Wer dem Unternehmen Hojoki einen Besuch abstattet, erhält eine Ahnung vom Gründergeist im kalifornischen Silicon Valley.

Am Anfang stand die Cloud, die Datenwolke des Internets. „Und ein Abbruchhaus im Chemnitzer Osten“, sagt Martin Böhringer. Dort fanden der 29-Jährige und seine Mitstreiter zunächst Unterschlupf, als sie im Januar 2011 die Firma Hojoki gründeten. Verströmte das damalige Domizil noch den linoleumdurchsäuerten Standard eines früheren Behördenstandorts, ist heute vieles anders. Das Unternehmen logiert am anderen Ende der Stadt auf dem Kaßberg in einem herrschaftlichen Gründerzeithaus.

Künstliche Wolken

Neben Böhringer machen sich an diesem Ort auch die Mitgründer Lutz Gerlach (40), Danilo Härtzer (36) und Thilo Schmalfuß (33) ihre Gedanken. Alle stammen aus der Region. Sie tüfteln mit acht Mitarbeitern an den Dienstleistungen der Firma, die sich als Cloud-Aggregator versteht: Böhringer & Co. entwickeln vor allem für Unternehmen der internetgetriebenen Kreativbranche einen zentralen Zugang („Livestream“) zu einer Vielzahl von Cloud-Apps. „In einer fortlaufenden Chronologie machen wir den aktuellen Status von Arbeitsprojekten sichtbar“, erklärt er. Dazu können Dokumente, Kontakte oder Termine eingespeist werden. Beteiligte Mitarbeiter sind so in der Lage, Arbeitsfortschritte zu verfolgen, zu kommentieren, sich mit Kollegen auszutauschen. Ziel sei es, verschiedene Applikationen auf Cloud-Basis schneller zu koordinieren. Hojoki programmiert dafür die Web- und Smartphone-Anwendungen, die spezielle Cloud-Apps wie Dropbox oder Evernote auf einer Oberfläche vernetzen. Neben einer kostenlosen gibt es eine gebührenpflichtige Variante mit mehr technischen Möglichkeiten.

Firmenphilosophien aus fernen Ländern und Zeiten

Für die Namenswahl haben sich die Macher von Hojoki von einem japanischen Buchtitel aus dem 13. Jahrhundert inspirieren lassen. Der Inhalt der philosophischen Abhandlung wurde später mit der Formel „Alles fließt“ aus der Antike in Verbindung gebracht. Neu entwickelt hat Hojoki die Anwendung Catch-App. Mit Catch-App werden die wöchentlichen Statusberichte in Unternehmen überflüssig. Ein Manager sehe in Echtzeit, welchen Fortschritt ein Projekt erzielt hat oder wo Hindernisse liegen.

Für die Finanzierung schlägt das Team unkonventionelle Wege ein: Nach einem Gründungsstipendium des Sächsischen Wirtschaftsministeriums suchte Böhringer neue Finanziers. Zwei Fremdkapitalgeber steuerten Beträge in Millionenhöhe bei. Derzeit wird die Produktentwicklung beschleunigt und irgendwann „könnte ein Börsengang folgen oder ein Verkauf“, hofft Böhringer. Dass dies kein Gedankenspiel bleiben muss, zeigt der Fall des amerikanischen Wettbewerbers Yammer. 2012 wurde er von Microsoft übernommen. Für 1,2 Milliarden Dollar.