Unterwegs in Sachsens Osten – Instagramer Johannes aka Bokehm0n aus Leipzig, die Norwegerin Ann-Silvia und Georg aus Deutschland stellen im Gastbeitrag das Zittauer Gebirge vor.

Da wir den Sonnenaufgang nicht verpassen wollten und es den Tag davor geregnet hatte, machten wir uns bereits in der Nacht von Freitag zu Samstag auf den Weg ins Abenteuer, um das Zittauer Gebirge zu entdecken. Nach zweistündiger Fahrt über fast leere Autobahnen und Landstraßen erreichten wir endlich unser Ziel, den Kurort Oybin. Vorrausschauend hatten wir uns vorher ein paar geeignete Aussichtspunkte auf der Karte markiert und so machten wir uns gleich auf den Weg, denn die Blaue Stunde und die Morgendämmerung setzten bereits ein. Nach einer halben Stunde errichten wir den Gebirgskamm und entschieden uns, spontan in Richtung Scharfenstein-Aussicht zu laufen. Der eigentlich geplante Weg wäre doch etwas zu weit geworden und wir haben uns in der Zeit für den Aufstieg etwas verschätzt. Auf dem kleinen Kamm entlang gehend, ergaben sich immer wieder Möglichkeiten, abseits des Weges bereits einen Blick auf den Berg und die Klosterruine Oybin zu erhaschen. So entschieden wir uns schon auf dem Weg ein paar Fotos zu schießen. Dabei stellten wir fest, dass die Hoffnung auf Morgennebel nicht vergebens war und sich eine gewaltige Nebelwand ins Tal schob.

Als wir endlich den Aussichtpunkt erreichten, waren wir von dem Ausblick überwältigt. Die Sicht auf das kleine Dorf, umgeben von den Bergen und dazu noch der Nebel, der sich lawinenartig ins Tal ergoss, erzeugten eine atemberaubend-mystische Stimmung, wie ich sie selten zuvor an einem Morgen erlebt habe. Mein erster Gedanke war, dass es sich wirklich gelohnt hat, dieses Wochenende auszuwählen und so früh loszufahren. Besser hätte das Wetter aus meiner Sicht nicht sein können. Nachdem wir unser Shooting auf der Aussichtsplattform beendet hatten, beschlossen wir, zurück zum Auto zu wandern und dann zu dem Aussichtspunkt zu fahren, zu dem wir eigentlich wandern wollten. Bereits von weitem sah man den Turm aus dem Nebelmeer herausragen und wir setzten alle Hoffnungen darauf, dass der Turm nicht abgeschlossen war. Erleichterung setzte ein, als wir die Tür erreichten – unsere Gebete wurden erhört. Über eine lange Wendeltreppe gelangt man zum Dach. Von dort aus ist die Sicht ins Tal nicht weniger imposant. Wie in Zeitlupe schoben sich die Nebelberge ins Tal, so was hatte ich noch nie zuvor von oben erlebt, immer nur in der Ferne. Es gab Momente, wo das ganze Dorf Oybin auf einmal verschwunden war und plötzlich riss die Nebeldecke auf und man sah die einzelnen Häuser wieder.

Nach etwa einer halben Stunde auf dem Turm lichtete sich der Nebel langsam. In der Ferne wurde ein verlassenes Haus sichtbar, dass uns an ein Spuckhaus aus alten Horrorfilmen erinnerte und sicher eine perfekte Kulisse für solche Filme bieten würde. Etwa um halb acht löste sich allmählich der Nebel auf und wir beschlossen, erstmal zum Olbersdorfer See nahe Zittau zu fahren. Als wir ankamen waren alle so müde, dass wir die Schlafsäcke und Isomatten am Ufer ausbreiteten, um den Schlaf, der uns in der letzten Nacht gefehlt hatte, endlich nachzuholen. Die Müdigkeit überkam uns alle sehr schnell und so schliefen wir gefühlte zehn Stunden in der prallen Mittagssonne, was natürlich Sonnenbrand für alle bedeutete. Ich bin mir sicher, dass wir einen ziemlich komischen Anblick für die Zittauer Badegäste geboten haben, als wir uns mit unserer Zeltausrüstung am Strand die Sonne auf den Bauch scheinen ließen. Schlussendlich war es der Hunger, der uns schon zur Mittagszeit wieder den Schlaf raubte.

Nachdem wir uns mit ein wenig Essen aus dem nächsten Supermarkt versorgt hatten, beschlossen wir das nächste Projekt in Angriff zu nehmen und ein paar Fotos von der Zittauer Schmalspurbahn zu machen. Da sich aber ein Gewitter anbahnte, beschlossen wir jedoch lieber im Auto zu warten, was sich als die richtige Entscheidung herausstellte. Es begann wie aus Eimern zu schütten und wir mussten ganze zwei Stunden im Auto warten. Nachdem es endlich aufgehört hatte, entschieden wir uns gegen die geplante Fahrt mit der Bahn von Zittau nach Oybin, sondern suchten doch lieber eine geeignete Stelle, um den Zug von einer Brücke aus zu fotografieren, um eine etwas andere Perspektive zu haben. Als wir eine geeignete Stelle gefunden hatten, hieß es zu warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit sahen wir dann endlich die Rauchschwaden der Dampflok über dem Wald. Freundlicherweise erklärten sich Georg und Ann-Silvia bereit, für uns zu modeln. Die Stimmung mit dem verregneten Wald und den Beiden vor dem Zug, ergab in meinen Augen ein super Motiv. Nach diesem kleinen Shooting beschlossen wir, dass es Zeit für das Abendbrot war. Auf der Fahrt dorthin stellten wir fest, dass es viele lange gerade Straßen gab und somit eine perfekte Location, um Skateboard-Fotos zu machen. Also fuhren wir gestärkt nach dem reichlichen Abendbrot wieder Richtung Oybin und erlebten unterwegs einen Mix aus Sonnenuntergang und Regenschauer. Da ließ ein Doppel-Regenbogen auch nicht lange auf sich warten. Somit verbrachten wir den Sonnenuntergang damit, auf der Straße zu skaten und den Regenbogen zu fotografieren.

Nachdem die Nacht hereingebrochen war stellten wir fest, dass der Boden durch die Regenschauer so durchgeweicht war, dass es uns nicht wirklich sinnvoll erschien, die Zelte aufzuschlagen und wie geplant zu campen. So entschlossen wir uns schweren Herzens den Heimweg anzutreten und wieder Richtung Chemnitz zu fahren. Kurz hinter Zittau stoppten wir dann doch noch ein letztes Mal, da wir ein schönes Feld entdeckten. Trotz des Sonnenuntergangs war es noch hell genug, um am Feldrand entlang zu gehen, den kreativen Ideen freien Lauf zu lassen und sich ein wenig über vergangene Zeiten zu unterhalten. Als dann die Nacht über uns hereingebrochen war, machten wir uns auf den Rückweg und fuhren wieder über menschenleere Autobahnen zurück nach Chemnitz, wo alle todmüde und voll mit Impressionen vom Tag ins Bett fielen und den kompletten Sonntag verschliefen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass es ein rundum gelungenes Wochenende für uns alle war. Das Zittauer Gebirge hat ich uns von seiner schönsten Seite gezeigt und ich hoffe, dass dieser kleine Eindruck meiner Erlebnisse und meine Bilder viele neue abenteuerlustige Menschen dazu animieren, auch mal eine Wanderung, eine Kletterpartie, eine Fahrt mit der Dampflok oder auch eine Kloster- und Burgbesichtigung im Zittauer Gebirge zu unternehmen.

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