Bernsdorf wirkt

Auf halber Strecke zwischen Chemnitz und Zwickau liegt der kleine Ort Bernsdorf. Er ist eng mit der Strumpfindustrie verbunden; ab dem 19. Jahrhundert galt das für die ganze Region. Ein Mann hat die Strumpfwirkerei in Bernsdorf geprägt: Horst Pfotenhauer.

Als Aktionär bei der Chemnitzer NOWA Strumpffabrik AG überblickte Pfotenhauer hier ab 1927 den Bau neuer Fabrikanlagen. Architekt Alwin Weiß entwarf eine moderne Konstruktion aus Stahlbeton mit großen Fenstern und flachem Dach. Klinkerfassade und hell umrahmte Fenster geben dem Bau ein elegantes Äußeres. Praktisch ist die Konstruktion mit zentralem Treppenturm, Fahrstühlen und Laderampen für Lastwagen. Wie zum Gruß stehen Steinfiguren von Wollhändler und Strumpfwirker am Eingang des Areals.

Zuerst produzierte die NOWA trotz Weltwirtschaftskrise und dem 2. Weltkrieg weiter. Doch nach Kriegsende warf man Pfotenhauer vermeintliche Warenschiebereien vor. Das Sächsische Wirtschaftsministerium und die Sowjetischen Besatzer duldeten zwar sogenannte Kompensationsgeschäfte, mit denen viele Unternehmer der Zeit ihre Betriebe und Angestellten über Wasser hielten. Aber dann wurde Pfotenhauer 1948 doch verhaftet, verhört und misshandelt.

Den Schauprozess gegen 40 Textilfabrikanten der Region erlebte Pfotenhauer nicht mehr mit – er nahm sich das Leben. Andere Unternehmer wurden eingesperrt, ihre Betriebe enteignet und zu Volkseigentum erklärt.

Bis 1992 wurden am Standort noch Strümpfe produziert. 1994 übernahm die Troeger Surface Group aus Lichtenstein das Areal, ein Spezialist für Oberflächenverarbeitung und Oberflächenveredelung. Einige Veränderungen am Ensemble wurden vorgenommen. Aber noch immer erinnern die Figuren von Wollhändler und Strumpfwirker an die Geschichte der NOWA Strumpffabrik AG.