Backstein für den Verbraucherschutz

In einer Stadt wie Leipzig war Einkaufen Mitte des 19. Jahrhunderts Glückssache. Kleine Krämerläden bestimmten das Bild, das Angebot war begrenzt, Preise und Qualität schwankten erheblich. Deswegen waren Konsumgenossenschaften eine erfolgreiche Idee. In den Konsum-Filialen herrschten faire Bedingungen. Preise hingen aus, Waren durften nachgewogen werden. Die Genossenschaften wurden ein Pionier des Verbraucherschutzes.

Die Konsumgenossenschaft Leipzig wuchs zu einer der größten in Deutschland. 1928 reichte der Platz für Lager und Verwaltung nicht mehr aus, eine neue Zentrale sollte an der heutigen Industriestraße entstehen. Verpflichtet wurde der Architekt Fritz Höger, damals bekannt für den norddeutschen Backsteinexpressionismus.

Auch in Sachsen setzte Höger den roten Klinker ein. Er baute einen 180 Meter langen Komplex. Die Konsumzentrale ist nicht nur in Länge und Volumen vergleichbar mit einem Ozeandampfer, auch in Foyer und Treppenhaus schillern Kacheln Türkis wie das Meer, und die messingveredelten Handläufe erinnern an eine Reling. Gewölbte Fensterscheiben erzeugen besondere Licht- und Spiegeleffekte. Zwei Festsäle und eine Dachterrasse bieten auch heute noch einen weiten Blick über Leipzig-Plagwitz.

1932 war das Gebäude fertig. Die Nazis bremsten den genossenschaftlichen Betrieb, aber die Zentrale diente auch in der DDR als Genossenschaftssitz.

Ab 2000 wurde die Konsumzentrale schrittweise saniert. Heute bietet sie auf über 23.000 Quadratmetern Platz für Büros, Gewerbe und Veranstaltungen. Eine weitergehende Sanierung und Modernisierung ist für die kommenden Jahre geplant.