Sonderstraßenbahn, WGT-Eis, schwarz dekorierte Schaufenster: Zu Pfingsten begeistert sich eine ganze Stadt für ihre schwarzbunten Gäste aus aller Welt.

Thomas Schäfer, Pächter des Campingplatzes Auensee, steht erwartungsvoll unter den dichten Laubbäumen, die seinen Platz beschatten. In ein paar Stunden wird der Großteil der diesjährigen WGT-Gäste anreisen. Er freut sich drauf. „Die Gastfreundschaft ist in Leipzig eine völlig natürliche Sache. Wir sind eben eine Messestadt. Die Leipziger mögen Gäste, so war es schon immer“, sagt er. Schäfer ist Chef über 164 Plätze für Zelte oder Wohnmobile, 47 rustikale Blockhäuser und elf romantische Finnhütten. Der Campingplatz ist schon seit DDR-Zeiten eine Institution in Leipzig. Es ist die Mischung aus Natur, Ruhe, Stadtnähe und individueller Herzlichkeit, die die Touristen an seinem Platz lieben. „Unsere Gäste schätzen individuelle Tipps. In großen Hotels bleibt leider oft die Herzlichkeit auf der Strecke. Das ist bei uns anders.“ Das Urig-Familiäre mögen jedes Jahr zu Pfingsten auch die Gäste des WGT.

Schaulaufen auf dem Campingplatz

Die Gruftis wohnen auf dem Zeltplatz neben „ganz normalen“ Leipzig-Besucherinnen und -Besuchern. „Am Anfang war das für manche Gäste schon ein kleiner Kulturschock, als die Gotikfans sich in ihre Kostüme geworfen haben. Inzwischen freuen sich alle dran.“ Das schwarzbunte Schaulaufen beginne schon auf dem Campingplatz. „Wenn die nach der Morgentoilette, die meist eher eine Mittagstoilette ist, über den Platz flanieren, ist das großes Kino.“ Für das Reinigungspersonal sei es manchmal allerdings eine Herausforderung, die Spuren von Haarfarbe, Schminke und Haarspray zu beseitigen. „Nun ja, das gehört halt zum WGT und zur Gastfreundschaft dazu“, sagt er lächelnd.

Perfekt unperfekt: Herzlich willkommen im „Garten Eden“!

Luftlinie 15 Kilometer weiter westlich scheint die Sonne im „Garten Eden“, einem neu eröffneten Hostel. Eva, eine der vier Initiatorinnen, sitzt an einem kleinen Tisch und macht Schildchen an die Zimmerschlüssel. Die Rezeption ist heute mal im Garten, der Frühstücksraum auch. Zwei Englisch sprechende Backpacker sitzen gemütlich draußen und frühstücken. Daneben tollt Hündin Taxi mit ihren zwei Hundebabys. Gabriela, Besitzerin Nummer zwei, über die Eden-Philosophie: „Wir bieten eine günstige alternative Übernachtungsmöglichkeit an, um Leipzig auf eine besondere Art kennenzulernen.“ Ganz wichtig sei der persönliche Kontakt zu den Gästen. „Oft helfen wir, individuelle Stadterkundungstouren zu organisieren, und geben dabei gerne unsere Erfahrungen weiter. Schön ist es auch, wenn beim gemeinsamen Grillen Gäste und Freunde zusammenkommen“, so Gabriela.

Individuell und gemütlich: Übernachten in kreativer WG-Atmosphäre

Willkommenskultur und Gastfreundschaft haben im Eden etwas von gemütlicher, kreativer WG. Die vier Gründerinnen Gabriela, Thea, Eva und Jule haben ihr Hostel mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Jedes Zimmer ist individuell von einem Künstlerkollektiv kreiert, viele Möbel selbst gebaut. So scheint das Zweibettzimmer „Mackintosh“ wie geschaffen für WGT-Besucher – mit den gotisch anmutenden rabenschwarzen Stühlen. Alle Möbel sind hier selbstgeschreinert – ein Gemeinschaftswerk vom Holzwerkkollektiv Ernst & Jung und der Leipziger Künstlerin Miez Wars. Die Gäste finden das Konzept cool. Beispielsweise Ottilie aus Neuseeland, die im „Girls Dorm“ steht und sich WGT-tauglich schminkt. Die 24-jährige Studentin macht gerade eine mehrmonatige Weltreise und hat ihren Trip so geplant, dass sie zu Pfingsten in Leipzig ist. „Das Hostel ist toll. Ich liebe die Festivalstimmung in der ganzen Stadt – Leipzig ist so offen.“ Als sie fertig ist, fährt sie in die Innenstadt, um sich mit Freunden aus Spanien zu treffen. Die schwere Entscheidung, ob Live-Konzert, Lesung, Ausstellung, Mittelaltermarkt oder Party hat sie noch vor sich. Schließlich feiert beim WGT zu Pfingsten eine ganze Stadt.

www.eden-leipzig.de