Außergewöhnliche Projekte brauchen charismatische Macher, die neue Wege gehen. Einer davon ist Leipzigs Zoodirektor Jörg Junhold.

„2020 sind alle Tiergehege modernisiert. Der Zoobetrieb funktioniert klimaneutral nach höchsten Umweltstandards. Wir sind beim weltweiten Artenschutz ein großes Stück vorangekommen und bieten unseren Besuchern eine europaweit einzigartige Reise durch exotische Tier- und Pflanzenwelten“, beschreibt Prof. Jörg Junhold, Leipziger Zoodirektor, seine Zukunftsvision. Ausgestattet mit viel Energie, Charisma, einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein plus Durchsetzungskraft treibt der 50-Jährige sein Lebenswerk voran. „Zoo der Zukunft“ hat er den Masterplan für den Um- und Ausbau des Leipziger Zoos überschrieben. Wenn der in fünf Jahren umgesetzt ist, „haben wir den Zoo einmal komplett umgekrempelt“, sagt der Zoodirektor. Mit sächsischer Kreativität – Hier in Leipzig geht immer was –, Fleiß und Hartnäckigkeit geht er mit seinem Team die nächsten drei Bauabschnitte an, in denen neue Tier- und Pflanzenwelten wie die asiatische Inselwelt Sulawesi mit Volieren und Kranichanlage entstehen.

Offen denken und Abenteuer wagen

Dabei klingen manche seiner Vorschläge anfangs verrückt. So wie Ende der 90er-Jahre die Idee zu Gondwanaland, einer riesigen Dschungelwelt mitten in der Großstadt. „Am Anfang war das einfach ein verrückter Traum. Wir haben zwölf Jahre geplant und 3,5 Jahre gebaut. Es war in jeder Hinsicht ein Abenteuer“, erzählt Junhold lächelnd, während er durch die üppige tropische Pflanzenwelt streift. Heute leben auf 16.500 Quadratmetern rund 100 Tierarten im Gondwanaland. Exotische Pflanzen gedeihen üppig bei feuchtwaren 26 Grad Celsius. Wie stellt man so was auf die Beine? „Indem man offen denkt“, antwortet der 50-Jährige prompt. Nach der Wende hat der studierte Tiermediziner fünf Jahre in einem amerikanischen Unternehmen gearbeitet. „No Limits! Das war dort der Wahlspruch, das hat mich geprägt.“

Zwölf Meter hohe, freischwingende Hängebrücken: Mut zu ungewöhnlichen Wegen

Am Anfang ist also immer die Idee, danach wird an der technischen und zoologischen Umsetzung getüftelt, erst zum Schluss wird die Finanzierung geklärt. Junhold geht mit seinem Team aus Zoologen, Tierärzten, Marketingexperten und Zukunftsforschern ungewöhnliche Wege. Im Gondwanaland heißt das konkret, dass Besucher über zwölf Meter hohe, freischwingende Hängebrücken laufen und so einen atemberaubenden Überblick auf den Dschungel genießen können. Solche Ideen machen den Leipziger Zoo zum Besuchermagneten für jährlich zwei Millionen Tierfreunde aus ganz Deutschland. Junhold bietet den Zoobesuchern ein großartiges lehrreiches Freizeiterlebnis. Es soll ein rundum stimmiges Konzept sein.

Einzigartiges Gondwanaland: Symbiose aus Architektur und Klimatechnik

Deshalb bilden Architektur und Klimatechnik beispielsweise im Gondwanaland eine Symbiose. Das Dach besteht aus einer freitragenden Stahlkonstruktion, in die Folienkissen eingelassen sind. Diese lassen Sonnenlicht und -wärme passieren. Ein 100 Liter großer Erdwärmespeicher speichert die Energie und nutzt sie nachts zum Heizen. Ein ausgeklügeltes Heiz- und Bewässerungssystem sorgt für das tropische Klima nach höchsten Umweltstandards. Riesige Zisternen mit einem Gesamtfassungsvermögen von 640 Kubikmetern sammeln das Regenwasser, um die Pflanzen zu beregnen. Jörg Junhold: „Wir können schließlich nicht nur von Nachhaltigkeit und Umweltschutz reden, wir wollen es auch vorleben.“

Der Leipziger Zoo hat sich in den vergangenen 15 Jahren unter Junholds Führung von einem althergebrachten Tierpark mit Betongehegen und Gittern zu einem artgerechten Naturerlebnispark gewandelt und es unter die Top 3 der beliebtesten deutschen Zoos gebracht.

www.zoo-leipzig.de