Damit Gin-Liebhaber ins Schwärmen geraten, ist Jörg Fiedler und Siegbert Hennig kein Weg zu weit. Für ihren „London Dry Gin“ aus Sachsen gehen sie sogar dorthin, wo der Wacholder wächst.

„Queen Mum“ ist vielleicht das Erste, was einem bei der Kombination von „Gin“ und „London“ in dem Sinn kommt. Schließlich ließ sich die Mutter der englischen Monarchin ihr tägliches Gläschen auch im 102. Lebensjahr nicht verbieten. Für Spirituosenkenner zählt der klassische „London Dry Gin“ zu den edelsten Varianten des ziemlich angesagten Wacholderdestillats. „So einen Gin wollte ich machen – oder gar keinen“, sagt Jörg Fiedler, als er von den Anfängen seines Projekts spricht. Doch die Regeln für das Prädikat „London Dry“ sind streng: Rein pflanzliche Zutaten und eine Destillation sind Pflicht, zusätzliche Aromen, Süß- oder Farbstoffe sind ebenso tabu wie die Zugabe fertiger Spirituosen. Und wenn das alles passt, darf ein „London Dry“ sogar aus Sachsen kommen.

Ohne Stress, mit viel Wacholder

Also machte sich der studierte Wirtschaftsjurist und Medienwirt Fiedler im Jahr 2013 an die Arbeit. Den Job im Vertrieb des Weinguts Schloss Proschwitz gab er für seine Selbständigkeit auf und füllte im gleichen Jahr mit Destillateurmeister Siegbert Hennig in Reichenbach den ersten Gin-Ansatz in die kupferne Brennblase. Dann hieß es 18 Monate lang: warten, kosten, an der Rezeptur feilen und wieder warten. Im Hochland der Lommatzscher Pflege bei Meißen geht das ziemlich gut.

Hektik ist hier genauso ein Fremdwort wie Mobilfunkempfang. Ein guter Gin braucht eben Zeit und wenn man die Qualität so wichtig nimmt wie Hennig und Fiedler, noch viel mehr Geduld. „Wir sind bis nach Kroatien gereist, um jene aromatischen Wacholderbeeren zu finden, die für den Geschmack unseres ‚Juniper Jack’ so wichtig sind“, erzählt Jörg Fiedler. Juniper ist das englische Wort für Wacholder, doch hinter dem Namen von Fiedlers „Wacholderbombe“ steckt noch mehr – eine wahre Geschichte. Eine handelt von einem englischen Brennerei-Gesellen, der 1736 seinen Job verlor. Damals erhob König George II. mit dem „Gin Act“ extrem hohe Schanksteuern, um den überbordenden Alkoholkonsum zu bekämpfen. Der arbeitslose Geselle verfasste daraufhin unter dem Pseudonym „Jack Juniper“ das Theaterstück „The Death of Queen Gin“, das denn auch prompt nach der Uraufführung verboten wurde. Nun steht „Juniper Jack“ seit Herbst 2015 wieder im Rampenlicht. Die 1736(!) Flaschen der ersten Charge waren im Handumdrehen ausverkauft. Siegbert Hennig erinnert sich: „Wenn ich Jörg Fiedler in der Brennerei fragte, wie viele Flaschen er brauche, sagte er immer: Alle!“

Duka und Mira sammeln im kroatischen Gebirge die Wacholderbeeren für Jörg Fiedlers Gin.

Explosive Wacholderbombe

Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn die Jahresproduktion 2016 schon bei 3.500 Flaschen lag. Denn neben den Kunden ist auch die Fachwelt beeindruckt. Die Urteile von Barchefs und Sommeliers klingen so vollmundig wie ein guter Schluck: „Nicht einfach nur Gin, sondern pure Poesie“ heißt es da oder „Juniper Jack ist wie eine kühle Brise im Zypressenhain.“ Jörg Fiedler tut deshalb alles, damit das auch so bleibt und wählt seine Kunden sorgfältig aus. Nur ausgewählte Bars und Fachgeschäfte führen „Juniper Jack“ im Sortiment und wer die limitierte Sonder-Editition „Navy Strength“ mit 57,2 % Alkohol kaufen will, muss lange im Voraus bestellen. Dafür gibt es dann einen extrastarken Gin aus Sachsen – und noch einen netten Exkurs in die Seefahrtsgeschichte obendrauf: Bei der englischen Marine musste mitgeführter Alkohol „gunpowder-proof“ sein, also hochprozentig genug, dass ein leckendes Fass nicht das Schießpulver unbrauchbar machte. „Wir haben unseren ‚Navy Strength’ deshalb fachgerecht in der Dresdner Sprengschule testen lassen“, sagt Jörg Fiedler und lacht. „Hat ordentlich geknallt.“

www.juniper-jack.de