Mit sieben Jahren das erste Open-Air-Konzert vor 5000 Zuhörern, mit zehn Jungstudent an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy, mit 13 Hauptdarsteller in dem Kinofilm „Wunderkinder“. Der Violinist Elin Kolev (19) ist ein außergewöhnlicher und vielseitiger Künstler. Geboren in Zwickau als Sohn zweier Musiker, machte er aus seiner Begabung durch kontinuierliche Arbeit einen Beruf und avancierte zu einem der besten deutschen Nachwuchsmusiker im Klassikbereich. Er lebt seit 2013 in Karlsruhe und studiert dort an der Hochschule für Musik bei Professor Josef Rissin. Gerade hat er in der Tonhalle Zürich unter Leitung des britischen Dirigenten Howard Griffiths mit dem Orpheum Supporters Orchestra debütiert.

Wir hatten die Gelegenheit, mit Elin kurz vor seiner Reise in die Schweiz über Musik, seine Träume und seine Heimat Sachsen zu sprechen. Ein angenehmes Interview mit einem reflektierten und unprätentiösen jungen Musiker.

Elin, was ist Musik für Sie…?

Musik ist für mich die Möglichkeit, Inspiration zu finden, wo man sie nicht erwartet. Musik gibt mir immer wieder ganz viel Hoffnung, an die Menschlichkeit, an das Schöne zu glauben und zu denken. Manche Menschen gehen in ein Konzert um Zuflucht vor dem Alltag zu finden, andere um ihr Herz noch höher schlagen zu lassen. Ich finde, Musik vereint uns, in dem was wir sind und wonach wir streben – nach Glück.

Was hören Sie, wenn Sie mal ausspannen möchten?

Das ist ganz unterschiedlich, für mich ist der Begriff Entspannung weit gefächert… Vogelgesang ist für mich beispielsweise sehr entspannend, Mozarts Zauberflöte und die darin verarbeiteten Papageno und Papagena erinnern mich sehr an diesen Zauber. Wenn ich zu Hause koche, laufen im Hintergrund aktuelle Hits im Radio oder ich schalte den Klassik-Sender ein. In meinem Zimmer höre ich gerne die von Spotify (Musikstreamingdienst) individuell zusammengestellten Playlists. Von Amy Winehouse‘ Soul bis hin zu den französischen Chansons von Edith Piaf und Jasques Brel ist alles dabei. Jede Epoche und jedes Genre, jedes Werk und jeder Song verarbeiten ein unvorstellbares Spektrum an emotionaler Vielfalt. Dass die Musik mich versteht und ich sie, das gibt mir Sicherheit und Entspannung.

Was sehen Sie als Ihren größten Erfolg bisher?

Hm, das fällt mir schwer, zu beantworten. Ich relativiere meine musikalischen Erfolge gerne, um einen kühlen Kopf für die Zukunft zu bewahren… Ich möchte mir mein Leben nicht zubauen, indem mein Selbstbewusstsein über Erreichtes den nächsten Schritt für mich bestimmt.

Was treibt Sie an?

Die Menschen, die mich umgeben, meine Freunde, meine Liebe zur Musik und dem Leben überhaupt!

Was würden Sie gern können, was Sie bisher noch nicht beherrschen?

Aikido, eine asiatisch Kampfkunst. Ich habe mich an Chigong versucht, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Mich fasziniert die Philosophie, die dahinter steht – die Mischung aus Meditation, Konzentration und Bewegung.

Haben Sie eine „Bucket-List“ und wenn ja, was steht drauf? Oder anders gefragt, was möchten Sie unbedingt in Ihrem Leben mal machen?

Nein, eine Bucket-List habe ich eigentlich nicht. Ich möchte einfach mit meiner Berufung die Welt bereisen und mein Erlebtes später weitergeben dürfen an Schüler oder eigene Kinder.

Was fällt Ihnen spontan zum Thema „Sachsen“ ein?

Das ist meine Heimat, mein Lieblingsort. Für mich ist Sachsen nicht nur ein Bundesland Deutschlands, sondern der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und wo meine Eltern und Freunde wohnen, die ich liebe. Ich lebe ja schon eine Weile in Baden-Württemberg und schaue deshalb mit räumlichem Abstand auf meine Heimat. Die Geschichte und die Menschen, die hier ihren Weg gehen, erfüllen mich mit Stolz, selbst aus dieser Region zu kommen.

Sachsen sind…

(lacht) …sächsisch! Das Land ist voll wunderbarer Natur, das wissen wir Sachsen sehr zu schätzen!

Was sind Ihre Lieblingsorte in Sachsen – wo treffen Sie sich am liebsten mit Ihren Freunden und/oder Ihrer Familie?

Zwickau, Leipzig und Dresden. Das sind mir die bestvertrauten Orte. In Zwickau bin ich geboren und aufgewachsen, in Leipzig habe ich ja zwei Jahre studiert. Nach Dresden haben wir viele Ausflüge mit meiner Familie gemacht und ich kenne die Stadt auch von meinen Konzerten.

Was vermissen Sie, wenn Sie nicht zu Hause (in Ihrer Heimatstadt) sind?

Die Mentalität der Sachsen. Ich denke oft an meine Schulzeit im Clara-Wieck-Gymnasium zurück, und an meine ersten Geigenunterrichte im Robert-Schumann-Konservatorium. Oft wünsche ich mir auch, mehr durch das Land zu reisen… Doch dafür habe ich ja noch eine Menge Zeit.

Herzlichen Dank, Elin, für das Gespräch und alles Gute für Sie!

Weitere Informationen zu Elin hier.