Die meisten Mitarbeiter beim Computerkonzern Apple nutzen ein sächsisches Schreibprogramm: Ulysses. Entwickelt wurde es von The Soulmen, einem Leipziger Softwareunternehmen. Im März dieses Jahres hat das Unternehmen dafür den Apple Design Award gewonnen. Der Preis gilt als Oscar der Computerbranche, verliehen wird er jährlich auf der internationalen Entwicklerkonferenz WWDC. Wir haben mit Max Seelemann, einem der beiden Gründer von The Soulmen, in Leipzig gesprochen:

Was ist es für ein Gefühl, in der Apple-Zentrale in Kalifornien auf der Bühne zu stehen?

Ach, ein aufregendes. Wir wussten ja vorher wirklich nicht, ob wir gewinnen. Wir wussten nur, dass wir in der Endauswahl sind. Es gibt jedes Jahr zehn Prämierte. Und als wir dann als Vorletzte aufgerufen wurden, war das einfach großartig. Der Laudator erzählte dann, sie hätten bei Apple eine hausinterne Umfrage gemacht, welches Schreibprogramm die Mitarbeiter nutzen. Die meisten arbeiten mit „Ulysses“ – mit unserem Programm. Das war für mich persönlich das größte Kompliment.

Wofür genau haben Sie den Award bekommen?

Wir wurden für die hervorragende Umsetzung prämiert. Die App gibt es für Mac, iPhone und iPad. In der Begründung stand sinngemäß, dass Ulysses den Nutzern erlaubt, auf dem Gerät ihrer Wahl zu arbeiten und immer die gleichen Funktionen konsistent verwenden zu können.

Was kann Ulysses, was andere Textverarbeitungsprogramme nicht können?

Kurz gefasst könnte man es so ausdrücken: Während bei Word & Co. im Vordergrund steht, wie das Layout eines fertigen, gedruckten Textes aussehen soll, orientiert sich Ulysses an den Bedürfnissen von Menschen, die viel schreiben. Das Schreiben selbst wird zu einer angenehmen Erfahrung, und es gibt eine Reihe von Funktionen, die dabei helfen, sich zu konzentrieren, produktiv zu arbeiten, seine Schreibprojekte zu organisieren usw. Außerdem läuft das Programm auf den genannten Apple-Geräten, sodass Sie, wenn Sie gerade eine Idee haben und in der Straßenbahn oder im Restaurant sitzen und nur das Smartphone dabeihaben, dennoch an Ihren Texten weiterarbeiten können. Sitzen Sie am nächsten Morgen wieder am Schreibtisch vor Ihrem Laptop, ist alles da und an der richtigen Stelle, was Sie am Tag zuvor mobil geschrieben haben.

Was bedeutet der Name „Ulysses“ eigentlich?

Der Name „Ulysses“ (deutsch „Odysseus“) geht auf den Roman von James Joyce, dem bekannten irischen Schriftsteller, zurück. Der hat ja unheimlich viel geschrieben. Und unser Produkt ist auch für Leute gemacht, die täglich schreiben.

Wofür steht Euer Firmenname „The Soulmen“?

Der Name war das Ergebnis der direkten Übersetzung meines Nachnamens: Seelemann – Soulman. Und sofort hatten wir den Song aus Blues Brothers im Ohr und wussten, das passt. Denn der Name symbolisiert Herzblut, Begeisterung, Leidenschaft.

Wie ist Eure Firma entstanden?

Mein Kompagnon Marcus Fehn wollte 2002 einen Roman schreiben und war auf der Suche nach einem passenden Schreibprogramm. Er fand aber keines. Durch Zufall haben wir uns kennengelernt, ich war damals 15, ging noch in die Schule und habe hobbymäßig programmiert. Ich hatte Lust, an dem Projekt zu arbeiten. 2003 haben wir die erste Version von Ulysses entwickelt, 2011 unsere Firma gegründet. Seitdem haben wir sehr viel Arbeit und Kraft investiert, was sich nun auszahlt.

Welche Ziele haben Sie für sich und die Firma?

Wir sind ganz langsam gewachsen, aus uns selbst heraus, ohne Fremdkapital. So soll es auch bleiben. Momentan sind wir ein Team von elf Leuten aus den Bereichen Entwicklung, Grafik, Marketing und Support. Wir haben eine lange Liste, was wir an Ulysses noch verbessern wollen. Das sind fast alles Wünsche und Vorschläge von unseren Kunden, mit denen wir in engem Kontakt stehen. Täglich bekommen wir E-Mails mit Rückmeldungen aus aller Welt. Zuletzt haben wir das Programm an WordPress angebunden, eine Software, mit der viele Blogger arbeiten. Der Standort Leipzig ist für uns prima, hier lässt es sich gut leben und arbeiten. Ich empfinde meine Heimatstadt als weltoffen, die Leipziger als herzlich. Hier ist viel in Bewegung, das mag ich sehr. Das Einzige, was mich umtreibt: Wir suchen schon seit langem einen zusätzlichen Programmierer und finden keinen…

Herzlichen Dank für das Interview!

 

Zur Person:

Max Seelemann, Jahrgang 1987, programmiert seit seiner Grundschulzeit. Er begann auf den ausrangierten Macs seiner Eltern, die selbständige Landschaftsarchitekten sind. Nach seinem Abitur am Wilhelm-Ostwald-Gymnasium studierte er an der TU Dresden Informatik und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. 2011 entschied sich Seelemann, zusammen mit dem Webdesigner Marcus Fehn eine Firma zu gründen – und damit gegen eine wissenschaftliche Karriere. Der 29-jährige Leipziger ist verheiratet und Vater von drei Mädchen.

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