Sachsen ist eines der kleinsten deutschen Anbaugebiete, die Aufbauleistung seit 1990 ist aber gewaltig.

Trinken für den Frieden, lautete das Motto der „Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit“, die August der Starke im 18. Jahrhundert ins Leben rief. Gemeinsam mit dem preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm wurde geplaudert und über manche politische Krise einfach hinweg getrunken. Arrangiert hatte die Runde Graf von Wackerbarth. Noch heute trägt das Sächsische Staatsweingut in Radebeul seinen Namen, einst diente es ihm als Alterssitz. Zur Wiedervereinigung war das Gut technisch veraltet, die Qualität der Weine minderwertig, Investitionsbedarf bestand in Millionenhöhe. „Sächsischen Wein“, sagt Geschäftsführerin Sonja Schilg in der Rückschau, „kannten damals nur wenige.“ Ein Bewirtschaftungskonzept musste her. Wein als Kulturgut zu vermarkten, als Botschafter einer ganzen Region, zu fungieren, für Genuss und Kultur zu stehen, die gesamte 55 Kilometer lange Sächsische Weinstraße von Pirna bis Diesbar-Seußlitz zu repräsentieren, so lautete die Zielvorgabe. Außerdem sollte die Wein- und Sektherstellung erlebbar werden: „Europas erstes Erlebnisweingut“ war das Ergebnis.

Bedarf höher als Angebot

„Die Nachfrage nach sächsischem Wein und Sekt ist heute größer als das Angebot“, sagt Schilg. Sie kommt auf 160 Besucher, die verweilen, etwas essen, trinken oder einkaufen. Jedes Jahr, allein auf Wackerbarth. Dazu Bälle, Führungen, Seminare, Weinbergwanderungen. 700 Flaschen Wein und Sekt werden jährlich abgefüllt – bei Wein überwiegend Riesling, Müller-Thurgau, Kerner, Dornfelder und Spätburgunder.

Privat und Staat

Vom Absatz und von der Rebfläche stößt neben der Winzergenossenschaft Meißen in diese Kategorien nur einer vor: Georg Prinz zur Lippe vom Weingut Schloss Proschwitz. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts war sein Familienzweig in Sachsen ansässig. Nach Kriegsende enteignet, flohen die Lippes in den Westen. 1991 begann Georg Prinz zur Lippe als Garagenwinzer. Er kaufte ein Gut in Zadel nahe Meißen und 1996 den Familiensitz zurück. Schloss Proschwitz ist heute das älteste und größte Privatweingut Sachsens. Auf etwa 90 Hektar werden vor allem Weiß- und Grauburgunder angebaut, Spät- wie Frühburgunder, Elbling und der nur in Sachsen vertretene Goldriesling. Einen zweistelligen Millionenbetrag hat der Agraringenieur in Sachsen investiert. Weitere 46 Hektar hält er in Thüringen. 600 Flaschen kommen so zusammen. „Ich will etwas Nachhaltiges aufbauen, meine Fußstapfen hinterlassen“, sagt er.

Im Weingut in Zadel wurde ein Hotel eingerichtet, ein Restaurant, die Vinothek. Das Schloss kann gemietet werden für Feste, Seminare, Konzerte. Neben dem von Klaus Zimmerling in Dresden gehört der Betrieb als einziger Sachsens zum Verband der Prädikatsweingüter. Nicht nur sie haben gewaltige Qualitätssprünge hingelegt, sondern die gesamte Branche. Dabei ist das 850 Jahre alte sächsische Weinbaugebiet mit 480 Hektar Rebfläche eines der kleinsten Deutschlands. Bewirtschaftet werden die Flächen von mehr als 2500 Winzern, 99 Prozent sind Kleinwinzer.