Oelsnitz ist in Bewegung. Früher unter, heute über Tage: Mit einem Knopfdruck setzt Jan Färber Sachsens größte Dampfmaschine im ehemaligen Oelsnitzer Steinkohlebergwerk in Gang. Der jugendlich wirkende Lockenkopf, im Hauptberuf Direktor des Bergbaumuseums Oelsnitz, ist begeisterter Technik-Fan, und seine Begeisterung steckt an. „Hier wurden täglich tausende Kumpel in den Schacht hinein- und wieder herausbefördert.“ Wenn die größte noch funktionierende Zwillings-Dampffördermaschine loslegt, wird der Bergbau hier im Karl-Liebknecht-Schacht plötzlich ganz lebendig.

Darum geht es den Museumsmachern rund um Jan Färber: die Geschichte, den Bergbau erlebbar zu machen. „Wir wollen nicht einfach nur tote Objekte aneinanderreihen, wir wollen mehr und wir können mehr.“ Einen Karbonwald erschaffen zum Beispiel, einen multimedialen und begehbaren Steinkohlewald. Bei gefühlt 40 Grad Celsius ins Schaubergwerk einfahren, dort, wo die Bergarbeiter noch bis Anfang der 1970er-Jahre im Schweiße ihres Angesichts der Erde die „Schwarzen Diamanten“ abtrotzten. Eine Fahrt mit der „Funkenkutsche“, der Bergarbeiter-Straßenbahn, oder – für die Kleinsten – das Kinderbergwerk „Zwergenschacht“ und der riesige Erlebnisspielplatz. So anders ist diese Welt – laut, dreckig, kohlestaubig und oft auch überraschend. „Oder wussten Sie, dass es unweit von hier noch eine glühende Halde gibt, an deren Oberfläche sich bis heute Schwelbrände aus Kohleresten entzünden?“, weiß Jan Färber zu berichten. Auf einer Fläche von etwa zehn mal zehn Metern wachsen in diesem riesigen mittlerweile als Naherholungsgebiet erschlossenen Revier Kakteen und andere tropische Pflanzen, während sich aus Erdlöchern wabernd heiße Kohledämpfe ihren Weg bahnen. Und wen in dieser Wetterschneise hoch oben über den Wipfeln der Bäume doch einmal ein Wetterumbruch überrascht, kann sich auf dem „Heißen Stuhl“ – eine Metallkonstruktion, die sich über die Verankerung im heißen Boden automatisch erhitzt – schnell wieder aufwärmen. Bergbau hautnah, sozusagen.

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