Lisa-Marie Groh ist frisch gebackene Abiturientin und taffe Unternehmerin. Im Juni hat sie die 12. Klasse abgeschlossen und im Anschluss ihr eigenes Restaurant übernommen, das Lottys am Zwenkauer Hafen. Mit Blick auf das Wasser kann man hier, am größten See des Leipziger Neuseenlandes, italienisch essen, Eis genießen und Cocktails probieren. Lotty, das ist Lisas Spitzname schon seitdem sie klein ist.

Während viele ihrer ehemaligen Klassenkameraden erst mal Urlaub machen und danach nicht wissen, wie es weitergeht, hat Lisa einen Plan: „Ich habe mir hier ein Jahr gegeben, um zu sehen, ob der Job was für mich ist.“ Sie schiebt hinterher: „Aber schließlich weiß ich ja von meinen Eltern, wie das ist, im Gastrogewerbe als Selbständige zu arbeiten, ohne festen Feierabend und Feiertage.“ Lisas Eltern führen seit dreieinhalb Jahren das Restaurant „Groh“ gleich nebenan. „Da habe ich schon immer viel mitgeholfen. Zum einen, weil es irgendwie doof ist, wenn die Eltern arbeiten und man selbst abhängt, zum anderen, weil mir das schon immer leichter fiel als die Schule.“

Kurswechsel: vom Leistungssport zum eigenen Unternehmen

Doch sie hat den Abschluss gemeistert: „Aufgeben ist nichts für mich. Was ich anfange, mach’ ich auch zu Ende.“ Das klingt verblüffend erwachsen und nach einer großen Portion Durchhaltevermögen. Kein Wunder, Lisa-Marie ist Sportlerin und hat fünf Jahre lang sechs Mal die Woche geboxt – unter lauter Männern. Eigentlich war der Leistungssport ihr Berufswunsch. „Ich liebe Boxen über alles, vor allem die Strategie dabei. Du besiegst Deinen Gegner nicht durch Kraft, sondern im Kopf, das finde ich toll.“ Ein tragischer Unfall, bei dem sie sich die rechte Hand schwer verletzt, verhindert den Plan, Profisportlerin zu werden. Es dauert lange, bis sich die heute 18jährige damit abfindet, dass ihr Handgelenk kein hartes Boxtraining mehr verträgt.

Teamleistung: Zusammen packen wir das

Nun ist es die Selbständigkeit, in die sie sich stürzt. Natürlich funktioniert das nur mit festem Rückhalt durch die Eltern und einem Team, das zu ihr hält. „Ich weiß, auf meine Eltern kann ich immer zählen. Wir stimmen uns in allen wichtigen Dingen ab, sie gewähren mir allerdings viel eigenen Entscheidungsspielraum.“

Ihre Eltern, seit vielen Jahren selbständige Unternehmer, haben Lisa-Marie diesen Start ermöglicht. Sich beweisen und ordentlich anpacken muss sie selbstverständlich dennoch. Manchmal sogar noch ein Stück mehr. „Wenn Du die Tochter bist, musst Du doppelt so hart arbeiten, um zu zeigen, dass Du es kannst.“ Und das macht sie, steht 13, 14 Stunden im Restaurant, bedient, macht die Bestellungen, die Dienstpläne, tüftelt an neuen Eis-Kreationen.

Lisa-Marie Groh führt ein Team von vier Leuten, auf die sie schwört. Das sei dennoch nicht immer leicht, schließlich seien alle älter als sie, aber es funktioniere. „Lustig war“, erzählt sie lachend, „als sich eine Servicemitarbeiterin beworben hat, zum Vorstellungsgespräch kommen wollte und meine Eltern wahrheitsgemäß gesagt haben: ‚Deine Chefin ist gerade auf Klassenfahrt.’“ Inzwischen ist die junge Frau eingestellt und mit 19 nur ein Jahr älter als Lisa.

Und was sagen eigentlich ihre Freunde? „Och, die finden das ganz gut, was ich mache. Viele sind halt noch auf der Suche und wären froh, wenn sie wüssten, was sie machen sollen.“

Wenn die junge Frau erzählt, wirkt sie zupackend und reifer als viele Gleichaltrige. Das rührt vor allem daher, weil sie klare Ziele hat. „Ich möchte, dass das Lottys ein Treffpunkt für junge Leute wird. Dass meine Gäste gern hierherkommen, sich Zeit nehmen zum Essen, Genießen und Neues ausprobieren. Ich habe total Spaß dran, neue Eiskreationen und Cocktails zu entwickeln.“

Dafür besucht sie Weiterbildungen und Seminare. Natürlich weiß sie, dass sie eine Ausbildung und einen Abschluss braucht und überlegt derzeit, eine Kochlehre zu machen. „Es ist immer gut, sich selbst auszukennen, dann kann mir in der Küche niemand was erzählen.“ Wieder so ein Satz, der zeigt, dass man mit 18 Jahren schon ziemlich erwachsen sein kann. Auf eine gute Art.

Alle Fotos im Beitrag ©Robert Strehler.