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Fashion

Spreadshirt

Leipzig
T-Shirt mit Motiv

Vom studentischen Start-up zum europäischen Marktführer: Warum das Social-Commerce-Unternehmen Spreadshirt so vieles richtig gemacht hat.

E-Commerce im Aufwind

Einkaufen geht heute online: Das schicke Paar Schuhe oder die neue High-End-Kamera sind mit dem Smartphone nur einen Klick entfernt. Unkompliziert und rund um die Uhr. Kein Wunder, dass der E-Commerce-Umsatz durch die Decke geht. Jeder achte Euro im Einzelhandel wird deutschlandweit im Internet ausgegeben. Standards setzen Ebay oder Amazon, aber auch kleinere Firmen spielen ganz oben mit. Spreadshirt zum Beispiel.

„In einer Welt, in der Tech und E-Commerce alles sind, ist das Konzept entscheidend.”
Philip Rooke
CEO Spreadshirt

Plattform für Individualität

2002 gegründet, gehört das Leipziger Unternehmen zu den weltweit führenden E-Commerce-Plattformen für den On-Demand-Druck. Das liegt einerseits am Produkt. Wirklich jeder trägt T-Shirts. Anderseits bestimmt auch der Absatzkanal über den Erfolg: „In einer Welt, in der Tech und E-Commerce alles sind, ist das Konzept entscheidend“, sagt Philip Rooke, CEO von Spreadshirt, und meint damit das veränderte Kaufverhalten der Konsumenten. Wer bei Spreadshirt ordert, wünscht sich schnelle Verfügbarkeit und Individualität. Auf dem Marktplatz und in Tausenden Shops bieten Verkäufer auf Provisionsbasis Merchandising oder Designs vor allem für T-Shirts und Accessoires an.

Kunden haben zudem die Möglichkeit, Produkte nach eigenen Wünschen zu gestalten, mit individuellen Entwürfen oder Motiven aus der Community. Den Rest übernimmt der Onlinehändler: vom Druck bis zum Versand. Das, was bei Spreadshirt passiert, könnte man als Social Commerce bezeichnen: Der Konsument wird zum Produzenten. Eine Idee, die bei den Usern und gut 80.000 aktiven Verkäufern ankommt. 2017 lieferte das Unternehmen fast fünf Millionen Produkte aus, erwirtschaftete rund 107 Millionen Euro.

Eine Erfolgsgeschichte, die im Keller begann

Wollte man Vergleiche ziehen, ist Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski so etwas wie der Steve Jobs der deutschen Start-up-Szene. Was der gebürtige Pole anfasst, wird irgendwie gut: Lieferheld, Mister Spex, Brands4Friends oder StudiVZ. Spreadshirt gründete der heute 40-jährige Tech-Entrepreneur noch während seiner Studienzeit – und verdiente so seine erste Million. Für ein Projekt sollte Gadowski seinerzeit ein Kasseler Textildruckunternehmen, das Jahre vorher sein eigenes Abi-Shirt bedruckt hatte, strategisch beraten. Keine leichte Aufgabe, denn das Bedrucken von Einzelstücken lohnte sich kaum und war noch dazu sehr teuer für die Kunden. Nachdem er Prozesse optimiert und geraten hatte, „irgendwas mit dem Internet zu machen“, kam Gadowski auf die Idee für ein eigenes Business: einen Onlineservice für Merchandising-Anbieter und Kunden gleichermaßen. Jeder sollte bei ihm Bekleidung und Accessoires mit Wunschmotiven bedrucken lassen können. Mit Investoren sah es zunächst aber schlecht aus. Trotzdem baute Gadowski in einer Kellerecke der Handelshochschule Leipzig die erste Spreadshirt-Website. Diplom-Ingenieur Matthias Spieß kam ihm zu Hilfe, und 2002 gründeten die beiden die Spreadshirt GbR. Weil sie keinen einzigen Cent zur Verfügung hatten, finanzierten sie sich in den ersten Jahren nur durch T-Shirt-Verkäufe. Aus eigener Kraft wuchs Spreadshirt von Monat zu Monat um durchschnittlich 15 Prozent. Das Unternehmen expandierte in die USA. Neue Mitarbeiter kamen hinzu, bald schon musste eine größere Produktionsstätte her. Das ist nun mehr als zehn Jahre her. Inzwischen ist Spreadshirt global unterwegs, in 18 Ländern weltweit. Gadowski und Spieß sitzen nur noch im Aufsichtsrat. Produziert wird neben Leipzig in Legnica (Polen), dem tschechischen Krupka, im amerikanischen Greensburg und in Las Vegas.

