So richtig passt Stephanie Oppitz in keine Schublade. Und das will sie auch nicht. Mühelos wandert sie zwischen den Welten: Bloggerin, Mitbegründerin einer neuen Dresdner Waldorfschule, dreifache Mutter. Vor allem aber: Gründerin des aufstrebenden Dresdner Start-ups „WindelManufaktur“, das neuartige Stoffwindeln herstellt. Gar nicht so leicht, die Wahl zwischen Modell „Missi Samtpfötchen“, „Glückspilz“ oder „Zaunkönig“. Die 3-in-1-Windeln sind waschbar, hautfreundlich und wunderschön. Vor allem aber: aus nachhaltiger Produktion.

Individuelle und nachhhaltige Windeln im schicken Design entstehen in der Windelmanufaktur Dresden.

Und dabei ist Stephanie Oppitz noch nicht einmal eine von denen, die die Welt verbessern wollen. Ein bisschen dazu beitragen aber schon. „Wenn man weiß, dass jedes Kleinkind bis zu einer Tonne Windelmüll produziert, dann gibt das einem schon zu denken“, sagt die quirlige Mittdreißigerin. Irgendwann sei ihr der Windelmüll ihrer eigenen drei Kinder (heute 9, 7 und 5 Jahre alt) über den Kopf gewachsen, die gängigen Stoffwindeln aber auch keine Option gewesen, weil „unpraktisch und zeitaufwendig.“ Etwa ein Jahr tüftelte Stephanie Oppitz an der idealen Stoffwindel, die umweltfreundlich und praktikabel sein sollte. Sie brachte sich selbst das Nähen bei. 2014 war das. Heute verlassen rund 700 Windelpakete monatlich die Manufaktur in der Dresdner Neustadt, wo sie zuvor in liebevoller Handarbeit von ihren aktuell zehn Mitarbeiterinnen genäht wurden. Ihre Kunden findet sie hauptsächlich im deutschsprachigen Raum, aber zunehmend auch in den USA, Skandinavien, China und Südafrika.

Stephanie Oppitz hat Kunden weit über den großen Teich hinaus.

Und wenn sie eines ist, dann gut vernetzt. In Sachsen. Und in der Welt. Gern erzählt sie die Geschichte von Amazon, das die WindelManufaktur erst kürzlich mit dem Hauptpreis für die beste Markenbildung geehrt hat. Sie hatte sich am Förderprogramm des Internethändlers „Unternehmer der Zukunft – lokal und rund um die Welt“ beteiligt und gegen 23 andere Unternehmen durchgesetzt. Sehr geschmeichelt hat ihr auch, dass sie beim diesjährigen Futuresax-Ideenwettbewerb mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Kein Wunder. Ihre Fangemeinschaft auf Facebook, Instagram und Co. zählt insgesamt knapp über 15.000 Personen, die beim Onlinevoting zum Publikumspreis mitmachen konnten.

Nicht nur bequem und farbenfroh sind sie – bei den Kleinen und Großen kommen die nachhaltigen Windeln super an. Viel zu schade, um Hosen drüber zu tragen …

Dass bei diesem Programm der Doktortitel irgendwann auf der Strecke blieb, gerät da fast zur Randnotiz. Bereut hat sie es nur kurz, schließlich stand sie kurz vor der Dissertation. Aber „die Architekturkontrolle in der DDR 1953-1957“ hatte sich, thematisch, irgendwann überholt. Und wenn die studierte Architektin eines nicht gern tut, dann zurückzuschauen. „Eigentlich bin ich immer auf der Suche – nach Inspiration, neuen Ideen und Projekten“. Und so wundert es nicht, dass sie das nächste Projekt bereits fest im Blick hat: Anfang Oktober wird das bestehende Sortiment aus Windeln, Flanellfeuchttüchern und Stilleinlagen um eine weitere Produktlinie erweitert: die Frauenhygienemarke Von Ocker und Rot.

Auch hier geht es um emotionale Produkte. Im weitesten Sinne. „Eigentlich bin ich immer auf der Suche – nach Inspiration, neuen Ideen und Projekten. Kürzlich haben wir zum Beispiel eine Schwimmwindel entwickelt, die eher aussieht wie eine coole Badehose mit integriertem Auslaufschutz.“

Die Schwimmwindel mit integriertem Auslaufschutz.