fischer schreibt, tritt auf Lesebühnen auf und hat 2013 sein drittes Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“, eine Sammlung von Kurzgeschichten, veröffentlicht. In Soloprojekten oder gemeinsam als „The Fuck Hornisschen Orchestra“ sind sie deutschlandweit unterwegs. Leipzig ist und bleibt die Bodenstation für die beiden Künstler. Hier leben und arbeiten sie und treten besonders gern auf. Julius Fischer: „Klar haben wir in Sachsen einen Lokalvorteil. Unser Humor kommt hier besonders gut an. Die Sachsen brauchen einfach nicht so lange, bis sie lachen.“