International aufgestellt, regional verwurzelt

Bei aller Internationalität bleibt Spreadshirt seinen Wurzeln treu. Und die liegen nun mal in Sachsen. Leipzigs Stadtteil Plagwitz mit seinen kleinen Cafés, dem Bäcker um die Ecke und der lebhaften Künstler- und Alternativszene ist da so etwas wie der feste Boden unter den Füßen im schnelllebigen Online-Zeitalter. Und rasend schnell ist vor allem die Art und Weise, wie Kunden heute einkaufen: Das Produkt der Wahl ist im Netz nur noch einen Klick entfernt. Der Einzelhandel muss darauf reagieren – mit personalisierbaren Produkten und mit einer auf die Vorlieben der Konsumenten zugeschnittenen Auswahl. Denn die unterscheiden längst nicht mehr zwischen stationär oder online. Das Stichwort hier: Multichannel-Shopping. Vor allem der US-Handel hat das längst erkannt. Das Smartphone wird zum ständigen Begleiter, die Filiale zum begehbaren Onlineshop. Es geht um Inszenierung der Produkte – und um Einkaufserlebnisse. Gekauft wird letztlich vor allem online. Oder eben doch im Laden, der – Apple macht es vor – inzwischen ohne Kassensysteme auskommt. Bezahlt wird übers Smartphone des Verkäufers, der Kassenbeleg kommt, wenn gewünscht, per E-Mail.

„Es geht darum, die Leute happy zu machen. Wir verbringen schließlich viel Zeit im Büro.”
Stefanie Frenking
Recruiting und Feel-Good-Management, Spreadshirt

Erwachsenes gewordenes Start-up

Mittlerweile sind mehr als 750 Menschen für Spreadshirt tätig, rund 350 davon in der Leipziger Firmenzentrale: von Kundenberatern über Frontend-Architekten, Juristen und Marketingexperten bis hin zu Mitarbeitern in der Produktion. Man hat versucht, sich den Start-up-Charakter zu bewahren. In der alten Fabrikhalle an der Gießerstraße, wo einst Eisenbahnkräne montiert wurden, geht es entspannt zu. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt irgendwo bei 30. Die meisten tragen Shirts, mancher läuft barfuß oder in Socken. Die Türen zu den Großraumbüros stehen offen, draußen im Flur trifft man sich zum Quatschen am Kaffeeautomaten. Bereits vor Jahren hat man eine Feel-Good-Managerin eingestellt. Stefanie Frenking, ebenfalls verantwortlich fürs Recruiting, bringt ein bisschen Silicon Valley nach Leipzig. Denn Wohlfühlmanager kennt man sonst eher nur von großen Tech-Firmen wie Facebook oder Google. „Es geht darum, die Leute happy zu machen. Wir verbringen schließlich viel Zeit im Büro“, sagt Frenking und erzählt von Wandertagen, Sprachkursen, flexiblen Arbeitszeiten oder Yoga. Zum Lunch geht es auf die Dachterrasse. Gesprochen wird Englisch, die gemeinsame Sprache von Mitarbeitern aus 27 Nationen.

