Mit gutem Eis verbinden die meisten Europäer den italienischen Klassiker: Ein bis zwei Kugeln in der Waffel und sowohl große als auch kleine Naschkatzen sind zufrieden. Dabei ist das Eis selten aus eigener Herstellung und die Sorten reichen meist nicht weit über die Klassiker Schokolade, Vanille oder Erdbeere hinaus. Doch es geht auch anders! Der Mexikaner Armando Reyes Prado und seine spanische Frau Vanessa aus Dresden stechen mit ihrem Konzept aus dem Eis-Markt heraus. Inspiriert von dem im Mexiko typischen fruchtigen Eis am Stiel, bringen die beiden neuen Schwung in die Tiefkühltruhen Dresdens. PauPau heißt der erfrischend andere Eisgenuss. In ihrer eigenen Manufaktur stellt das junge Paar Eis aus natürlichen Zutaten her und überrascht mit exotischen Noten und spannenden Kombinationen. Wie die beiden seit 2012 immer wieder auf neue Eisvariationen stoßen, haben sie uns im Interview verraten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Eis herzustellen?

Vanessa: Als wir in Mexiko unsere Familie besucht haben, habe ich dort zum ersten Mal das typische mexikanische Eis probiert. Meine erste Reaktion war: WOW! Das frische Obst und die natürlichen Zutaten haben mich gleich begeistert. Gerade weil wir in Europa nur selten so natürliches Eis bekommen. Es besteht oft aus sehr viel Chemie, aus Konservierungs- und Farbstoffen. Armando hat früher oft in Restaurants und Cafés gearbeitet und hatte schon länger den Wunsch eine eigene Gastronomie in Deutschland zu eröffnen. Das mexikanische Eis hat uns dann die entscheidende Idee geliefert.

Wer hat Euch beigebracht, wie man Eis zubereitet?

Vanessa: In Yukatan gibt es eine Dame, die eine eigene Eismanufaktur in der Nähe vom Strand hat. Von ihr wollte Armando unbedingt lernen wie man Eis herstellt. Sie hat uns gezeigt, wie man Eis auf traditionelle Weise zubereitet. In Mexiko verwendet man dafür einen großen Holzeimer gefüllt mit Crushed Eis und einem Edelstahlbehälter in der Mitte. In den Edelstahlbehälter gibt man die frischen Zutaten und durch ständiges Rühren entsteht das cremige Eis. Mehr braucht man in Mexiko nicht, um Eis herzustellen. Wir nutzen natürlich moderne Eismaschinen; versuchen aber die traditionelle Art in unserer Herstellungsweise zu bewahren. Insgesamt füllen wir nun schon fast 400 Becher pro Tag ab.

Was genau bedeutet PauPau?

Armando: Das ist der einzige tropische Baum, der bei minus 20 Grad überleben kann. Man könnte ihn quasi auch in Deutschland pflanzen. Wir haben sehr lange überlegt, wie wir uns nennen. Unser Konzept, die Philosophie dahinter und das Logo zu kreieren, hat über ein halbes Jahr gedauert. PauPau spiegelt genau das wieder, was wir sind. Zwei tropische Pflanzen, die in Deutschland Wurzeln geschlagen haben.

Welche Eissorten bekommt man bei Euch?

Armando: Insgesamt haben wir zehn Sorten. Wir wechseln unser Sortiment dreimal im Jahr. Im Moment haben wir viele sommerliche Geschmackssorten und machen zum Beispiel ein Milcheis mit Acai und Banane. Acai ist eine brasilianische Frucht. Was auch neu ist, ist ein Sorbet mit Gurke und Zitrone. Eine der beliebtesten Eissorten ist Grießzimt. Das erinnert viele an ihre Kindheit. In unserer Manufaktur arbeiten wir ausschließlich mit natürlichen Zutaten. Unsere Philosophie ist, dass das Eis so natürlich wie möglich ist, dabei verwenden wir möglichst wenig Zucker. Wir möchten, dass man sofort schmeckt was drinnen ist, also ein möglichst purer, natürlicher Geschmack.

Was hat Euch nach Dresden verschlagen?

Vanessa: Ich bin damals aus Spanien hergekommen, um an der spanischen Botschaft in Berlin und dem Konsulat in Dresden zu arbeiten. Heute bin ich Dozentin für Romanistik und Lateinamerika Studien an der Universität Dresden. Ich fühle mich wie eine Dresdnerin, ich liebe Spanien und meine Familie, aber in Dresden bin ich Zuhause. Es ist wirklich eine wunderschöne Stadt. Trotzdem genießen wir es mit einem internationalen Team zu arbeiten. Unser Mitarbeiter Edi ist Brasilianer und auch ein Flüchtling arbeitet bei uns. So ist das Team immer wieder eine Inspiration. Das Schöne hier bei PauPau ist, dass man immer wieder Neues von den verschiedenen Kulturen lernt und sich alle Sprachen vermischen. Deutsch, Englisch und manchmal auch Spanisch. Diese bunte Mischung findet man dann auch in unserem Eis wieder.

Woher kommt die Inspiration für Eure Eiskombinationen?

Vanessa: Vieles entsteht spontan, wenn wir mit Mitarbeitern oder Freunden zusammensitzen. Grieß mit Zimt kannten wir vorher selbst nicht. Wir haben es zum ersten Mal probiert als wir mit unseren deutschen Freunden gemeinsam gegessen haben. Es hat uns so gut geschmeckt, dass wir eine Eissorte daraus gemacht haben. Acai-Banane ist angelehnt an das Frühstück unseres brasilianischen Mitarbeiters Edi. Er isst sein Müsli traditionell mit Acai-Frucht und Banane. Grundsätzlich ist es uns aber wichtig, Latein-Amerikanische Früchte und Produkte zu verwenden.

Auf welche Sorten können sich Eure Kunden in nächster Zeit freuen?

Vanessa: Wir planen noch gesünderes Eis herzustellen, mit sogenanntem „Super-Food“ wie Chiasamen oder Goji Beeren. Aber auch ein Eis aus Avocado ist gerade in der Planung.

Wo verkauft ihr Eurer Eis?

 Armando: Wir haben in Dresden und der Umgebung verschiedene Cafés und Restaurants und auch kleine Tante Emma Läden, an die wir unser Eis liefern. Es kommen aber auch zwei Kunden aus Görlitz und Berlin, die unser Eis für ihren Betrieb abholen, auch in Leipzig gibt es einen Interessenten. Außerdem eröffnen wir im Oktober einen eigenen Laden in Dresden. Damit geht unser lang gehegter Traum nun auch in Erfüllung!

 Alle Fotos in diesem Beitrag © Kai Bergmann

Text ©Franziska Müller