Sauberkasten, Putzen, Putzmittel, Leipzig, Startup

Wissen Sie, was wirklich in Ihren Putzmitteln steckt? Wenn nicht, geht es Ihnen wie den meisten Menschen. Welche Folgen die vielen chemischen Substanzen für unseren Körper und die Natur langfristig mit sich bringen, ist heute noch gar nicht abzusehen. Zwei junge Unternehmerinnen aus Leipzig haben deshalb alte Hausmittel für sich wiederentdeckt. Mit ihrem Startup „Sauberkasten“ geben Jeanette Schmidt und Henriette Grewling allen, die nachhaltiger und gesundheitsbewusster putzen möchten, ein praktisches Set und clevere Rezepte in die Hand.

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Der Sauberkasten enthält viele einfache Zutaten, die schon früher als Hausmittel galten.

Wir finden Eure Idee mit Sauberkasten richtig klasse. Aber funktionieren Eure Produkte denn auch genauso gut wie konventionelle Putzmittel?

Henriette: Ja, auf jeden Fall. Der Glasreiniger und die Scheuerpaste funktionieren sogar besser als vieles, was man im normalen Drogeriemarkt kaufen kann. Unser Spülmittel und unser Waschmittel wirken genauso  gut. Man muss sich nur ein bisschen umgewöhnen, weil das Spüli zum Beispiel nicht schäumt, aber es macht trotzdem sauber. Unser Waschmittel riecht nicht so stark nach Parfum wie normales Waschmittel.

Jeanette: Generell sind die Produkte, die man im Supermarkt kauft, für alle Bedingungen und jeden Haushalt ausgelegt. Unsere Mittel sind etwas leichter. Wenn man besondere Bedingungen hat, z.B. im Hinblick auf die Wasserhärte oder sehr schmutziges Geschirr, kann man die Rezepturen auch etwas variieren.

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Auch für das Reinigen von Fenstern hat das Sauberkasten-Team ein cleveres Rezept.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, den Sauberkasten zu entwickeln?

Jeanette: Das war Teil meiner Bachelorarbeit. Ich hatte mir die Frage gestellt, wie ich mehr Nachhaltigkeit in meinen Alltag integrieren kann. Dabei habe ich festgestellt, dass ich gerade bei den konventionellen Putzmitteln, die ich damals noch verwendet habe, eigentlich gar nicht weiß, was drin steckt. Ich habe mir die Inhaltsstoffe genauer angeschaut, recherchiert und dann festgestellt, dass da doch ziemlich viele Schadstoffe auftauchen.

So bin ich auf diese alten Hausmittel gekommen. Ich habe mich mit meiner Oma unterhalten, die viele tolle Tipps hatte, und im Internet Rezepte gefunden. Dann habe ich das Ganze ausprobiert und festgestellt, dass diese Mittel genauso funktionieren wie die Produkte aus dem Laden. Auch das Herstellen ging ganz schnell. Das einzig Aufwändige war, die Rezepte zu recherchieren und die verschiedenen Produkte in den richtigen Mengen zu besorgen. So entstand die Idee, ein ganz einfaches Set zu entwickeln, in dem bereits alles vorhanden ist.

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Jeanette Schmidt entwickelt die Idee zum Sauberkasten während sie ihre Bachelor-Arbeit verfasste.

Sich aus dem Studium heraus selbständig zu machen, bedeutet, sich viel Wissen rund um das Thema Geschäftsführung erst noch aneignen zu müssen. Wie habt Ihr das so schnell geschafft?

Henriette: Wir haben ein Stipendium des Social Impact Lab in Leipzig erhalten. So konnten wir vieles über Coachings und Workshops lernen.

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Mit einem eigenen Sauberkasten kann jeder nachhaltig und gesundheitsbewusst putzen.

Für die Finanzierung der ersten Sauberkästen habt Ihr 2017 eine sehr erfolgreiche Crowdfunding-Aktion über Startnext ins Leben gerufen. 

Henriette: Ja, das war überwältigend. Unser Plan war es, zunächst 300 Sauberkästen an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Dafür brauchten wir 10.000 Euro. Am Ende haben wir innerhalb von vier Wochen über 42.000 Euro gesammelt.

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Jeanette und Henriette kennen sich bereits aus ihrer Schulzeit und ergänzen sich perfekt.

Wie ist es dann weitergegangen?

Jeanette: Nach dem Crowdfunding haben wir gleich die Webseite an den Start gebracht.

Henriette: Wir mussten uns erst einmal in die ganze Bestellung und Organisation einarbeiten. Dann haben wir die Lebenshilfe-Werkstatt in Leipzig damit beauftragt, die Kästen für uns zu bestücken. Über den Onlineshop kamen schließlich immer mehr Bestellungen.

Jeanette: Seit Januar dieses Jahres dauert es in aller Regel nur noch ein bis zwei Wochen von der Bestellung bis zur Lieferung.

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Normalerweise kümmert sich das Team der Lebenshilfe-Werkstatt um das Zusammenstellen der Sauberkästen. Wenn viel los ist, packen Jeanette und Henriette aber auch selbst mit an.

Wie sieht Euer Kundenkreis heute aus?

Jeanette: Wir sind von einer sehr breiten Zielgruppe ausgegangen, und das hat sich bestätigt. Da sind junge, an Nachhaltigkeit interessierte Leute dabei, die ihre erste oder zweite eigene Wohnung haben, aber auch Menschen im mittleren Alter und Senioren, die die Hausmittel von früher kennen. Wir verkaufen auch ins Ausland, z.B. in die Schweiz, nach Österreich oder in die Niederlande.

Welche nächsten großen Schritte habt Ihr geplant?

Henriette: Wir möchten 2018 unser Sortiment noch zusätzlich erweitern und zum Beispiel ein Sauberkasten-Körperpflege-Set entwickeln.

Hier geht es zum Sauberkasten.

Interview und Foto: Anne Schwerin

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Natron und Essigessenz sind unverzichtbare Bestandteile des Sauberkastens.