Schon von der Autobahn 14 aus sieht man ihr rotes Dach aus der Ferne leuchten, und in der 9000-Seelen-Stadt Brandis, etwa 20 Kilometer östlich von Leipzig, ragt sie markant über alle Häuser hinaus. Obwohl sie selbst eigentlich gar nicht außergewöhnlich groß ist – doch ihre exponierte Lage verschafft ihr den besten Blick weit und breit – die Rede ist von der Bergkirche Beucha.

Im strahlenden Sonnenschein wartet Jörg Sämisch bereits mit dem Schlüssel in der Hand vor dem weiß getünchten, historischen Gemäuer. Seit über 30 Jahren ist er Mitglied des Kirchenvorstandes und betreut alle baulichen Maßnahmen, die an dem jahrhundertealten Gebäude regelmäßig anstehen. „Unsere Kirche hat viele Besonderheiten“, erzählt er stolz während er die schwere Holztür aufsperrt und Einblick in das kleine Gotteshaus gewährt.

Warum dieses an einer so markanten Stelle am Rande eines herzförmigen Felsvorsprungs steht? Nun ja, man muss wissen: Die Kirche war zuerst da. Erst danach entstand ihre einmalige Umgebung. Die Geschichte der Kirche lässt sich zurückführen bis ins 12. Jahrhundert – wie früher üblich wurde sie am höchsten Punkt im Ort erbaut. Um Schotter und Splitt für den Ausbau der Postkutschenwege zu gewinnen, begannen die ansässigen Bauern im 14. Jahrhundert, rund um die Kirche Steine zu brechen. Mit der Zeit wurde der Steinbruch immer größer und rückte immer näher an die Kirche heran. So nah, dass bei deren Erweiterung das Kirchenschiff gen Westen angebaut werden musste und der Kirchturm so nun nach Osten zeigt. Eine weitere Besonderheit: 1847 sollte das Gotteshaus dem wachsenden Steinbruch sogar in Gänze weichen und abgerissen werden. Beträchtliche Summen wurden für das Land geboten. Dem unermüdlichen Einsatz des damaligen Pfarrers Stephani ist es zu verdanken, dass die Kirche standhaft blieb und noch heute auf ihrem kleinen Berg zu bewundern ist.

Ein Rundweg um den Kiessee führt zu Aussichtspunkten, von denen man die kleine Kirche bewundern kann

Auch nach so langer Zeit beherbergt die Bergkirche Beucha noch kleine Geheimnisse, die erst nach und nach gelüftet werden. So wurden vor einiger Zeit bei der Festigung des Putzes in der Sakristei figürliche Bemalungen – eine Seltenheit in dieser Gegend – entdeckt, die vermutlich aus dem Jahr 1500 stammen. Nach und nach werden diese nun behutsam freigelegt – in Zukunft ist hier ein Raum der Stille geplant.

Wer die schlichte, aber in jedem Fall sehenswerte Kirche besuchen und von innen bestaunen möchte, kann dies an jedem Sonntag zwischen Ostern und dem Reformationstag von 14 bis 18 Uhr tun. Die Bergkirche Beucha hat sich, besonders bei schönem Wetter, als beliebtes Ausflugsziel etabliert. Rund um den Steinbruchsee windet sich ein kleiner Trampelpfad, der in den nächsten Jahren zu einem festen Rundweg ausgebaut werden soll und der zwischen Bäumen und Sträuchern die schönsten Blicke auf die Kirche freigibt. Der Parthe-Radweg führt ganz in der Nähe, entlang und in der Umgebung gibt es viele Möglichkeiten, um einen kleinen kulinarischen Stopp zur Stärkung einzulegen. Geheimtipp von Jörg Sämisch: das Eiscafé „Lilly Vanilly“ in Brandis – hier lohnt es sich, sich in die meist lange Schlange zu reihen.

Sonntags ist die Kirche für alle geöffnet

Ein weiterer Grund für einen Ausflug nach Beucha: Regelmäßig finden Konzerte in der Bergkirche statt. Die nächsten Termine sind am 22. April (Orgelkonzert) und 27. Mai 2017 (Kammermusik für Streichquartett). Den Weg zu finden, fällt nicht schwer: immer dem roten Kirchdach nach.

Alle Bilder im Beitrag ©Ramona Schacht