Die Schriftstellerin Rebecca Salentin betreibt in Leipzig das mobile Café „ZierlichManierlich“

Es gibt kaum einen Ort, an dem man den besonderen Flow von Leipzig so spüren kann, wie am Richard-Wagner-Hain. Die von dicken Eichen beschattete Wiese erstreckt sich zwischen der ehemaligen Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) und der Weißen Elster. Das Areal hat sich zu einer riesigen Chill-out-Zone gemausert, seit Rebecca Salentin hier vor sechs Jahren ihr „ZierlichManierlich“ eröffnet hat. Knallgrün ist der alte Zirkuswagen, aus dem Salentin zusammen mit ihrem Team selbstgebackenen Kuchen, Kaffee, Limonaden, Panini und frische Salate verkauft. Alles unglaublich lecker, das Meiste in Bio-Qualität aus der Region. Sächsische Lebensart auf acht Quadratmetern.

Eine Geschäftsidee, im Vorbeifahren entwickelt

Entstanden ist die Idee des mobilen Cafés beim Fahrradfahren, erzählt die 35-Jährige. „Ich bin hier immer mit meinen Kindern auf dem Rad vorbeigefahren und habe gedacht: Das ist ein so toller Platz, hier müsste ein kleiner Imbisswagen stehen.“ Zusammen mit einer Freundin spann sie im Herbst 2008 die Geschichte weiter, suchte nach einem alten Bau- oder Zirkuswagen. Bei einem Aufenthalt in Stuttgart wurde sie zufällig im Garten von Freunden fündig: „Da stand dieser alte, ungenutzte Postwagen, ziemlich heruntergekommen, die gelbe Farbe abgeblättert. Ich durfte ihn einfach mitnehmen.“ Bekannte schleppten ihn mit 60 km/h im Winter nach Leipzig, Rebecca Salentin restaurierte ihn in Eigenregie bis zum Frühling 2009. Das Grünflächenamt gab sein Okay, den Wagen von April bis Ende Oktober als Café zu betreiben. „Die Stadt fand es gut, dass das Gebiet dadurch belebt wird.“

Sechs Monate von der Idee bis zur Eröffnung

Die Rechnung ging auf. Am 10. April 2009 eröffnete Rebecca Salentin ihr „ZierlichManierlich.“ Von der Idee bis zur Eröffnung hatte es mit der nötigen Kraft und Entschlossenheit nur ein halbes Jahr gebraucht. Heute, nach sechs Jahren, hat Salentin zwei Angestellte und kann vom ZierlichManierlich leben. An sonnigen Wochenende pilgern hunderte Gäste zumeist mit dem Fahrrad an den Richard-Wagner-Hain: Studenten, Familien, Künstler, Touristen. Es ist ein entspanntes, genussvolles und sportliches Miteinander: Essen, Lesen, Spielen, Treffen, Chillen. Salentin selbst stammt ursprünglich aus der Eifel. Nach Leipzig kam sie 2003, weil sie am renommierten Deutschen Literaturinstitut studieren wollte. Das klappte zwar nicht, Schriftstellerin ist die Frau mit den wilden Locken trotzdem geworden. Eine Art Teilzeit-Schriftstellerin. Von November bis März, wenn ihr mobiles Café Winterpause macht, schreibt Salentin. Konsequent und diszipliniert.

„Schuld war Elvis“ erscheint zur Leipziger Buchmesse 2015

Im März 2015 erscheint ihr zweites Buch „Schuld war Elvis“ im Verlag C. Bertelsmann. Es ist ein Familienroman geworden, über drei Generationen, der in einem kleinen Dorf in der Eifel spielt. Nachdem Salentins Café gut läuft, will sie sich im nächsten Jahr mehr Zeit für das Schreiben nehmen, auf Lesereise gehen, ihr Buch promoten. Wie sie das alles schafft, denn zwei Kinder hat sie ja auch noch? „Och, ich habe meine Jungs schon zeitig bekommen, die sind inzwischen 13 und 15 Jahre alt und aus dem Gröbsten raus. Klar ist es manchmal ganz schön viel, aber ich will es genau so“, sagt sie. „Schreiben wollte ich schon immer, ein Café haben auch.“ In Sachsen fühlt sich die schreibende Café-Besitzerin total wohl. „Ich genieße, dass ich alles mit dem Rad machen kann, und die vielen Kulturangebote. Ich habe in Leipzig alles, was ich brauche. Hier will ich so schnell nicht weg.“

www.rebecca-salentin.de