Wenn wir über Görlitz berichten, dann oft über die prächtige Neißestadt, die sich in den vergangenen Jahren als Drehort zahlreicher Hollywood-Produktionen international einen Namen gemacht hat. Eine Fotoausstellung zum Tag der Deutschen Einheit im Flughafen Dresden macht nun deutlich, wie knapp die Stadt dem gänzlichen Verfall entkommen ist.

Die jahrhundertealte Denkmalsubstanz von Görlitz, die den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden hat, drohte zu DDR-Zeiten unterzugehen. Nach 1990 begann eine beispiellose Rettung des architektonischen Flächendenkmals an der deutsch-polnischen Grenze.

Die Friedliche Revolution im Herbst 1989 und die politische Wende kamen buchstäblich in letzter Minute Görlitz zur Hilfe. Proteste in der Bevölkerung nach der Sprengung eines Quartiers hinter dem Rathaus waren die ersten Signale für den Beginn zum Wiedererstehender Altstadt.

Die Foto-Ausstellung verbindet zwei Zeitabschnitte, die des Verfalls, besonders nach 1980, und die des Aufbaus in den 26 Jahren der Deutschen Einheit. Doch selbst in den Aufnahmen von 1982/83 lassen sich Wert und Einmaligkeit der bedeutendsten Renaissancestadt nördlich der Alpen noch erkennen und forderten geradezu ihre Restaurierung heraus.

Görlitz steht hier als Beispiel dafür, was seit 1990 geleistet wurde und wie positiv sich das Gesicht einer Stadt in den östlichen Bundesländern seither verändert hat, eine Leistung, die man auch an Städten wie Quedlinburg, Stralsund und vielen anderen ablesen kann.

 

Jörg Schöner als Chronist des Wandels

Der 1944 in Dresden geborene Fotograf Jörg Schöner hat von 1980-82 in seiner externen Diplomarbeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig eine Dokumentation der Altstadt Görlitz erstellt. Grund, sich diesem Thema zu widmen, war eine Empfehlung des damaligen sächsischen Landeskonservators Prof. Hans Nadler (1910-2005), der ihm riet:

„Geh nach Görlitz und fotografiere die Altstadt, bevor sie zusammenfällt.“

Dass es nicht bei zwei Jahren Dokumentation geblieben ist, sondern die Arbeit den Autor nun seit fast 40 Jahren beschäftigt, er neben seiner freiberuflichen Tätigkeit eine Professur für Architekturfotografie an der TU Dresden hatte und in den letzten 25 Jahren große Teile sächsischer Staatsbauvorhaben, den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und die Restaurierung des Zwingers fotografisch begleitet, ist eine Folge seines langjährigen Engagements in Görlitz.

 

Ausstellung im Flughafen Dresden

Die Werke sind bis zum 18. November in der Abflughalle, dem Sicherheitsbereich sowie der Panoramaebene im Terminal des Flughafens Dresden zu besichtigen. Die Ausstellung wird unterstützt von der Standortkampagne „So geht sächsisch.“. Nach Abschluss soll die Ausstellung an weiteren nationalen und internationalen Orten auf die bewegenden Veränderungen in der Neißestadt aufmerksam machen.

Das Buch „Görlitz – Auferstehung eines Denkmals“ ist im Verlag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erschienen.

Mehr erleben auf www.goerlitz.de

Alle Fotos im Beitrag ©Jörg Schöner