Plötzlich klopft das Herz ganz schnell. Schweiß steht auf der Stirn. Die Aufregung ist riesig. Dabei gehört ein Konzert vor Publikum doch zum Standardrepertoire der Musiker aus dem Posaunenchor Dittersbach. Bei ihrem Gastspiel in China wurde aus dem Standard plötzlich große Aufregung. Eigentlich sollten sie ein kleines Konzert unter freiem Himmel geben. Was sie nicht wussten: Ihr Konzert war als Eröffnung eines neuen Konzertsaals geplant. Dort warteten 1.500 Menschen auf die Gäste aus Sachsen. Die meisterten den Auftritt in China mit Bravour.

Sehr herzlich wurden die deutschen Besucher in China empfangen.

Seit 1963 gehört das Ensemble zur sächsischen Kulturlandschaft. Über 40 Mitglieder gehören dazu. Eine Verbindung, die auf der Hand liegt. Immerhin sind Posaunenchöre eine ursächsische Erfindung. Die Wurzeln gehen bis ins 18. Jahrhundert zu der Herrnhuter Brudergemeinde zurück. Für vier Konzerte flogen nun 22 Musiker im Alter zwischen 11 und 63 Jahren unter Leitung von Ingo Gestring nach China. Unterstützt wurde der Aufenthalt von der Imagekampagne „So geht sächsisch.“. In China hat der Chor nicht nur Werbung in eigener musikalischer Sache, sondern auch für ihr Heimatbundesland gemacht.

Wenn statt wenigen Zuhörern auf einmal ein voller Saal mit 1.500 Menschen wartet, darf die Aufregung steigen. Wie haben die Musiker die Situation gemeistert?

Ingo Gestring: Die Euphorie war riesig. Wir Bläser haben uns wie kleine Popstars gefühlt. Wir haben eine dreiviertel Stunde auf der Bühne gestanden und haben für Selfies posiert. Viele der Zuhörer und chinesischen Musiker wollten mit jedem von uns ein Bild haben. Ein berauschendes Gefühl. Das vorbehaltlose Interesse der Chinesen war beeindruckend.

Begeisterung bei deutschen und chinesischen Musikern.

Ein sächsischer Posaunenchor besucht China. Wie sind Sie auf dieses Land als Ort für die Konzertreise gekommen?

Konzertreisen für Posaunenchöre gibt es viele. Auch wir reisen viel und gern. Als Professor für Wirtschaftswissenschaften kenne ich China bereits. Mit Hangzhou gibt es dort eine von Dresdens Partnerstädten. Dort wollten wir unbedingt einmal spielen.

In welchen Städten sind Sie noch aufgetreten?

Wir haben zweimal an der Deutschen Botschaft in Peking gespielt. Dorthin hatte uns die evangelische Gemeinde eingeladen. Dann waren wir in Hangzhou an einer Grundschule und haben den Konzertsaal an der ZHEJIANG-University of Science and Technology musikalisch eingeweiht.

Musiker Ben im Austausch mit einer chinesischen Gruppe nach der Einweihung des Konzertsaals.

Wie kam die Posaunenmusik in China an?

Gut, vor allem, wenn wir klassische Musik gespielt haben. Händel, Bach und die Ode an die Freude von Beethoven. Das bringen die Chinesen mit Deutschland in Verbindung. Sie mögen aber auch traditionelle, romantische Volkslieder, und Märsche wie den Steigermarsch. Da wurde heftig mitgeklatscht.

Haben Sie im fernen China denn auch Landsleute getroffen?

Durchaus. Bei einem Ausflug in ein Restaurant in Peking. Der Besitzer stammt aus Meißen. Die Albrechtsburg hängt deshalb als großes Wandbild im Restaurant. Da haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, ein Gruppenbild mit Sachsenfahne zu machen.

Ein Stück Sachsen in Peking.

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Fotos©privat/ Posaunenchor Dittersbach