Die Silbermann-Orgel im Freiberger Dom wird 300 Jahre alt: ein Grund zum Feiern und Staunen.

Natürlich soll dieses Instrument beeindrucken. 2.674 Pfeifen und 44 Register sind in der Orgelwelt bis heute eine deutliche Ansage. 1711 musste der Freiberger Rat deshalb tief ins Stadtsäckel greifen, um den jungen Orgelbauer Gottfried Silbermann zu verpflichten. Der war – obschon das Großprojekt erst seine zweite Orgel nach der Lehrzeit im Elsass war – um kühne Worte nicht verlegen. Das neue Orgelwerk werde „dergleichen in Sachsen und weit und breit von Güte nicht sein“, schrieb Silbermann seinen Auftraggebern vollmundig neun Monate vor der Vollendung im Jahr 1714.

Von Röhrflöt bis Krumbhorn

Gut 300 Jahre später lässt sich sagen: Der Mann hatte recht. Aus heutiger Sicht hat er sogar untertrieben, denn „wahrscheinlich gibt es heute auf der ganzen Welt kein vergleichbares Instrument“, sagt Albrecht Koch. Der junge Präsident der Silbermann-Gesellschaft ist zugleich Kantor im Freiberger Dom und kennt die prachtvolle Orgel wie kaum ein Zweiter. „Das Besondere ist hier die Tatsache, dass diese Orgel die vergangenen Jahrhunderte unbeschadet und vor allem unverändert überstanden hat.“ Anderswo habe man im Lauf der Zeit die Stimmung an den jeweils aktuellen Musikgeschmack angepasst, Pfeifen umgesetzt oder kurzerhand abgeschnitten, um ein anderes Klangbild zu erhalten. Andere Orgeln wurden zerstört, fielen Kriegen oder Bränden zum Opfer – nur im Freiberger Dom blieb alles beim Alten. „Deshalb können wir heute viele Werke aus der Zeit Silbermanns so hören, wie sie damals gedacht waren“, erklärt Koch. Dann öffnet er die Türen vor dem Spieltisch mit drei Manualen und Ebenholztasten, teilweise mit Elfenbein belegt. 44 Holzknäufe zu beiden Seiten lassen den Organisten „alle Register“ ziehen, kleine Schilder darunter tragen Aufschriften wie „Viola di Gamba“, „Rohrflöt“ oder „Krumbhorn“. Und als im Jubiläumsjahr 2014 Organisten und Musikliebhaber nach Freiberg pilgerten, durfte auch manches selten gespielte Register erklingen.

Orgel für alle

„Uns ist klar, dass Orgelmusik oft respekteinflößend oder gar überfordernd wirkt“, erklärt der Domkantor. „Deshalb möchten wir mit Angeboten, wie dem „Tag der offenen Silbermann-Orgel“ und Orgelführungen für Kinder die Hemmschwelle senken, sich mit solch einem Instrument und mit Orgelmusik zu beschäftigen.“ Und gar nicht selten lassen sich Freiberg-Besucher am Vormittag beim Dom-Rundgang von der goldverzierten Orgel so beeindrucken, dass sie am Abend wieder da sind – zum Konzert. Besonders beliebt sind die Abendmusiken im Freiberger Dom – seit 75 Jahren von Mai bis Oktober jeden Donnerstag um 20 Uhr.

http://www.freiberger-dom.de/