Das Städtchen Delitzsch zeigt eindrucksvoll, dass man bei Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auch ohne volle Kassen viel erreichen kann.

Zwar hat Delitzsch nur 25 Einwohner, doch seit Ende November darf sich die sächsische Stadt einmal mehr zu den ganz Großen in Deutschland zählen. Beim renommierten „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ war die Stadt als einzige Kommune Ostdeutschlands nominiert worden und schaffte es prompt auf den zweiten Platz in der Kategorie „mittelgroße Städte“. Ausschlaggebend waren vor allem die Erfolge in den Bereichen Energieeffizienz, Klimaschutz und erneuerbare Energien: Im Schulterschluss mit den Bürgern gelang es, zwischen 1990 und 2007 den CO2-Ausstoß der Kommune um 60 Prozent zu reduzieren. Inzwischen wird im Stadtgebiet mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, als insgesamt verbraucht wird, und bei mehreren kommunalen Gebäuden wurden Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent erzielt.

Nachhaltigkeit hat viele Gesichter

Für den Delitzscher Oberbürgermeister Dr. Manfred Wilde ist es „ein gutes Signal, dass Delitzsch als eine der besten nachhaltigen Städte in Deutschland ausgezeichnet wurde.“ Die Jury des Nachhaltigkeitspreises würdigte besonders, dass Delitzsch trotz schwieriger Ausgangsbedingungen „eine Vorbildfunktion im Bereich Energie und Klimaschutz“ einnimmt, dass die Stadt „die vielfältigen Herausforderungen vor Ort als Chancen“ wahrnehme und trotz schwieriger kommunaler Haushaltslage „gezielt seine Stärken“ nutze.

Manfred Wilde sieht mit dem Preis die „Bemühungen der Stadt um eine zukunftsbeständige Sozialentwicklung, um starke regionale Wirtschaftskreisläufe und die enge Zusammenarbeit mit der Wissenschaft“ gewürdigt. Denn dass dieser Erfolg nicht allein zu bewältigen war, liegt auf der Hand. Schon früh suchte und fand man die Unterstützung der Delitzscher Bürger und externer Partner wie das Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement an der Universität Leipzig, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung oder das Leipziger Institut für Energie GmbH. Deren gemeinsame Arbeit brachte Delitzsch schon 2010 den Gewinn des Bundeswettbewerbs „Energieeffiziente Stadt“ ein und die Auszeichnung „European Energy Award Gold®“ – als erste und einzige Stadt Sachsens.

Ansporn für die Zukunft

Doch Energie ist nicht der einzige Nachhaltigkeitsaspekt, den man in Delitzsch im Blick hat. Beim Verkehr setzt man auf die Förderung des Fahrradverkehrs, dessen Anteil in der Stadt bereits bei über 20 Prozent liegt, eine gute Anbindung an überregionale Radwege bildet die Basis für nachhaltige Tourismusangebote. Im Kampf gegen den demografisch absehbaren Fachkräftemangel arbeitet die Stadt eng mit der Bundesagentur für Arbeit und der Bundeswehr zusammen, um ausscheidende Soldaten und Soldatinnen samt Ehepartner in den regionalen Arbeitsmarkt zu vermitteln. Ausruhen kann sich Oberbürgermeister Wilde also nach dem Erfolg beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis nicht. „Für die Zukunft gibt es weitere Pläne, um noch effizienter mit unseren Ressourcen umgehen zu können“, erklärt er. Und damit meint er weit mehr als nur Energie.

www.delitzsch.de