Karl-Heinz Röhrig packt aus. Vorsichtig, liebevoll und mit viel Gefühl nimmt der promovierte Archäologe ein wertvolles Stück nach dem anderen aus den zahllosen Umzugskisten und bereitet es für die neuen Vitrinen vor.

Noch herrscht in den drei Etagen des neuen Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz, kurz smac, ein ziemliches Durcheinander – zumindest für Außenstehende. Bauarbeiter verlegen noch Kabel, gleichzeitig werden schon Vitrinen eingeräumt. Mittendrin zeigt Karl-Heinz Röhrig auf eine leere Stelle und schwärmt: „Hier wird der Brunnen von Eythra stehen, gefunden im Tagebau Zwenkau.“ Wegen der idealen Erhaltungsbedingungen ist ein Fund wie dieser für Archäologen wie ein Sechser im Lotto. „Gefunden haben wir Keramik- und Holzgefäße, Reste von Käfern und Nahrungsmitteln, die wiederum Geschichten über die Ernährungsgewohnheiten der Menschen von vor 7 Jahren erzählen“, so Röhrig weiter. Seit knapp 25 Jahren ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Landesamt für Archäologie, das Museum ist für ihn die Krönung seiner beruflichen Leidenschaft. „Endlich können wir die Fundstücke sprechen lassen und Geschichten erzählen. Die Archäologie als reine Wissenschaft ist sicher interessant, aber hier machen wir was ganz Tolles: Wir lassen die Menschen ihre Geschichte selbst erleben.“

Auf drei Etagen im ehemaligen traditionsreichen Kaufhaus Schocken im Herzen von Chemnitz wird das smac künftig die gewissermaßen sächsische Geburtsgeschichte zeigen und inszenieren. Von unten nach oben. Kernstück der modernsten europäischen Archäologieausstellung wird eine multimediale Landkarteninstallation, die die verschiedenen Zeiträume miteinander verbindet und den großen Rahmen der Geschichte greifbar machen wird. „Wir zeigen nicht einfach Scherben in Vitrinen, wie das vielleicht viele bei einem archäologischen Museum erwarten. Unser Ziel ist es, die Geschichten hinter den Funden zu erzählen“, so Dr. Sabine Wolfram, die Direktorin des smac. Mit interaktiven Elementen, unterschiedlichsten Lichtstimmungen und einer Fülle einzigartiger Fundstücke wird das dem neuen Museum auch gelingen. Sagenhafte zwölftausend Jahre vor unserer Zeit wurde bereits meisterhaft gezeichnet. Das zeigt ein Schieferplättchen mit Pferdeköpfen. Gefunden in Groitzsch im Landkreis Nordsachsen. Das kleine Meisterwerk ist das Einzige seiner Art in Sachsen.

Einer der Stars in Chemnitz ist der etwa 7 Jahre alte „Adonis“ von Zschernitz aus der so genannten Jungsteinzeit. Dieser männliche Torso zeugt nicht nur von großer Kunstfertigkeit, er ist neben vielen Frauendarstellungen aus der Zeit die einzige gefundene männliche Figur.

Der wunderbar lebendige Ausflug durch zigtausend Jahre endet ganz oben, im 20. Jahrhundert, mit einem tollen Ausblick und einer kleinen Ausstellung zum ehemaligen Besitzer des architektonischen Juwels, in dem sich das smac befindet: dem Kaufhauskonzern-Gründer Salman Schocken. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

www.smac.museum