Haben Stühle eine Seele?  Ihre schon, ist Bárbara Giménez Weinbaum, Inhaberin des Möbelherstellers WEINBAUM in Leipzig, überzeugt. Mehr noch: Ihre Vorfahren sind in den Königshäusern und Museen dieser Welt zu Hause; sie erzählen eine über 160-jährige Geschichte. Und sind dennoch im Jetzt angekommen.

Wem sie das zu verdanken haben? Der jungen argentinischen Architektin und Designerin Weinbaum, deren Herz für einen ganz bestimmten Stuhlklassiker schlägt: den sogenannten Hardoy Butterfly Chair. Der Faltstuhl aus Holz und Metall, mit einer Sitzbespannung aus Leinwand oder Leder, entwickelte sich unter dem Namen „Tripolina“ vor allem in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zum echten Verkaufsschlager.  1938 interpretierten die argentinischen Architekten Antonio Bonet, Juan Kurchan und Jorge Ferrari-Hardoy den Klappsessel-Klassiker neu. Ihr sogenannter „B.K.F.-Chair“ galt bereits Ende der 1950er Jahre als Stilikone. Zu den prominenten Fans gehörten u.a. Filmdiva Sophia Loren, Fürst Rainier von Monaco, US-Präsident Theodore Roosevelt und Forscher Thomas A. Edison. Im New Yorker Museum of Modern Art (MOMA) zählt der „B.K.F.-Chair“ schon seit 1941 zu den erfolgreichsten Ausstellungsstücken. Seitdem wurde er unzählige Male, zumeist unauthorisiert, kopiert.

Was damals ankam, kann heute immer noch den Zeitgeist treffen, dachte sich Designerin Weinbaum und begann 2010 – zunächst in Frankfurt und ab 2014 vom Firmensitz in Leipzig aus – das edle Sitzmöbel behutsam an die heutigen Bedürfnisse anzupassen. In Formgebung und Proportion, mit Geduld und Leidenschaft. Vor allem aber: mit wachsendem Erfolg. Heute gibt es sie für drinnen und draußen, als Zweisitzer und Hocker, in Premiumversionen und als kindgerechtes Juniormodell. Gern auch in Kombination mit ebenso individuell gefertigten Beistelltischen, Nackenrollen und Patchworkteppichen. Sie finden ihren Platz in Safari-Zelten, auf privaten Terrassen, in Hotel-Lounges, Konferenzräumen und Geschäften. Jährlich verlassen 250 handgefertigte Stühle die Werkstatt im Leipziger Szeneviertel Plagwitz, 70 Prozent davon gehen nach Deutschland und in das deutschsprachige Ausland. Noch liefern argentinische Holstein-Rinder, grüngras-, frischluft- und platzverwöhnt, den feinen Rohstoff für die Sitzbespannung. Doch kann sich Bárbara Giménez Weinbaum vorstellen, schon bald auf heimische Wiederkäuer umzusteigen.

Die Auswahl des Leders ist groß. Hier wird nach Qualität und Nachhaltigkeit geschaut.

Heimisch fühlte auch sie sich in Leipzig, von Anfang an: „Als ich vor 18 Jahren zum ersten Mal in Leipzig war, habe ich mich in die Stadt verliebt. Ich bin hier auf Menschen getroffen, die nicht nur Ideen haben, sondern diese auch umsetzen“, erinnert sich Weinbaum. Sie schätzt das internationale Flair hier, die lebendigen ausländischen Communities, vor allem aber die Offenheit für Kunst, Kreativität und Kultur. „Leipzig ist der perfekte Ort für unser Unternehmen. Ein großes Plus bei den Menschen hier ist die Liebe zur Herkunft und zum Detail, verbunden mit einer großen Sorgfalt und Genauigkeit. Eigenschaften wie Haltbarkeit und Nachhaltigkeit werden geschätzt.“

Der fertige Stuhl ist – entgegen dieser Abbildung – ganz und gar keine Massenware.

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