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Handwerkskunst

Instrumentenbauer bringt frischen Wind in den Musikwinkel

Vogtland
Foto: Werner Chr. Schmidt

Von den Konzertbühnen und aus den Orchestergräben dieser Welt ist die sächsische Expertise im Musikinstrumentenbau schon lange nicht mehr wegzudenken. Das Herz schlägt im „Musicon Valley“ im Vogtland – Markneukirchen, Erlbach, Klingenthal und Schöneck.

Hier werden in mehr als 120 Unternehmen mit rund 1.200 Beschäftigten Musikinstrumente von Weltniveau gefertigt. Nun hat ein pfiffiger junger Musikinstrumentenbauer aus Markneukirchen, der 28-jährige Max Hertlein, ein neuartiges Blechblasinstrument entwickelt, das weltweit einzigartig ist, und es auf den klangvollen Namen „la rossa“ getauft. Eine Reminiszenz an das kupferrote Haar der italienische Diva Milva. Was daran so besonders ist? „La rossa“ ist eine komplett blei- und nickelfreie Jazztrompete, die damit auch für Allergiker unbedenklich ist. Sie hat alle Musikertests mit Bravour bestanden und überzeugt durch einen wunderbaren Klang und die hohe Handwerkskunst, mit der sie geschaffen wurde. Ihr Meister: Max Hertlein, Metallblasinstrumentenbaumeister und Mundstückspezialist beim Traditionsunternehmen Werner Chr. Schmidt.

Wir haben mit ihm über seine Leidenschaft für den Beruf gesprochen und darüber, wie es der Branche aktuell geht.

Herr Hertlein, was fasziniert Sie besonders an Ihrem Handwerk?

Die Vielseitigkeit, die der Beruf mit sich bringt, und der intellektuelle Anspruch. Mit frischen Ideen Traditionen weiterzuführen und alten Instrumenten eine neue Seele einzuhauchen, das fasziniert mich. Die meiste Freude aber bereitet mir der direkte Kontakt zu den Musikerinnen und Musikern und deren Wertschätzung für die Mundstücke und Instrumente. Am Ende schafft man etwas Einzigartiges, das ein Leben lang hält.

Warum haben Sie sich gerade für diesen Beruf entschieden?

Den Beruf des Metallblasinstrumentenmachers haben bereits sechs Generationen vor mir in unserer Familie ausgeübt. Ich selbst habe von klein auf Trompete gespielt und hatte daher einen gewissen Ehrgeiz, diese Tradition fortzuführen. So habe ich schließlich 2017, mit 23 Jahren, meinen Meister gemacht.

Foto: Werner Chr. Schmidt
Foto: Werner Chr. Schmidt

Wer hat sie an dieses besondere Handwerk herangeführt?

Mein Großvater Bernhard Schmidt, mit dem ich auch heute noch jeden Tag in der Werkstatt stehe.

Welche Instrumente fertigen Sie genau?

Als ältester Mundstückhersteller der Welt fertigen wir seit 1842 hochwertige Mundstücke für alle Metallblasinstrumente im Kunsthandwerk. Zudem stellen wir seit über 30 Jahren Metallblasinstrumente wie Konzerttrompeten, Jazztrompeten, Wald- und Doppelhörner, Posaunen, Jagdinstrumente etc. her. Aber auch Reparaturen und historische Restaurationen von Metallblasinstrumenten gehören zu unserem Alltag.

Gibt es ein Instrument, auf das Sie besonders stolz sind?

Allerdings, dies ist unsere neueste Entwicklung, eine absolute Weltneuheit: die erste blei- und nickelfreie Trompete der Welt. Ich habe sie „la rossa“ getauft, in Anlehnung an das kupferrote Haar der Sängerin Milva. Die Trompete besteht aus reinem Kupfer und einer speziellen Bronze.

Was ist daran so besonders?

Nickel als Werkstoff kann Allergien hervorrufen, wenn es längere Zeit mit der Haut in Berührung kommt. Nun werden aber alle Metallblasinstrumente aus Messing und Neusilber, mit hohen Blei- und Nickelanteil, hergestellt. Bisher hat die europäische REACH-Verordnung die Verarbeitung von Nickel nur für Piercings, Brillen, Armbänder und Schmuck geregelt – Produkte, die direkt am Körper länger getragen werden. Künftig sollen aber auch Musikinstrumente inbegriffen sein. In der Branche hat das für große Unruhe gesorgt. Für uns war das der Ansporn, ein komplett blei- und nickelfreies Instrument zu entwickeln.
 

Foto: Mirko Hertel Fotografie

Welche Talente sollte man in diesem Beruf haben?

Man sollte handwerklich und musikalisch begabt sein, geduldig und ungeduldig zugleich.

Wie wichtig ist für Sie Brauchtum, gerade in der heutigen Zeit?

Die Tradition wird bei uns großgeschrieben, ist ein wichtiger Impulsgeber in unserer täglichen Arbeit. Schließlich sind viele Handgriffe und Prozesse in der Fertigung heute noch genauso wie früher. Nur so können wir die hohe Qualität garantieren.

Wer zählt zu Ihrer Kundschaft? Gibt es vielleicht auch den einen oder anderen namhaften Kunden (berühmte Bands, Musiker etc.)?

Da gibt es eine ganze Reihe, bekannte und weniger bekannte. Lüdwig Güttler zum Beispiel, Wolfgang Schwalm von den Wildecker Herzbuben, Prof. Jörg Wachsmuth vom Melton Tuba Quartett, Prof. Walter Hilgers, Karl-Heinz Georgi vom Gewandhausorchester Leipzig, aber auch Bläser des André Rieu Orchesters und der Staatskapelle Dresden.

Wie geht es Ihrer Branche zurzeit? Was sind die größten Herausforderungen aktuell?

Die Branche lebt von Veranstaltungen, Konzerten, Messen, Festivals – all dies findet seit zwei Jahren nicht statt. Unserer Branche geht es nicht gut, und es ist auch nicht abzusehen, dass es so schnell besser wird.

Hat die Branche ein Nachwuchsproblem? Und wenn ja, was sollte man tun, um den Beruf attraktiv zu machen für die nachwachsende Generation?

Die Branche hat tatsächlich ein Nachwuchsproblem. Die Berufsschule in Klingenthal hat oft Probleme, überhaupt eine ganze Jahrgangsklasse zu bilden. Hier in der Region ist in den großen Betrieben oft jeder zweite oder dritte Beschäftigte ein Quereinsteiger. Als ausgebildeter Instrumentenbauer ist man doch schon ein Exot.