Ausstellungen, die Christian Frommelt und Daniel Sommer von der Dresdner Firma Whitebox ausstatten, sind ein Sinneserlebnis. Sie duften, klingen und berühren die Besucher. Wer das live sehen möchte, fährt nach Rochlitz, einer kleinen Stadt nahe Chemnitz. Im frisch restaurierten Schloss haben die 31-Jährigen die Ausstellung „Eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation“ mitgestaltet. „Unsere Arbeit ist immer ein Gemeinschaftswerk. Die Museumskuratoren konzipieren den wissenschaftlichen Teil, organisieren die Exponate und wir überlegen uns, wie das Ganze zum Besuchererlebnis wird“ , erklärt Christian Frommelt. In der Rochlitzer Sonderausstellung geht es darum zu zeigen, wie wichtig starke sächsische Frauen für das Durchsetzen reformatorischer Ideen waren. Nun ist Kirchengeschichte ein komplexes und anspruchsvolles Thema. Die Herausforderung für die Whitebox’er lautete: „Wie können wir das Thema vereinfachen, sperrige Fakten in kurzer Zeit begreiflich machen und aktuelle Bezüge herstellen?“, so Daniel Sommer.

Ablasshandel in 60 Sekunden verstehen

Und so erklären die beiden anhand kurzer Zeichentrickfilme, die auf Tablet-PCs laufen, wie Ablasshandel im Mittelalter funktionierte und was Reformation überhaupt bedeutet. „Das schauen sich auch Teenies an“, sagen die beiden lächelnd. Oder die Besucher können über eine Computeranimation in die Rolle der biblischen Heldin Judith schlüpfen, die durch verführerische List dem assyrischen Heerführer Holofernes den Kopf abschlug und so eine ganze Stadt vor der völligen Zerstörung bewahrte. Das Gemälde ist eines von 300 Exponaten aus ganz Europa, darunter auch ein echter Ablassbrief aus dem 15. Jahrhundert. Christian Frommelt und Daniel Sommer verbinden in ihrer Arbeit planerisches Knowhow, das sie als ausgebildete Architekten mitbringen, mit der verspielten Faszination am Ausprobieren. Sie trauen sich auch, zu provozieren: „Wir haben hier in Rochlitz ganz bewusst ein Playmobil-Spielhaus für Mädchen neben einen historischen Holzschnitt einer mittelalterlichen Familie gestellt“, sagt Daniel Sommer. „Damit wollen wir die Frage aufwerfen, ob und wie sich unser Frauen- und Familienbild seit dem Mittelalter verändert hat.“

Dresdner Jungunternehmer mit Aufträgen in ganz Europa

Der Whitebox-Ansatz geht auf. Sie haben gut zu tun, die Firma wächst. Stolz und so gar nicht abgehoben erzählen sie: „Dieses Jahr ist bisher echt gut gelaufen. Wir haben drei Ausschreibungen für große Ausstellungen mitgemacht und diese auch gewonnen“, erzählt Daniel Sommer. Und auch ihr zweites Standbein, das Einrichten von Einzelhandelsgeschäften, ist stabil. Damit hat 2007 alles angefangen. Noch als Studenten entwarfen Frommelt und Sommer für Gerstäcker, einem europaweiten Anbieter für Künstlerbedarf, Ladeneinrichtungen und betreuten den Innenausbau. Das lief bald so gut, dass die Jungs eine Geschäftsidee daraus machten und eine Firma gründeten – ohne Fördergelder oder Fremdkapital, ganz aus eigener Kraft. Der Erfolg gab ihnen Recht, Aufträge in ganz Europa folgten.

Nah dran zu sein an ihren Projekten und Kunden, das ist Frommelt und Sommer wichtig. Geht ein Auftrag in Endphase, packen die beiden ihr Equipment – Rechner, Drucker und Werkzeug – in große Aluminiumkisten und ziehen für ein paar Wochen dorthin, wo sie gebraucht werden – nach Rochlitz, Paris oder Wien. Ihre Heimat bleibt Sachsen.

Die Sonderausstellung „eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation“ läuft noch bis 31. Oktober 2014 auf Schloss Rochlitz.

www.schloss-rochlitz.de/de/ausstellungen/starke_frauengeschichte/

www.whitebox-dresden.de