Rallyefahrer und Sportler des Jahres Julius Tannert im Interview.

Heulende Motoren, kurvige Feld- und Waldwege und meterhoch aufgewirbelter Staub, ein Rallye-Auto, das mit 200 Sachen über Stock und Stein heizt. Ungefähr so sieht für Julius Tannert aus Zwickau ein perfekter Tag aus. Die Leidenschaft für den rasanten Motorsport wurde dem 27-Jährigen in die Wiege gelegt. Schon sein Vater war Rallyefahrer, doch auch seine sächsische Heimat und die hiesige Automobiltradition und Motorsportbegeisterung haben ihn geprägt. Vor sechs Jahren fuhr Julius sein erstes Rennen, seitdem jagt ein Highlight das nächste: 2015 gewann er den Opel Cup, wurde in die ADAC Stiftung Sport aufgenommen und fuhr bei der Junior Europa- und Weltmeisterschaft gute Platzierungen ein. Anfang 2018 zeichnete ihn der ADAC als Sportler des Jahres aus. Vor-Ort-Termin auf dem Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal – nicht nur traditionsreiche Rennstrecke, sondern mittlerweile auch Julius’ zweites Wohnzimmer. Wir erfahren, was sein größter beruflicher Traum ist und warum es für ihn ein Glücksfall ist, Sachse zu sein.

Julius, wolltest du schon als kleiner Junge Rennfahrer werden?

Eigentlich schon. Ich bin sehr früh mit dem Thema Motorsport in Berührung gekommen. Mein Vater ist schon zu DDR-Zeiten mit dem Trabi Rallye gefahren. Aber erst mit 22 Jahren hatte ich selbst die Chance, das erste Mal eine Rallye zu fahren, weil man neben dem Führerschein dafür auch das nötige Kleingeld braucht. Ich stand auch gleich auf dem Siegertreppchen. Im gleichen Jahr fuhr ich noch vier weitere Rennen und gewann auch. Da war es um mich geschehen.

Julius Tannert glänzt auf Schnee und Eis. Bei seinem Debüt bei der Rallye Schweden konnte der Sachse den dritten Platz in der stark umkämpften Junior-Weltmeisterschaft holen.

Was ist dein größter beruflicher Traum?

Meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ein Stück weit ist mir das auch schon gelungen, in meinem Job als Fahrinstrukteur. Vom klassischen Fahrsicherheitstraining bis zum Rennstreckentraining gebe ich Kurse. Mein Traum ist es, mit einem Allrad-Fahrzeug in der internationalen Meisterschaft Siege einzufahren.

Als Sportler des Jahres 2017 wurde Julius im Januar 2018 ausgezeichnet.

Im Januar wurdest du als Sportler des Jahres ausgezeichnet. Was bedeutet das für dich?

Der ADAC Sachsen, der die Auszeichnung verliehen hat, ist ein wichtiger Partner für mich. Natürlich hab eich mich sehr geehrt gefühlt. Es ist eine tolle  Auszeichnung. Ich denke, der ADAC wollte neben meinen sportlichen Leistungen als einziger Deutscher in der WM mein Engagement für den Motorsport honorieren.

Du bist viel international unterwegs. Wie fühlst du dich als Sachse in der Welt?

Dadurch, dass ich bei Rennen oft der einzige Deutsche bin, werde ich vornehmlich erst mal als solcher wahrgenommen. Insofern sehe  ich mich als Botschafter Sachsens. Hier bin ich  geboren, hier bin ich zu Hause. Den einen oder anderen Gag gibt es mal über den Dialekt, aber da stehe ich drüber. Hochdeutsch ist okay, aber Akzent gehört dazu. Ist ja auch ein Teil von mir.

Wie würdest du die sächsische Motosport-Szene beschreiben?

Ich denke, ich habe großes Glück, dass ich von hier stamme. Wegen der großen Affinität der Sachsen zum Motorsport, der Nähe zum Sachsenring. Hier ist die große Rallye-Familie zu Hause. Große Unternehmen, aber  auch die Medien haben ein hohes Interesse daran, den Motorsport zu unterstützen. So hat der Rallye-Sport in den letzten Jahren großen Zulauf bekommen. Wir sind nach wie vor ein Sport zum Anfassen mit offenen Fahrerlagern. Man kann uns die Hand schütteln und kommt näher ran an die Strecke.

Der Sachsenring nahe Hohenstein-Ernstthal

Der Sachsenring nahe Hohenstein-Ernstthal

Was schätzt du als gebürtiger Zwickauer besonders an deiner Heimat?

In Zwickau schlägt das Herz des Motosports. Das spürt man überall – die Menschen sind stolz auf ihre Sportler,  das Interesse ist groß. Gern lade ich darum nach Sachsen ein, nach Dresden und nach Leipzig. Damit entkräfte ich nicht selten Vorurteile, die durch Berichterstattung entstanden sind. Ich erzähle immer wieder davon, dass wir hier total weltoffen sind, und wie schön es hier ist.

www.julius-tannert.de

Alle Fotos im Beitrag ©Mirko Mühlisch