Alexander Paul Finke und Jörg Zinser verkaufen von Dresden aus Holzfurnierleuchten.

Der eine kam aus Greifswald im Nordosten, der andere aus Freudenstadt im Südwesten – getroffen haben sie sich in Dresden auf dem dreizehnten Längengrad. Der stand auch Pate bei der Namenswahl der Firma: Dreizehngrad. In Dresden studierten Finke und Zinser Produktgestaltung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Dann machten sie sich selbstständig.

Das Produkt, mit dem sie ihr Geld verdienen, hatten sie auf dem Weg zum Diplom ausgiebig erprobt. Für ihre Abschlussprüfung entwarfen und bauten die beiden Stehleuchten, deren Schirme aus Tischlerfurnier bestehen, also einer hauchdünnen Holzschicht, durch die das Licht so sanft wie wohlig-warm hindurchschimmert und die Holzmaserung zur Geltung bringt. Mit ihren Furnierleuchten in klassisch-eleganten Formen zu Preisen zwischen 250 und 750 Euro – Maßanfertigungen sind teurer – gehören sie nach eigenen Angaben heute zur kleinen Schar von drei oder vier Anbietern in Europa.

Leuchtendes Beispiel

Vor drei Jahren nahmen Finke und Zinser mit ihren Leuchten an der Frankfurter Fachmesse „Light and Building“ teil, die ihnen den letzten Motivationsschub verlieh. „Wir waren völlig überrascht, als es dort schon erste Bestellungen gab“, sagt der 33-jährige Finke. Seither entwerfen die beiden Leuchten, die stehen oder hängen, und bringen sie auf den Markt. Jedes Jahr soll eine eigene Kollektion hinzukommen. Aus bescheidenen 100 Leuchten, die sie 2011 absetzten, wurden im vergangenen Jahr schon 600 Exemplare. Im diesem Jahr sollen es 1000 sein. „Unser Weg führt langsam, aber stetig bergauf“, sagt Finke.

Von der Uni in die Wirtschaft

Schwierig war es anfangs vor allem, die betriebswirtschaftlichen Hürden zu meistern. Hilfe kam von der Hochschule, von Behörden und der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Für zwei Jahre stellte die HTW ein Büro, voll ausgestattet und mietfrei, wo Dreizehngrad von den Erfahrungen anderer Jungunternehmer profitierte. Nun gibt es keine Zuschüsse mehr, das Büro haben sie getauscht gegen eine halbe Etage eines Hinterhofgebäudes, wenige hundert Meter von der Dresdner Altstadt entfernt. Besucher stolpern in der Kreativschmiede auf Schritt und Tritt über Leuchtenmodelle, Papierzeichnungen, Prototypen, Studien aus Pappkarton. Auf den Computern flackern 3-D-Entwürfe, Tabellen, Diagramme.

Die nur bis 0,4 Millimeter dünnen Leuchtenschirme werden aus Kirschholz oder Birke geliefert, aus Nussbaum oder Ahorn. Nur elektrische Bauteile werden zugekauft. Davon, dass die Pendel-, Steh-, Tisch- oder Wandleuchten gefragt sind, kündet auch ein Großauftrag für Esprit. Hunderte Leuchten des Modells „Swing“ gingen jüngst an die Modekette, die sie europaweit in ihren Geschäften einbaut.