Astronaut Alexander Gerst (r.) überreicht Sigmund Jähn ein Andenken seiner letzten Mission

Wenn Astronaut Alexander Gerst bei seiner aktuell laufenden Raumfahrt 16 Mal am Tag um die Erde kreist, dann weiß Sigmund Jähn genau, wie sich der Deutsche in der Internationalen Raumstation ISS fühlt. Jähn war der erste Deutsche, der ins Weltall geflogen ist. Vom 26. August bis 3. September 1978 war er einer der zwei Kosmonauten beim Raumflug zur sowjetischen Raumstation Saljut 6. Auch sie kreiste 16 Mal am Tag um die Erde. Spektakuläre Ausblicke auf Wolkenschichten, Kontinente und die Sterne konnte Jähn genauso wie jetzt Gerst genießen. Und das vor 40 Jahren. In Jähns Geburtsort Morgenröthe-Rautenkranz wird daran erinnert.

Egal ob Neil Armstrong, John Glenn oder Juri Gagarin. Die Ausstellung zeigt Raumanzüge verschiedenster Allreisender.

Space Suits aus über 50 Jahren Raumfahrtsgeschichte.

Auf über 950 Quadratmetern Ausstellungsfläche bekommen Besucher in der Deutschen Raumfahrtausstellung einen Einblick in die Raumfahrt und die Weltraumforschung. Hier wird die Geschichte der Raumfahrt eindrucksvoll dokumentiert: vom Originaltriebwerk der ersten Rakete V2, den amerikanischen und russischen Raumfahrtmissionen und dem Beginn einer internationalen Zusammenarbeit. Zu sehen ist eine komplette Kollektion aller wichtigen Raumanzüge, unter anderem von Juri Gagarin, John Glenn und Neil Armstrong. Alle Weltraumflüge mit deutschen Kosmonauten und Astronauten werden anhand einzigartiger, teils geflogener Exponate erklärt.

Auf zum Mond hieß es für Neil Armstong und Buzz Aldrin 1968 in Anzügen dieser Art.

Mit einem Anzug dieser Art betrat Neil Armstrong 1969 als erster Mann den Mond.

Das bedeutendste Exponat ist wohl der Basisblock der russischen MIR Station. In diesem 1:1 Nachbau haben alle europäischen Kosmonauten tatsächlich ihre ersten Trainingseinheiten absolviert, bevor sie ins Sternenstädtchen nach Moskau aufbrachen – also auch Alexander Gerst. „Dieses Modul veranschaulicht eindrucksvoll, wie sich Leben auf engsten Raum anfühlt“, sagt Museumsleiterin Romy Mothes. 60.000 Besucher kommen jährlich in die Ausstellung, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem benachbarten Tschechien und sogar aus der USA.

In diesem MIR-Simulator trainierten alle deutschen Kosmonauten und Astronauten.

Sigmund Jähn ist von Anfang an mit der Ausstellung verbunden. „Morgenröthe-Rautenkranz ist sein zu Hause“, sagt Romy Mothes. Die Arbeit im Museum liegt ihm am Herzen. Im Verein, der sich um die Ausstellung kümmert, engagiert sich Jähn im Vorstand. Auch Alexander Gerst kennt das Museum. Er übernimmt als erster Deutscher das Kommando der ISS. Noch bis Dezember 2018 lebt und arbeitet er auf der Raumstation.

Das besondere Erlebnis und die Eindrücke der Reise ins All verbindet Jähn und Gerst auf besondere Weise. „Alex ist ein herzlicher Mensch, ein kluger Bursche und ein Entdecker“, sagt Sigmund Jähn. „Einst fand er in einem Laden in Irkutsk ein Abzeichen, das an meinen Flug von 1978 erinnerte. Er kaufte es und nahm es mit auf seinen ersten Flug. Alex mailte von dort ein Foto von dem Abzeichen im Raumschiff. Das hat mich tief berührt.“

Raketen im Größenvergleich

Meterhohe maßstabsgetreue Modelle vergleichen die Größen verschiedener Raketen.

Es ist nicht das einzige Mitbringsel, das mit Alexander Gerst schon in der Schwerelosigkeit war. Bei seinem ersten Flug zur ISS 2014 hatte er das Maskottchen der Raumfahrtausstellung, den Plüsch-Astronauten ‚All-Bert‘, im Gepäck. „Vom Ausflug in die Schwerelosigkeit und den Blick aus der Aussichtsplattform Cupola schwärmt ‚All-Bert‘ noch heute“, sagt Romy Mothes mit einem Augenzwinkern. Besonders Kinder staunen, wenn sie davon hören.

Am 26. August jährt sich der Tag der Raumfahrt von Sigmund Jähn zum 40. Mal. Das Jubiläum wird groß gefeiert. Alexander Gerst kann leider nicht vorbei kommen. Dabei sein will er trotzdem. Beim Jubiläumsfest ist eine Live-Schalte zur ISS und zu Alexander Gerst geplant.

www.deutsche-raumfahrtausstellung.de

Die Erde von oben.

Ein Blick herab auf den blauen Planeten.