Kleidung als Form von Social Media

CEO Philip Rooke kam 2009 zu Spreadshirt, zunächst als Leiter der Abteilung Sales und Marketing. 2011 rückte der gebürtige Brite zum CEO auf. Und er weiß, wovon er spricht. Vor Spreadshirt war Rooke Teil des Managements der britischen Supermarktkette Tesco, die als einer der Vorreiter des E-Commerce gilt. Was Spreadshirt kann, bringt Rooke auf den Punkt: „Es reicht heute nicht mehr aus, etwas zu teilen, zu liken oder zu twittern. Man muss seine Botschaft auf der Brust tragen.“ Der Traffic in Spreadshirts Community ist hoch: Pro Woche werden mehr als 200.000 neue Designs hochgeladen. Zusammengerechnet wurden bisher gut zwei Millionen Quadratmeter T-Shirt-Fläche bedruckt, was etwa der Fläche von 280 Fußballfeldern entspricht. Tendenz steigend. Das Internet macht die Kombination von Massenproduktion und Einzelstück möglich. Ob T-Shirts, Poster und Wandbilder, Tassen, Hoodies oder Baby-Strampler: Geordert wird im Shop alles, was man sich vorstellen kann. Und was erlaubt ist. Spreadshirt propagiert die freie Meinungsäußerung, eine Abteilung prüft dennoch hochgeladene Dateien. Sind sie nicht als Marke geschützt und enthalten weder illegale noch hetzerische Inhalte, werden sie freigegeben – und stehen der Community zur Verfügung. Bedruckt werden die Baumwollshirts dann an den fünf Produktionsstandorten mit unterschiedlichen hochwertigen Drucktechniken – je nach Anforderung. Danach wird die Ware in alle Welt verschickt.

Neue Einkaufserlebnisse schaffen

Dass heute niemand mehr um die Optimierung seiner Webinhalte für die Darstellung auf mobilen Endgeräten herumkommt, verdeutlicht folgende Statistik: Mehr als 40 Prozent aller Bestellungen kamen 2017 bei Spreadshirt über Smartphones. Das belegen auch aktuelle Zahlen des Handelsverbandes Deutschland: Fast 30 Prozent des Onlineumsatzes werden derzeit durch Käufe mit dem Smartphone erzielt. Und selbst wer stationär kauft, informiert sich vorher im Netz. Auch Sprachassistenten spielen dabei eine immer größere Rolle. Letztlich geht es immer auch um eine Vereinfachung und Erleichterung des Einkaufserlebnisses. Stichwort: Künstliche Intelligenz. Der Einsatz von algorithmischen Entscheidungen im Handel ist vielfältig. Von personalisierten Produktempfehlungen über intelligente Preisgestaltung bis hin zu Chatbots und Promotion-Robotern – welche Technik sich hinter welcher Lösung verbirgt, ist für den Kunden erst einmal zweitrangig. Hauptsache, er kommt schnell und einfach an sein Lieblingsprodukt. Die neuen Trends im E-Commerce verfolgt auch Philip Rooke ganz genau, der die Reichweite von Spreadshirt weiter steigern will. In Konkurrenz steht er dabei vor allem mit Amazon. Auf den Online-Riesen und seinen Marketplace entfielen 2017 bereits 46 Prozent des Onlineumsatzes in Deutschland. Der Onlinehändler setze Standards, die kleine E-Commerce Unternehmen nur schwer halten könnten, so Rooke. „Wir müssen kontinuierlich hart daran arbeiten, unsere Kundenservices und Lieferzeiten zu verbessern, um mit Amazon konkurrieren zu können.“ Und der CEO hat noch ein weiteres großes Ziel: Als Nächstes will das Unternehmen von Leipzig aus den asiatischen Markt erobern.

Fakten

Standort: Leipzig

Gründungsjahr: 2002

Mitarbeiter: rund 750 weltweit, davon ca. 350 am Hauptsitz in Leipzig

Geschäftsführung: CEO Philip Rooke

Mission: E-Commerce-Plattform für den On-Demand-Druck für Kleidung und Accessoires

www.spreadshirt.de

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