Niesky revolutioniert den Holzbau

Konrad Wachsmann wollte gar nicht nach Niesky. Der junge Architekt lebte fast mittellos in Berlin, als ihm sein Mentor Hans Poelzig eine Stelle bei dem Holzhausproduzenten Christoph & Unmack beschaffte. Dort sollte er nicht nur arbeiten, sondern vor allem gut essen und zur Ruhe kommen.

Aus der ländlichen Ruhe wurde nichts. Wachsmann war begeistert von den technischen Möglichkeiten der Firma, von der Geschwindigkeit der industriellen Bauweise. Maschinell wurden Einzelteile vorgefertigt, in riesigen Werkshallen getestet und dann als Bausatz in die Welt verschifft. Tag und Nacht half Wachsmann bei der Entwicklung neuer Holzbaukonstruktionen. Schnell stieg er vom Zeichner zum leitenden Architekten auf. Er blieb vier Jahre in der kleinen Stadt. Auch in seiner weiteren Karriere beschäftigte er sich mit Fertighäusern.

Christoph & Unmack hat Niesky geprägt – über 100 Wohnhäuser, diverse Zweckbauten und eine Holzkirche der Firma stehen heute noch dort. Ein ehemaliges Wohngebäude aber ist als das „Wachsmann-Haus“ bekannt. Entworfen wurde es 1927 als Blockhaus für ein Vorstandsmitglied der Firma.

Mit dem Haus interpretierte Wachsmann eine uralte Bauweise ausgesprochen modern. Große Fenster und Schiebetüren im Inneren sorgen für helle, offene Räume. Wände und Fußböden überraschen mit satten Farben.

Das Wachsmann-Haus wurde erst privat bewohnt, zu DDR-Zeiten von der Jugendorganisation FDJ genutzt, dann stand es leer. Inzwischen gehört das Haus der Stadt Niesky. Sie hat es saniert und als Museum, Archiv und Holzbauforum öffentlich zugängig gemacht.

Alle Fotos im Beitrag @Till Schuster