Licht fällt durch die lange Fensterfront des großzügigen Lofts in der Möbelgalerie Tuffner. Massive Betonsäulen teilen den riesigen Raum, Industrieleuchten hängen von der Decke, auf froschgrünen Schreibtischen sammeln sich Technik und Notizen und in der Küchenecke tummeln sich 15 quietschgelbe Stühle um einen meterlangen Holztisch. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte es sich hier ebenso gut um eine hippe Startup-Zentrale in London oder Los Angeles handeln. Das modern eingerichtete Loft-Büro befindet sich aber nicht in Silicon Valley, sondern mitten in Chemnitz zwischen Kaßberg und Zentrum. Von hier aus wird aber durchaus die Welt erobert. Vor gerade einmal zwei Jahren, Ende 2014, gründeten die beiden Chemnitzer Lutz Gerlach und Martin Böhriger gemeinsam mit Frank Wolf aus Dresden das IT-Startup Staffbase. Ihr Ziel: eine App entwickeln, die die interne Kommunikation in Unternehmen so leicht wie möglich macht und von der Chefetage bis zur Kantine wirklich jeden erreicht. Für diese Idee ließ sich ein Investor finden, sodass die App innerhalb kürzester Zeit den Markt erobern konnte. Mittlerweile wird das Tool von namhafte Firmen wie Viessmann, Heineken und Siemens genutzt und es gibt einen zweiten Firmensitz in New York, von dem aus der internationale Markt angegangen werden soll. Im Interview erklären die Staffbase Gründer wie ihre Idee so schnell zünden konnte und warum sie an junge Startups am Standort Chemnitz glauben.

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind Staffbase, ein Startup aus Chemnitz, das Apps zur internen Unternehmenskommunikation entwickelt. Einfach gesagt machen wir also eine App für Mitarbeiter. Die Idee dahinter ist, dass 70% der Arbeitskräfte weltweit nicht an einem Schreibtisch sitzen und es deshalb oft schwer ist, Informationen, Nachrichten und Änderungen an genau diese Mitarbeiter zu verteilen. Als Lösung bringen wir jetzt alle Informationen in eine App, die nicht nur einfach zugänglich ist, sondern es auch allen ermöglicht schneller und effektiver zu kommunizieren.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen eine Kommunikations-App zu entwickeln?

Wir, Martin Böhringer (CEO) und Lutz Gerlach (COO) kennen uns aus unserer Zeit als Mitarbeiter an der TU Chemnitz und haben vor Staffbase bereits das Startup Hojoki gegründet. Auf der Suche nach einer neuen Idee haben wir Frank Wolf, unseren dritten Gründer, jetzigen Head of Sales und Leiter unseres Büros in New York, kennengelernt. Er ist ein Intranet-Experte und hat über Jahrzehnte Unternehmen im Bereich Interne Kommunikation beraten. Die Idee, Mitarbeiterkommunikation mobil zu machen, war dann schnell geboren. Wie gesagt, 70% der Arbeitskräfte sind schwer zu erreichen und der Trend im Arbeitsumfeld genau wie in unseren täglichen Leben geht dahin, alles mobil zu machen.

Seit Juni 2016 befindet sich der Firmensitz im Möbelhaus Tuffner auf dem Kaßberg.

Was genau bietet Eure App und wie funktioniert das Konzept von integrativer Mitarbeiterkommunikation?

Staffbase unterstützt Unternehmen weltweit dabei, all ihre Mitarbeiter unabhängig von Arbeitsort und -zeit zu informieren. Es ist die ideale Plattform für zeitgemäße und effiziente Unternehmenskommunikation. Wir bieten Features für alle Notwendigkeiten in der internen Kommunikation. In ihrem Grundzustand ist die App ein interner Newsfeed, ein bißchen wie bei Facebook auch, und kann dann durch unsere Plugins erweitert werden. Stellt Euch zum Beispiel vor, Ihr habt eine Firma, die mobile Krankenpflege anbietet. Wie kommt jetzt die Information vom Management zu den Angestellten, die den ganzen Tag unterwegs sind? Wir bieten einen Kanal der genau das macht. Ihr könnt Speisepläne pflegen, chatten, Urlaubsanträge bearbeiten, interne Neuigkeiten vertreiben, Schichtpläne aktualisieren, Push Nachrichten senden, Dokumente hochladen und Eure Mitarbeiter in all das involvieren.

Dank Eurer App lassen sich also Neuigkeiten, Formulare bis hin zum Speiseplan mit „einem Touch“ verwalten. Geht es Euch vor allem um Effizienz und Zeitersparnis?

