Das #Rosenwerk begann als Dresdner Stadtteilprojekt und ist heute Teil einer weltweiten Bewegung, die Offene Werkstätten fördert.

Es dämmert in dem kleinen Gewerbegebiet an der Dresdner Rosenstraße. Die meisten Firmen haben längst Feierabend gemacht, aber wie so oft brennt in einem zweigeschossigen Plattenbau noch Licht. Hier hat das „ #Rosenwerk“ seit 2015 sein Domizil auf 500 Quadratmetern. Hervorgegangen aus einem Stadtteilprojekt in Dresden-Löbtau, ist das #Rosenwerk heute eine Mischung als Selbsthilfewerkstatt und „FabLab“. Es gibt eine gut ausgestattete Tischlerei, mehrere Nähmaschinen und die Ausrüstung für großformatige Siebdruckarbeiten. Daneben – hier kommt die FabLab-Idee ins Spiel – stehen auch ein Lasercutter, mehrere 3D- und Großformatdrucker sowie jede Menge Equipment für Elektronik-Basteleien oder Programmierer bereit. Wie das alles zusammenpasst, weiß Matthias Röder – einer der Initiatoren im #Rosenwerk-Trägerverein Konglomerat e.V.

Bei der Programmierung des Lasercutters ist Teamwork gefragt.

Testlabor für jedermann

„Das Kürzel FabLab steht für ‚ Fabrikationslabor’ und geht auf Professor Neil Gershenfeld zurück, der seinen Studenten am Massachusetts Institute of Technology 1998 eine High-Tech-Werkstatt für ihre eigenen Projekte zur Verfügung stellte“, erklärt Röder. Aus dieser Idee sei eine weltweite Bewegung auf allen Kontinenten geworden, die den Gedanken der Offenen Werkstätten einen neuen, zeitgemäßen Impuls gab. Wie auch in den klassischen Selbsthilfewerkstätten kann jeder an den „offenen Tagen“ im #Rosenwerk alle technischen Einrichtungen nutzen – von der Hobelbank bis zum 3D-Drucker. „Es geht uns hier aber nicht primär ums Basteln“ stellt Matthias Röder klar: „wir wollen Möglichkeitsräume für Menschen eröffnen, in denen sie ihre Ideen umsetzen können.“

So vielfältig die Ausrüstung ist, so unterschiedlich sind die Nutzer der Möglichkeiten im #Rosenwerk. Start-up-Unternehmen zählen dazu, die hier ihre ersten Schritte gemacht haben. Viele Dresdner kommen her, weil sie daheim weder Platz noch Ausrüstung für ihr Hobby oder gelegentliche Handwerksarbeiten haben. Dazu natürlich Studenten oder Künstler, die sich und neue technische Möglichkeiten in einem kreativen Umfeld ausprobieren wollen.

Perspektivwechsel inklusive

Diese Vielfalt nutzt auch dem #Rosenwerk. „Unseren Lasercutter mit 100 Watt Leistung oder die computergesteuerte Holzfräse haben Mitglieder selbst gebaut“, sagt Matthias Röder. „Normalerweise kosten solche Geräte etliche tausend Euro, aber dank Eigeninitiative und Know-how wurden sie finanzierbar und die Leute haben wertvolle Erfahrungen gesammelt.“ Andere Vereinsmitglieder geben kostenpflichtige Kurse, um die Finanzierung des #Rosenwerks über Mitgliederbeiträge hinaus zu sichern; schließlich ist die Nutzung aller Einrichtung zu den „offenen Zeiten“ kostenfrei. Das nämlich ist ein elementarer Grundgedanke des Konzepts der Offenen Werkstatt: Wirklich jeder Bürger soll hier die Möglichkeit haben, einmal die Perspektive zu wechseln: vom Konsumenten zum Produzenten.