Es ist März, es scheint die Sonne und wir sind in Austin, Texas unterwegs. Hier kann es sich nur um das South by Southwest Festival handeln – die wichtigste Veranstaltung rund um Tech, Film und Musik. Sachsen ist natürlich auch dabei!

Zur South by Southwest, kurz SXSW, entscheidet sich die Zukunft. Momentan treffen sich die klügsten Köpfe der ganzen Welt hier in Austin und diskutieren über die Digitalbrache. Allein aus Deutschland sind über 1.000 Besucherinnen und Besucher zum Austausch nach Texas geflogen. Eine Homebase finden die Deutschen im German Haus, welches den Bund als auch einzelne Bundesländer repräsentiert.

Wer schon einmal in Austin war, wird uns zustimmen, dass die Stadt vor Kreativität, Tatendrang und frischen Ideen vibriert – so auch die Startup-Szene. Doch wie sieht die Welt eigentlich Sachsen, speziell die sächsische Startup-Szene? Wir haben uns im German Haus umgehört.

 

Dr. Eric Weber | Gründer und Geschäftsführer | SpinLab – The HHL Accelerator | Heimat- und Arbeitsort: Leipzig

Wir sind Unterstützungsprogramm für Startups. Bei uns bewerben sich Startups aus der ganzen Welt. Wir nehmen diese dann für 6 Monate im SpinLab auf und unterstützen sie vor allem in den Bereichen Markteinführung und Finanzierung. Wir machen das seit drei Jahren mit 40 Startup-Teams, die wir aktuell unterstützen oder unterstützt haben. Mit über 90 Prozent haben wir eine sehr hohe Überlebensquote der Startups. Die meisten Teams kommen dabei nicht aus Leipzig, wir wissen aber, dass viele langfristig in der Stadt bleiben. Dies liegt zum einen an der Community, die sie bei uns bekommen und zum anderen hat der Standort viele Vorteile. Das sind die Kosten, sowie die Verfügbarkeit von Tech-Talent und Personal und die günstige Anbindung.

Du hast das Spinlab gegründet. Warum hast du dir dafür Leipzig ausgesucht?

Ich habe vorher im Hochschulgründernetzwerk der HHL gearbeitet und die Gründung hat sich dadurch ergeben. Ich glaube aber auch, dass Leipzig ein guter Standort dafür ist, weil wir in keiner Wettbewerbssituation stehen wie in Berlin. Wir sind auf dem Niveau einer der entscheidenden Akteure der Region und bekommen dadurch viel Aufmerksamkeit und Unterstützung sowohl von der Wirtschaft als auch der Politik.

Warum bewerben sich die Startups von außerhalb bei euch?

Wir haben im Vergleich zu vielen anderen Accelerator-Programmen einen Track-Record. Das bedeutet, wir können nachweisen, wie gut die Startups funktionieren und wieviel sie mitnehmen. Viele von den Startups, die von außerhalb kommen, haben irgendeine Beziehung zur Region.

Was fehlt uns noch als Startup-Spot in Leipzig?

Insgesamt fehlt es massig an Kapital. In Berlin mag es stellenweise gehen, aber generell ist alles unterkapitalisiert. Wir stecken viel Geld in Bildung, Wissenschaft und Transfer von Hochschulen, was alles richtig ist. Man muss jedoch aufpassen, dass danach nicht das Kapital fehlt um die Dinge groß zu machen, sie in Deutschland zu halten und für den internationalen Wettbewerb fähig zu machen. Dafür fehlt eine entscheidende Komponente. Das machen die Amerikaner besser. Die haben auch Talent und Top-Universitäten, aber eben noch Kapital um die Sachen zu realisieren. Wir können als Standort Leipzig noch viel lernen. Das betrifft auch das Thema Offenheit und Internationalität.

Warum bist Du bei der SXSW?

Für mich ist der Reality-Flash bei der SXSW interessant. Hier vor Ort kann man die ganze Welt sehen und international schauen, was an anderen Standorten los ist. Man lernt hier viele Leute aus Deutschland kennen, die man normalerweise nicht trifft. Die Atmosphäre hier ist sehr weltoffen, international. Solch eine Atmosphäre fehlt oft in unserer Region. Leipzig ist als Messestadt und aufgrund seiner Historie ein Stück offener als andere Standorte in Sachsen. Internationale Aufmerksamkeit ist aber allgemein ein Thema, was in unserer Region noch fehlt. Für viele im Westen sind wir noch immer das dunkle Deutschland.

 

Catherine Bischoff | Vice President Strategy | Factory Berlin | Heimat- und Arbeitsort: Berlin

Die Factory Berlin ist eine Plattform und eine Community für digitale Entrepreneure. Ich bin in der Factory für die strategischen Partnerschaften verantwortlich. Auch das Thema Internationalisierung liegt in meiner Verantwortung.

Du hast bist Kanadierin, die nun in der Berliner Startup-Szene unterwegs ist. Aus deiner internationalen Perspektive – wie stark ist Deutschland als Startup-Spot?

Deutschland als Standort für Startups ist stärker als je zuvor. Es ist risikofreudiger geworden, was sehr gut ist. Außerdem gibt es Industrien, die es auch als traditionelle Unternehmen begriffen haben, dass sie mit Startups zusammenarbeiten müssen. Deutschland muss aber noch an dem Startup-Mindset arbeiten. Ich bin mit meiner 9-jährigen Tochter nach Deutschland gezogen und ich sehe wie stark sie in der Schule diszipliniert wird und Sachen lernt, die absolut irrelevant in unserem Zeitalter sind. Wir müssen bereits im Kindergarten anfangen eine Gründermentalität und Kreativität zu fördern. Meine Tochter hat in Kanada in der zweiten Klasse gecoded und in Deutschland lernt sie Schreibschrift. Das macht für mich keinen Sinn. Auch der Optimismus sollte in den Kindern gepflanzt werden. So können ganze Charakterzüge des Landes verändert werden.

Was kommt dir als erstes zum Thema Sachsen in den Kopf?

Ein Dialekt, den ich selbst nur schwer verstehen kann [lacht]. Nein, wenn ich an Sachsen denke, denke ich an ein Land, in dem unheimlich viel erfunden wird. Vor allem in Dresden wird viel Forschung betrieben. Es ist unglaublich wie sich Sachsen positioniert hat.

Im Ausland sieht man immer das komplette Land, also Deutschland als Ganzes. Wir haben in den verschiedenen Städten unterschiedliche Hubs, aber wir müssen uns als Land stark gegenüber dem Rest der Welt positionieren. Dadurch machen wir uns als Standort attraktiver. Das Talent in Deutschland ist unglaublich – jetzt muss Deutschland zeigen, wie das neue „Made in Germany“ aussieht. Ich sehe den rechten politischen Druck als sehr problematisch. Um diesen zu überwinden, brauchen wir Erfolgsgeschichten aus dem multikulturellen Bereich. Ich sehe das aus meinem Heimatland – Kanada ist so stark, weil es multikulturell, tolerant ist und Integration sehr stark schafft.

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