Der Schwabe Wolfgang Jassner hat in Chemnitz die Unterwäschemarke Bruno Banani gegründet und ein Kultlabel kreiert

Als Wolfgang Jassner 1992 aus Baden-Württemberg in die neuen Bundesländer wechselt, arbeiten dort 320 Menschen in der Textilindustrie. Heute sind noch 15 Menschen in dem Industriezweig tätig. Dauerhaft über den Berg ist nur, wer die Zeichen der Zeit erkennt: wettbewerbsfähige Artikel, niedrige Herstellungskosten und ein Markenauftritt, der mit Branchengrößen mithalten kann.

Nix für jeden

Bruno Banani ist darin früh erfolgreich, auch wenn anfangs nur wenige die Marke überhaupt kennen und wenn, dann den Namen zunächst belächeln. Gestartet mit Designer-Herrenunterwäsche und Bademoden, deckt Bruno Banani schnell Marktlücken auf und weiß sich in Szene zu setzen. „Not for everybody“, lautet das unmissverständliche Credo. „Wir wollten originell sein und mit frechen Aktionen auf uns aufmerksam machen“, sagt Jassner. Er weiß, dass er mit seinem Unternehmen den Beweis dafür erbracht hat, dass in der Wäschebranche hierzulande noch Geld verdient werden kann.

Bruno Banani im All und bei der Olympiade

Der Erfolgskurs des Hauses ist dabei ganz wesentlich auf seine Marketingstrategie zurückzuführen: Seit Mitte der neunziger Jahre lassen sich Jassner und seine Marketingcrew immer wieder „Extremtests“ einfallen, mit denen das Unternehmen auf sich aufmerksam macht. Als die Chemnitzer 1998 die Besatzung der russischen Raumstation „Mir“ mit Unterwäsche ausstatten, gelingt deutschlandweit der Durchbruch in Sachen öffentlicher Aufmerksamkeit. Als jüngster Coup des Unternehmens gilt die Unterstützung des als „Rodel-König von Tonga“ bekannt gewordenen Bobfahrers Fuahea Semi alias Bruno Banani bei den olympischen Winterspielen in Sotschi.

Während sich die einen um die Medienresonanz kümmern und Werbelinien schon mal in Brasilien fotografiert werden, entwirft ein Mailänder Büro die Schnitte. Aus Italien und Spanien kommen die hochwertigen Stoffe, verarbeitet wird in Deutschland. Im Gründungsjahr kann bereits die erste Million umgesetzt werden. Mittlerweile erwirtschaftet die Marke rund 100 Millionen Euro mit etwa 110 Mitarbeitern. Die meisten von ihnen arbeiten am Chemnitzer Standort.

Zur Absicherung des Unternehmens sieht Jassner über die eigenen Produkte hinaus früh das Potenzial durch Lizenzvergaben: „Wir haben Lizenzen vergeben für Düfte, Brillen, Uhren, Schmuck, Taschen, Mützen, Schuhe, Handtücher. Sie machen mehr als die Hälfte des Umsatzes aus“, bekennt er. Damit dies der Kultmarke auch in der Zukunft gelingt, kommt es natürlich zuallererst auf die eigenen Erzeugnisse an. „Im Wäschebereich“, sagt Jassner, „ist Farbe nach wie vor Trumpf.“