Mit Stift und Grafiktablet bewaffnet, macht sich Dirk Müller an die Arbeit. Sorgsam setzt er an; auf weißen Grund entsteht Kontur für Kontur, ein Ritterhelm mit Federkrone, darunter Getreideähre, Ochsenkopf und Zuckerrübe. Hier hat alles seine Ordnung. Auf wenigen Quadratzentimetern bringt das Wappen der Familie Müller, das hier gerade im Entstehen ist, die Chronik einer ganzen Familiendynastie auf den Punkt. Dirk Müller hat sich auf die Erstellung von Familienwappen spezialisiert. Der Zuspruch: enorm. „Immer mehr Menschen finden die Idee reizvoll, sich und ihrer Familie mit einem individuellen Familienwappen ein Denkmal zu setzen“, beobachtet Müller. Im Schnitt entwirft er pro Monat fünf Wappen und übernimmt für fünf weitere die digitale Restaurierung.

Mittlerweile kann er gut davon leben. „Viele denken, man müsse adlig sein, um ein eigenes Familienwappen führen zu dürfen – ein Irrglaube; die meisten meiner Kunden sind bürgerlich“, betont der gelernte Kommunikationselektroniker, der nach verschiedenen anderen beruflichen Stationen sein Steckenpferd zum Beruf gemacht hat. Immer wieder begegne ihm diese Meinung. Indes: „Ob man nun Müller, Schmidt oder Schumacher heißt – ein jeder darf sich ein eigenes Wappen erstellen lassen, wenn nur die strengen heraldischen Regeln erfüllt sind.“ Nur dann erfolge die Aufnahme in eine Wappenrolle. Und nur dann ist das Wappen als solches geschützt. So dürfen beispielsweise keine Buchstaben verwendet werden. Hier behilft sich der Dresdner mit geometrischen Figuren, die das „W“ der Familie Wolf in zwei Sturzsparren verwandeln, die dann als „W“ zu lesen sind.

So streng die Aufnahmekriterien für die Wappenrollen, so wenig Grenzen sind der Kreativität bei der Wappengestaltung gesetzt. Dirk Müller: „Natürlich sollten sich die Besonderheiten einer Familientradition in irgendeiner Form im Motiv widerspiegeln.“ Allerdings sei es nicht unbedingt notwendig, vorab exzessiv Ahnenforschung zu betreiben, geschweige denn, einen großen Stammbaum vorzuweisen. Relevante Anker seien beispielsweise die Herkunft und in der Familie vertretene Berufe sowie die Verbildlichung des Familiennamens. Diese übersetzt Müller, der im Nebenberuf auch als Karikaturist gut gebucht ist, in Vollwappen, bestehend aus Schild, Helm, Helmzier, Wulst und Helmdecken.

Im Laufe seiner über sechsjährigen Berufserfahrung hat der 48-Jährige so mehr als 350 Familienwappen neu kreiert, Tendenz steigend. Selbst türkischstämmige Deutsche, in zweiter oder dritter Generation hier lebend, zählt er zu seinen Kunden: „Hier sind Halbmond, Krummsäbel oder der Palmzweig wichtige Sinnbilder“, erklärt Müller und schmunzelt: „Integration hat eben viele Gesichter.“

www.wappen-erstellen-lassen.de