Mit ihrem Unternehmen führt Susanne Mühlberg den produzierenden Mittelstand in die Zukunft. Denn Stillstand ist für sie keine Option. Was macht man als alleinerziehende Mutter, deren Arbeitgeber gerade pleitegegangen ist? Viele würden in so einer Situation verzweifeln. Susanne Mühlberg gründete ein eigenes Unternehmen. Sie tat sich mit einem Partner aus dem Vertrieb zusammen und beschloss, die Sache von nun an selbst besser zu machen. Es war ein mutiger Schritt. Aber war es auch die richtige Entscheidung?

Mühlbergs Unternehmen EffiSi, kurz für Effizienz und Sicherheit, unterstützt Firmen, die ihre Produktion mit Robotern automatisieren wollen. Das Chemnitzer Unternehmen hilft bei der Planung der Anlagen und schult bei Bedarf auch die Mitarbeiter. Es ist ein innovatives Feld, das viel Knowhow erfordert. Susanne Mühlberg war gerade einmal 33 Jahre alt, als sie in diesem Bereich die Selbstständigkeit wagte. „Wenn ich eine Chance sehe, will sich sie ergreifen“, sagt die heute 38-Jährige. Sie habe damals überlegt, was das Schlimmste sei, das ihr passieren könne. „Es war nichts dabei, womit ich nicht leben könnte“, sagt sie. Es ist zum einen diese pragmatische Sicht auf die Welt, die sie damals anspornte, zum anderen auch das Gefühl, in der idealen Region dafür zu leben. Das beginnt mit Voraussetzungen wie guten Betreuungsmöglichkeiten. „Es gibt hier genug Kindergartenplätze mit vernünftigen Öffnungszeiten“, sagt Mühlberg, die gerade ihr drittes Kind erwartet. „Das hilft mir, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.“ Darüber hinaus findet sie in Sachsen schnell die ersten Auftraggeber. „In der Umgebung gibt es viel Automobilindustrie und einen starken Mittelstand“, sagt Mühlberg. Zu ihren Kunden zählen heute unter anderem große Autobauer, ein Verpackungsspezialist und eine Brauerei.

Schon als sie noch angestellt ist, merkt sie, dass die Probleme ihres damaligen Arbeitgebers nicht an der mangelnden Nachfrage liegen. Im Gegenteil: Immer mehr Unternehmen wollen ihre Produktionslinien modernisieren. Hightech-Roboter können je nach aufgeschraubtem Werkzeug und Programmierung eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen. Doch es gibt nur wenige Fachkräfte, die sich damit auskennen. Diese Lücke füllt EffiSi. Das Unternehmen bekommt heute mehr Aufträge angeboten, als es abarbeiten kann. Susanne Mühlberg könnte sich zufrieden zurücklehnen. Doch das würde ihr nie in den Sinn kommen. „Ich habe ständig Ideen im Kopf, wie ich das Unternehmen voranbringen kann“, sagt sie. So hat sie die EffiUp Trainingsakademie als neuen Bereich aufgebaut und Schulungen entwickelt, in denen man sich zur Fachkraft für Roboterbedienung oder -programmierung weiterbilden lassen kann. Ihr Ziel ist es, in den nächsten fünf Jahren eine anerkannte Ausbildung zu etablieren – denn die gibt es bislang nicht. Mühlberg will sich und ihr Unternehmen immer weiterentwickeln. Unterstützt wird sie dabei durch die gute wissenschaftliche Infrastruktur in Sachsen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Chemnitz untersuchen sie derzeit, wie Roboter ohne Schutzabsperrung Hand in Hand mit Menschen arbeiten können.

Stillstand ist keine Option, das ist die Philosophie von Susanne Mühlberg. Und etwas, dassie mit ihrer Heimat verbindet. „Mich inspiriert immer wieder, wie sich Chemnitz gewandelt und den Wiederaufschwung geschafft hat“, sagt sie. Die Region rund um die einstige Wiege des deutschen Maschinenbaus beherbergt heute wieder zahlreiche Fachbetriebe, Technologieunternehmen und Industriedienstleister wie EffiSi. In der Chemnitzer Schönherr-Fabrik sieht Mühlberg ein Symbol für diese Entwicklung. Wo einst Webstühle produziert wurden, haben heute 130 Unternehmen aus verschiedenen Branchen eine Heimat gefunden, von Architekten über Werbeagenturen bis zu IT-Spezialisten. „Diese Wandlung fasziniert mich“, sagt Mühlberg. Sie hat hier die Website ihres Unternehmens entwickeln lassen, hier kommt sie aber auch hin, wenn sie ungestört über Dinge nachdenken will.

Mühlberg selbst weiß, was es heißt, sich neu zu erfinden. Mit Mitte dreißig hatte sie bereits drei Berufsleben hinter sich: Sie war Journalistin, Unternehmensberaterin, Abteilungsleiterin. Sobald sich die Möglichkeit bot, sich weiterzuentwickeln, hat sie diese genutzt. Heute, als Geschäftsführerin ihres eigenen Unternehmens, ist sie gewissermaßen angekommen. „Ich kann die Dinge nun so angehen, wie ich es für richtig halte“, sagt sie. Eine der größten Herausforderungen für EffiSi ist es, genügend Fachkräfte zu finden. Susanne Mühlberg legt daher großen Wert darauf, ein Klima zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Ihr Geschäftspartner, mit dem sie das Unternehmen gemeinsam leitet, kocht regelmäßig für das ganze Team, gegessen wird immer zusammen. Sie bezahlen außerdem Kindergartenplätze und Weiterbildungen, es gibt eine Mitarbeiterzeitung, um alle auf dem Laufenden zu halten. Zum fünfjährigen Firmenjubiläum hat jeder Mitarbeiter ein Fotobuch mit den Highlights der vergangenen Jahre bekommen. Unterstützung findet Mühlberg dabei auch in der Region. Die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft etwa hilft Unternehmen, sich auf Karrieremessen als Verbund zu präsentieren. So muss EffiSi nicht überall selbst Zeit und Geld investieren, um Fachkräfte anzulocken. „Auf jeder Messe vertreten zu sein, könnten wir alleine gar nicht stemmen“, sagt Mühlberg. Auch mit der TU Chemnitz und verschiedenen Berufsschulen in der Region arbeiten sie eng zusammen, wenn es darum geht, Nachwuchs zu rekrutieren. Sie steht außerdem im engen Austausch mit anderen sächsischen Unternehmern. „Wir profitieren von den vielen Zusammenschlüssen und Kooperationen, die es in der Region gibt“, sagt Mühlberg. „Man hat kurze Wege und kann schnell gemeinsam Dinge voranbringen.“ Auch für ihr Unternehmen hat Susanne Mühlberg schon die nächste Idee. Kürzlich hat sie eine zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung zum systemischen Berater abgeschlossen. Den Bereich Beratung würde sie bei EffiSi gerne ausbauen. Hauptsache, nicht stehenbleiben.