Uns geht es vor allem um die Einbindung, Motivation und Wertschätzung von Mitarbeitern. Wir wollen Informationen in einen Kanal bringen, zu dem mittlerweile nahezu jeder Zugang hat: dem Smartphone. Natürlich spielen Effizienz und Zeitersparnis dabei eine Rolle, aber hauptsächlich geht es darum, interne Kommunikation mobil zu machen und es Unternehmen damit zu ermöglichen Mitarbeiter besser einzubinden. Wir wollen ein Gefühl von Zugehörigkeit erzeugen, das auch bei uns im Unternehmen sehr groß geschrieben wird.

Eure App soll und kann aber nicht ein persönliches Gespräch ersetzen?

Das persönliche Gespräch kann und soll in keinem Unternehmen ersetzt werden. Face-to-face Kommunikation muss weiterhin in jedem Betrieb eine zentrale Rolle spielen. Wir schaffen aber einen Kanal, der das persönliche Gespräch ergänzt und den Mitarbeiter, die sich gar nicht persönlich sehen, die Möglichkeit gibt trotzdem ins Gespräch zu kommen.

Raum für Ideen im großzügigen Loftbüro

Gerade für Unternehmen mit vielen Standorten ist Eure App interessant. Wie ist die Resonanz?

Wir haben gerade von großen und weltweit agierenden Unternehmen sehr gute Resonanz. Unser Kunde Viessmann zum Beispiel hat unter anderem Standorte in Deutschland, Frankreich, Polen und Finnland. Mit ihrer App Vi2Go kreieren sie eine Plattform, die alle diese Orte verbindet. Ein Jahr nach dem Launch der App haben sie es geschafft, über 70% Ihrer Mitarbeiter als Nutzer zu gewinnen.

Von Chemnitz in die Welt hinaus – Eure App wurde in Sachsen entwickelt und kommt international gut an. Ein Erfolg für die Region?

Wir haben Büros in Chemnitz und in New York, wer das liest wird schon mal hellhörig und fragt sich: Warum denn Chemnitz? Klar kann das positive Rückschlüsse über die Region erlauben. Generell sind wir aber kein Einzelfall. Der Erfolg ist, dass die Region wieder im Kommen ist und immer mehr Start-ups aus dem Boden schießen. Erst letzte Woche berichtete der Stadtstreicher im Artikel Chemnitz in 2016 darüber, dass die Arbeitslosigkeit sinkt, die Wirtschaft läuft und ständig neue Einwohner hinzukommen. Außerdem sollen mit der Hilfe von Bund und Land bis 2021 271,5 Millionen Euro in die Stadt Chemnitz investiert werden. Es wird spannend zu sehen, was da noch kommt!

Kreatives Chaos im Büro.

Spürt man bei Eurer App gutes sächsisches Gründertum?

Was man wohl merkt, ist deutsche Qualität, wir haben aber auch ein internationales Team. Alle stecken sehr viel Arbeit in das Produkt, bauen ständig an neuen Features und wir sind deshalb nicht umsonst der führende Anbieter für eine Software-As-A-Service-Lösung in diesem Bereich.

Toll, dass in Sachsen immer mehr junge Startups neue Ideen umsetzen. Würdet Ihr sagen, die Region braucht das?

Chemnitz ist ja stereotypisch für Abwanderung und demografischer Überalterung bekannt. Klar braucht die Gegend da frischen Wind und positive Resonanz, das ist aber, wie schon gesagt, voll im Rollen. Es ist schön zu sehen, dass sich etwas tut. Wir als junges Startup helfen einerseits der Wirtschaft, machen die Gegend aber auch attraktiver für junge Talente. So sind bei uns knapp 20 Arbeitsplätze entstanden und dabei muss niemand nach Berlin pendeln. Wir suchen übrigens immer nach klugen Köpfen..

Ein Geheimtipp, wenn Ihr in Chemnitz unterwegs seid? Wo muss man unbedingt hin?

Es gibt wirklich viele schöne Orte in Chemnitz, man nehme allein die Kneipendichte des Kaßberg oder auch den Chemnitzer Weihnachtsmarkt, der immer einen Besuch wert ist. Zu uns ins Büro darf man natürlich auch mal kommen, um unsere Bürohunde Coco und Polly kennenzulernen und mit uns kreative Ideen auszutauschen!

www.STAFFBASE.com

Labradorlady Coco sorgt für gute Laune beim Team