1991 kam der Selfmade-Unternehmer Hans J. Naumann nach Chemnitz. Heute ist seine Firma Weltmarktführer.

Die A 72 in Richtung Westen führt direkt an den Fabrikhallen vorbei. Das mag als Sinnbild für ein Unternehmerleben gelten, das von einer langen Reise geprägt war und das hier in Chemnitz seine Erfüllung fand. Es ist das Leben von Hans J. Naumann: Mit der Enteignung und Vertreibung seiner Eltern aus Sachsen begann 1945 für den damals Zehnjährigen ein Weg, der ihn erst nach Hamburg und später bis nach Amerika führen sollte – und schlussendlich wieder zurück nach Sachsen.

Dort schlägt heute das Herz der Unternehmensgruppe NILES-SIMMONS-HEGENSCHEIDT, die zu den zehn größten Werkzeugmaschinenherstellern Deutschlands zählt und weltweit rund 1.360 Mitarbeiter beschäftigt, 450 am Standort Chemnitz.

Unternehmergeist mit Weitblick

Als Weltmarktführer für Werkzeugmaschinen zur Produktion von Eisenbahnrädern, -achsen oder -radsätzen und zur Instandhaltung von Radsätzen aller Schienenfahrzeuge besetzt die Unternehmensgruppe eine exklusive Marktnische. Hier sind höchste Qualität und Präzision im Mikrometerbereich gefordert, weil Sicherheit und Zuverlässigkeit im Transportwesen von immenser Bedeutung sind. Dass die Chemnitzer Werkhallen des einstigen DDR-Betriebs einmal Teil dieser Erfolgsgeschichte sein würden, war jedoch in den frühen 1990er-Jahren alles andere als sicher. „Als das Unternehmen 1991 von der Treuhand zum Kauf angeboten wurde, habe ich mich sofort gemeldet“, erinnert sich der Firmeninhaber. „Bestandteil des Kaufs war auch ein russischer Großauftrag über Drehmaschinen im Wert von rund 36 Millionen Mark, gleichbedeutend mit einer Jahresproduktion. Ich wollte diesen Auftrag bedienen und gleichzeitig die Technologie und Qualität des Drehmaschinenproduktes auf den westlichen Standard bringen.“ Allerdings ging den russischen Kunden bereits 1992 das Geld aus. „Das war schon eine kritische Situation: NILES hatte monatlich allein eine Million Mark für Löhne und Gehälter zu zahlen, aber kein Produkt für die westlichen Märkte. Dort die für Russland bestimmten Maschinen zu verkaufen, war äußerst schwierig.“ Die Lösung war das Know-how der Firma SIMMONS Machine Tool Corporation, die Naumann 1982 erworben hatte. Damit gelang es, zu den Chemnitzer Drehmaschinenprodukten auch Radsatzbearbeitungsmaschinen in das Produktprogramm aufzunehmen. Ein Großauftrag von General Motors aus den USA Mitte der 1990er-Jahre läutete den sächsischen Teil der Erfolgsgeschichte des Unternehmers ein: NILES-SIMMONS lieferte mehr als 100 Maschinen zur Kurbelwellen-Bearbeitung an fünf neue GM-Werke in den USA.

Weltweit gefragte Qualität

Die Unternehmensgruppe wuchs weiter, etwa durch den Zukauf von HEGENSCHEIDT in Erkelenz 2001. Nach seiner Rückkehr nach Europa 1970 hatte Naumann deren Geschäfte geführt, bis er 1982 SIMMONS einschließlich der Maschinenbausparte des US-Konzerns NILES kaufte. „Ich wollte die Unternehmensgruppe immer möglichst breit aufstellen, um die Abhängigkeit von einer Branche zu vermeiden“, erklärt der Unternehmer. Deshalb liefert die Firmengruppe ihre gewaltigen Metallbearbeitungszentren an Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, an die Automobil- und Truckindustrie, den allgemeinen Maschinenbau, den Werkzeug- und Formenbau sowie die Eisenbahn- und Metroindustrie. Auf allen Kontinenten bearbeiten NILES-Maschinen filigrane Turbinenwellen, tonnenschwere Kurbelwellen für Schiffsdiesel oder Radsätze für Hochgeschwindigkeitszüge. Oder anders gesagt: Präzision aus Sachsen bewegt die Welt.

www.niles-simmons.de