Revolutionär im Herzen, revolutionär in der Bewegung

Ruhig, konzentriert, fast unscheinbar – Mario Schröder ist ein besonderer Chef mit einem besonderen Führungsstil. Bei 40 Tänzern und Individualisten aus 25 Nationen ist das vermutlich das Erfolgsrezept. Lässig steht der Direktor des Leipziger Balletts während der Proben zu PAX 2014 inmitten seiner Company. Die Arbeit ist für ihn eine ganz eigene, geht es doch dabei auch um ihn, um seine Biografie. Das Stück wird beim Lichtfest in Leipzig aufgeführt, 25 Jahre friedliche Revolution, das sind für ihn auch 25 Jahre persönliche, künstlerische und vor allem freie Entwicklung. Was das für ein Gefühl war, damals, in jenen chaotischen Herbsttagen? „Es hat mich förmlich zerrissen“, bringt Mario Schröder es auf den Punkt. „Allabendlich auf der Bühne stehen zu wollen und zugleich auf die Straße zu gehen, um zu demonstrieren. Damit sich etwas verändert, damit sich etwas bewegt.“ Und zugleich die ständige Angst, verhaftet zu werden. Das hat Spuren hinterlassen. Spuren, die sich bis heute in Schröders künstlerischem Werk wiederfinden. Schröder ist Palucca-Schüler, der über Stationen in Würzburg und Kiel sowie Arbeiten in Japan, den USA, Russland, der Mongolei, Frankreich und weiteren europäischen Ländern ans Leipziger Opernhaus kam. Der Auftritt beim Leipziger Lichtfest am Abend des 9. Oktobers ist für ihn eine echte Herzensangelegenheit. „Es geht um Freiheit – eine Kraft, die Menschen bis heute überall auf der Welt antreibt“, betont Schröder. Damals waren es vor allem zwei Lieder, die die Menschen auf den Straßen in Leipzig spontan gesungen haben: „Die Internationale“ und „We shall overcome“. Das war keine Performance und keine Kunst, es war Ausdruck eines verbindenden Freiheitswillens, der sich durchgesetzt hat. Mit dieser Tradition und mit diesen Werten wollen sich Leipziger Künstler und diverse internationale Gäste auseinandersetzen. Damit wird das Lichtfest zur Bühne für die Kunst und zugleich viel mehr.