Friedrich Franz Rosenberg muss überzeugt gewesen sein vom Medium Film. Er hat für seine Heimatstadt Zwenkau ein Lichtspielhaus mit 700 Plätzen gebaut – für damals 5300 Einwohner.

Beeindruckend war nicht nur die Größe der „Walhalla-Lichtspiele“, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sie gebaut wurden. Das Zwenkauer Architekturbüro Harnisch & Germer übernahm die Planung; nach nur sechs Monaten Bauzeit konnte das Kino 1927 eröffnen.

Neuartig sah das Kino mit seiner expressionistischen Fassade aus. Das passte zum Umfeld, denn es stand als kulturelles Zentrum in einem neuen Wohnviertel. Die Sicht im Kino war gut: Die Sitzreihen im Saal steigen nach hinten an, den besten Blick bietet die Empore im Obergeschoss. Auch ein Café mit Dachterrasse war hier untergebracht.

Das kühne Projekt bekam wirtschaftliche Probleme. Als Rosenberg zehn Jahre nach der Eröffnung starb, stand sein Haus kurz vor der Insolvenz. Sein Neffe Curt Rosenberg übernahm es 1938, machte es mit innovativen Geschäftsideen wieder profitabel. 1945 wurde das Haus beschlagnahmt. Zuerst wurde es als Kino, dann als Kulturzentrum geführt, bis es ab der Wende schloss und schließlich leerstand.

2003, der Abriss war schon genehmigt, rettete die neu gegründete Kulturinitiative Zwenkau das Haus. Der Verein kaufte das Kino, führte es zehn Jahre lang in einem Spagat zwischen Notspielbetrieb, Erhaltung und Sanierung weiter, bis es endlich modernisiert werden konnte. Nach tausenden Stunden ehrenamtlicher Arbeit ist es heute wieder ein Kulturzentrum für Zwenkau; nicht nur mit Kino, sondern mit einem Mix aus rund 100 Veranstaltungen im Jahr.

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