Löbaus Nudeldampfer

In der Kleinstadt Löbau steht nach Ansicht vieler Fachkenner eines der wichtigsten Wohnhäuser der Moderne. Nudelfabrikant Fritz Schminke suchte ein neues Zuhause für seine sechsköpfige Familie. In dem Architekten Hans Scharoun fand er einen Partner, der sich bis ins Detail auf die Bedürfnisse der Familie einließ – auch der Kinder.

Auf einem Grundstück neben der Nudelfabrik entstand ein langgestreckter Bau, der mit seinen Rundungen, Bullaugen, Terrassen und Außentreppen an ein Schiff erinnert. Bis heute trägt das Haus den Beinamen Nudeldampfer.

Das Erdgeschoss entwarf Scharoun nach dem Prinzip des „Durchwohnens“: Bereiche für Essen, Spielen und Wohnen gehen fließend ineinander über. Große Fensterbänder heben die Trennung von Innen und Außen fast auf. Das Design ist praktisch und funktional. Die Küche greift Prinzipien der Frankfurter Küche auf, einer Vorläuferin der modernen Einbauküche.

Schminkes Kinder hatten den Eindruck, das Haus sei extra für sie gebaut worden. Scharoun hatte viele verspielte Ideen: Auf dem breiten Handlauf der Treppe konnten sie vom Ober- ins Erdgeschoss rutschen, durch Fenster in der Kinderspielecke kletterten sie in den Garten, und bunte Bullaugenfenster in den Terrassentüren zeigten ihnen die Welt in anderen Farben.

1933 war das Haus fertig. Doch die Familie wohnte hier nur kurz. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Schminke enteignet, seine Fabrik als VEB weitergeführt. Das Haus Schminke wurde in der DDR zum Volkseigentum erklärt und schließlich als Kreispionierhaus geführt. Fast 30 Jahre lang verbrachten Schulkinder hier ihre Freizeit. Was an dem Haus Schminke und seiner Geschichte besonders war, das wurde allerdings kaum vermittelt.

Heute ist das Haus Schminke ein öffentlich zugängliches Architekturdenkmal. Es kann nicht nur besichtigt werden – sogar Übernachtungen werden angeboten.

Alle Fotos im Beitrag @Till Schuster