Ein Wochenende lang verwandelte sich die östlichste Stadt Deutschlands in einen Laufsteg für Designer, Models, Journalisten und Fachleute aus ganz Europa! Der Anlass? Die feierliche Verleihung des ersten Euro Fashion Awards für junge aufstrebende Designtalente, dotiert mit insgesamt sage und schreibe 60.000€. Beworben hatten sich 125 Modeabsolventen und Jungdesigner, nominiert wurden 11 von ihnen, die nun die einmalige Gelegenheit bekamen ihre Kollektionen einem ausgewählten internationalen Publikum und einer hochkarätigen Jury (u.a. Alexander Krenn, Chefdesigner bei Vivienne Westwood und Gudrun Allstädt, Ressortleiterin der Textil-Wirtschaft) vorzustellen.

„Und Action!“ im Kaufhaus Görlitz

Man könnte meinen Görlitz sei als Austragungsort für eine solche Veranstaltung nicht geeignet, doch die kleine Stadt ist bestens vorbereitet und kann einiges an Erfahrung mit internationalem Besuch vorweisen. Immerhin diente Görlitz bereits als Kulisse für über 90 Filme, die in den beschaulichen Straßen der Stadt gedreht wurden, unter anderem namhafte Produktionen wie „Inglorious Basterds“, „Das Parfum“ oder „Der Vorleser“. Star-Regisseur Wes Anderson dreht sein Oscar-prämiertes Meisterwerk „The Grand Budapest Hotel“ im historischen Kaufhaus Görlitz, das auf über 100 Jahre Geschichte und Tradition zurück blickt und als Location der Preisverleihung einen spannenden Kontrast zu den kreativen und modernen Modekollektionen der jungen Designer darstellt. Seit 2009 sind die Türen des beeindruckenden Gebäudes mit dem bemalten Glaskuppeldach, den wunderschönen Jugendstilornamenten und imposanten Treppenbögen zwar leider geschlossen, in den nächsten Jahren soll das Kaufhaus aber in seiner klassischen Funktion als Einkaufstempel wiederbelebt werden. Der Euro Fashion Award bietet so eine schöne Gelegenheit, um an die historische Bedeutung des Hauses zu erinnern und die Wartezeit bis zur Neueröffnung zu verkürzen.

„And the winner is…“

Nicht nur durch ihr einzigartig schönes Kaufhaus, sondern auch die Jahrhunderte alte schlesische Tuchmachertradition und das Blaufärbehandwerk ist die Stadt Görlitz mit innovativer Mode- und Textilproduktion vertraut. Dass traditionsreiche Techniken gewahrt werden, beweist die nominierte Designerin Julia Preckel, die Teile ihrer Kollektion mit dem Blaudruckverfahren verzierte. Doch nicht nur Tradition und Geschichte, sondern auch Aspekte wie Nachhaltigkeit und Innovation werden bei den Jungdesignern groß geschrieben.

Die Gewinnerkollektion von Designerin Anastasia Lotikova besteht aus neu zusammengesetzten Textilien von recycelten Jeans und Stoffresten, die die gebürtige Weißrussin von Freunden und Bekannten sammelte. Sie möchte so auf den immensen Verbrauch an natürlichen Ressourcen, wie zum Beispiel Wasser, bei der Herstellung von Kleidung aufmerksam machen. Der zweite Preis geht an die Bremer Designerin Anna Bornhold, die mit einer humorvollen, farbenfrohen Damen- und Herren-Kollektion die Jury überzeugte. Über den dritten Platz kann sich das Leipziger Designer-Trio Zukker freuen, das als zentrales Thema seiner Kollektion „Bergwertung“ den Mantel wählte und diesen mit verschiedenen Bekleidungselementen von Radsportlern kombinierte. Ein weiterer Preis wird von insgesamt sieben Bloggern an Katharina Buczek und ihre Herrenkollektion „Bad News“ vergeben. Die Designerin kann sich über eine ausführliche Berichterstattung über ihre zukünftigen Pläne auf den verschiedenen Blogs freuen. Nach der zweistündigen Show und Verleihung der Awards, wird in den altehrwürdigen Hallen noch bis in die Morgenstunden gefeiert und getanzt. Der Euro Fashion Award soll alle zwei Jahre stattfinden und mit ein bißchen Glück ist das Kaufhaus Görlitz beim nächsten Mal schon wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.

Görlitz – die wohl schönste Stadt Deutschlands

Aber auch bevor es soweit ist, lohnt sich ein Besuch in „Görliwood“, wie sich die 54.000-Einwohner Stadt in Hinblick auf ihre erfolgreiche Statistenrolle liebevoll selbst nennt. Unzählige historische Gebäude, einzigartige Gassen, Straßenzüge und Plätze dienen nicht nur hervorragend als Kulisse für namhafte Hollywood-Streifen, sondern auch für einen entspannten Bummel durch eine der wohl schönsten Städte Deutschlands.