Wilfried Opitz und Pfeffi gehören zusammen. Ohne den umtriebigen Unternehmer aus Leipzig würde es die beliebten Pfefferminzbonbons heute nicht mehr – oder besser – nicht wieder geben. Sein Büro in Leipzig: Schaltzentrale, gut sortierte Ablage der 55-jährigen beruflichen Laufbahn und Pfeffi-„Museum“. Neueste Produkte und originalverpackte Pfeffi-Tütchen aus den 1970ern in harmonischer Eintracht. Der „Herr über die Pfefferminzbonbons“: Baujahr 1939, wache braune Augen, Jeans und Freizeitschuhe.

Der Unternehmer wirkt zwanzig Jahre jünger. Die Arbeit hält ihn fit.

Gerade hat die Traditionsmarke einen Neustart verkündet. Will nicht länger als bloße „Ost-Marke“ punkten, sondern in ganz Deutschland bekannt werden. Opitz ist ganz in seinem Element: „Ich war immer überzeugt, dass Pfeffi auch im gesamtdeutschen Supermarktregal einen Platz hat.“ Er ist seinem Ziel so nah wie nie zuvor: Von geschätzten 700 ostdeutschen Marken haben rund 120 auch im gesamtdeutschen Markt Fuß fassen können. Pfeffi ist eine davon. Nun also die restliche Republik. Wie er die begeistern will? „Pfeffi ist jung, frisch, sympathisch, dynamisch, sportlich, aber eben auch Traditionsmarke“, erklärt der Endsiebziger. Die ersten Pfeffis wurden immerhin bereits 1954 hergestellt, und 1989 hat die Bonbonlegende einen Pfefferminzweltrekord mit einer Jahresproduktion von über 1.660 Tonnen aufgestellt. Mit dem Markenrelaunch – einem Facelift quasi – will Pfeffi nun neue Käufergruppen ansprechen. Die Zeichen stehen gut. Schon sind Pfeffi und seine zitronige Geschmacksvariante Zitro in allen großen Supermärkten und Discountern gelistet. Das Unternehmen ist Sponsor des Handballclubs Leipzig (HCL) und anderer Sportevents. Und hat im bayrischen Familienunternehmen Pit Süßwaren- und Nährmittelfabrik Hoffmann, einer Firma, die in den alten Bundesländern vor allem für ihre Brausepulverbonbons „Prickel-Pit“ berühmt ist, Ende der 1990er Jahre eine solvente Mutterfirma gefunden, die Pfeffi vor der Insolvenz bewahrte. Eine deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte sozusagen. Doch der Reihe nach.

Mit 23 Technischer Leiter in einem Unternehmen mit 500 Mitarbeitern

Opitz wächst in der Sächsischen Schweiz auf und macht in Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt, seinen Ingenieurabschluss für Nahrungs-, Genussmittel- und Verpackungsmaschinenbau. Bereits mit 23 Jahren wird er in Wittenberg Technischer Leiter der Keksfabrik WIKANA, parallel dazu beginnt er ein Fernstudium an der TU Dresden. „Die Jahre in Wittenberg waren eine schöne Zeit. Hier wurden auch unsere drei Töchter geboren.“ Deshalb ist er gar nicht so begeistert, als 1968 das Angebot kommt, als Betriebsleiter des Bonbonherstellers Konsü nach Markleeberg zu wechseln. „Trotzdem war das natürlich eine tolle Chance. Die Stelle passte gut, ich brachte ja das Knowhow für die Süßwarenproduktion aus Wittenberg mit.“ Neben Bonbons sind sogenannte Komprimate das Kerngeschäft der Firma. Das sind Pastillen oder gepresste Bonbons, die aus Zucker, Glukosesirup, pflanzlichem Fett und beispielsweise Pfefferminzöl hergestellt werden.

Aufs Bauchgefühl gehört

In der DDR waren Pfeffi und Zitro sehr beliebt. „Die hatte eigentlich jedes Kind in der Tasche; sie waren lecker und erschwinglich“, erzählt Opitz. Dann kommt die Wende. Zunächst läuft alles gut. Der Betrieb, der unter dem Dach der „Konsum-Genossenschaft“ geführt wurde, produzierte weiter. „Wir hatten die Vertriebskontakte in den Westen ja bereits.“ 1992 dann der Schock. „Völlig aus heiterem Himmel entschied der Vorstand, Konsü zu schließen, und ich stand zusammen mit meinen Mitarbeitern auf der Straße.“ Der Tiefpunkt. Doch Opitz lässt sich nicht unterkriegen. Orientiert sich um, macht sich selbstständig und baut sich eine eigene unternehmerische Existenz auf. Seinen Traum, dass Pfeffis auch im vereinigten Deutschland wieder produziert werden, verliert er nie aus dem Blick.  „Mein Bauch hat mir einfach gesagt, dass Pfeffi auch im gesamtdeutschen Markt einen Platz hat.“ Opitz sucht intensiv nach einem Produktionspartner und findet ihn schließlich im bayrischen Familienunternehmen Pit Süßwaren- und Nährmittelfabrik Hoffmann. „Die Chemie zwischen Seniorchef Rainer Hoffmann und mir stimmte sofort“, erinnert sich Opitz, „und dann haben wir beschlossen, dass wir es einfach wagen.“

Wilfried Opitz erzählt von der wechselvollen Geschichte

Das deutsch-deutsche Unternehmerduo packte gemeinsam an und stellte schließlich auf der Internationalen Süßwarenmesse ISM in Köln im Jahre 2000 die „neuen alten“ Pfeffis vor. Ein Knaller, die Kunden waren begeistert. Noch auf der Messe waren die Auftragsbücher voll. Und was sind seine Zukunftspläne? „Ans Aufhören denke ich jedenfalls nicht, die Arbeit hält mich fit.“

www.pfeffi.de