Extravagante Hemden aus Zwickau

Chemnitzer entwickeln Hemden für mutige Männer.

Sobald man den hell erleuchteten Showroom in Chemnitz-Rabenstein betritt, ist klar: Dies ist kein gewöhnliches Modegeschäft. Der Kontrast zur gutbürgerlichen Umgebung könnte kaum größer sein: kräftige Farben, wohin das Auge blickt, verspiegelte geometrische Formen, die von der Decke hängen und nicht minder auffällige Kunst an den Wänden. Willkommen im Reich von Germens. Unter diesem Namen stellen die Chemnitzer René König und Gregor Kozik Deutschlands wohl extravagantesten Herrenhemden her. In Kooperation mit Künstlern, vor allem aus Sachsen, entstehen aufwändig produzierte Hemden für Männer, die nicht nur Mode, sondern auch Kunst lieben und die sich trauen aus dem Einheitsbrei der Modeindustrie auszubrechen.

Germens Showroom in Chemnitz

Der Germens Showroom in Chemnitz

Seit wann gibt es die Marke Germens, und welches Konzept verbirgt sich dahinter?

René König: Germens gibt es seit August 2010. Unsere Idee war, Kunst, Stoffe und Hemden miteinander zu verknüpfen und so das klassische Herrenhemd neu zu interpretieren. Die Marke Germens steht für vollständig in Deutschland hergestellte und künstlerisch gestaltete Hemden, ausgehend vom klassischen Hemd mit Perlmuttknöpfen, Metallkragenstäbchen und engen Nahtstichen.

Was bedeutet der Name Germens?

 René König: Germens (englisch ausgesprochen) gibt es so im Englischen gar nicht. ist ein Wortspiel aus „Ger“, die Spitze der Speere der Germanen, und „Men“ für Männer. Unser Produkt funktioniert allerdings keineswegs nur in Deutschland, sondern ist international angelegt.

„Jedes Hemd erzählt seine eigene Geschichte.“

 Die auffälligen Muster auf den Hemden entstehen in Kooperation mit Künstlern wie Michael Fischer-Art, Steffen Volmer oder Anett Bauer. Wie funktioniert die Zusammenarbeit genau?

René König: Über meinen Partner Gregor, der auch Künstler ist, hatten wir zunächst Kontakt zu weiteren Künstlern aus Chemnitz. Mittlerweile sind auch renommierte Künstler aus Leipzig und Dresden dabei, zum Beispiel Paule Hammer und Sebastian Gögel. Wir arbeiten auch mit Daniel Schoa, einem autistischen Künstler aus Worms, zusammen, der für uns fünf Hemden entworfen hat. Ein Leipziger hat wiederum gebrauchte Skateboards als Druckstock genommen, woraus ein Hemd entstanden ist. Jedes Hemd hat seine eigene Geschichte.

Wer sind Eure Kunden?

 René König: Männer ab 40 plus, die keiner Gruppendynamik mehr unterworfen und eher entspannt sind. Machertypen aus den unterschiedlichsten Branchen. Von Bankern und Geschäftsführern bis zu Rettungssanitätern und Rockern.

Eure Hemden kosten ab 200€. Sehen Eure Kunden sie auch als Investition in die Kunst?

René König: Viele schreckt der Preis erst mal ab, weil das Preisgefüge in der Textilindustrie verdorben/verzerrt? Das Werteverständnis für das Produkt ist völlig abhandengekommen, aber manche haben es zum Glück noch.

Ein Hemd von Germens ist zudem tatsächlich eine echte Investition. Unser Künstler Sebastian Gögel hat zum Beispiel an der HGB Leipzig studiert, seine Kunst hängt in renommierten Museen, und er hat Einzelausstellungen. Wenn so ein Künstler ein Hemd gestaltet, das es nur 33 Mal gibt, dann wird das in zehn, zwanzig Jahren seinen Wert deutlich steigern. Auch wenn man das Hemd nicht mehr anzieht: bloß nicht wegschmeißen!

„Ich bin in der Lage, meine Hemden im Umkreis von 200km in Top-Qualität herzustellen!“

Warum Chemnitz?

 René König: Weil ich von hier bin. Ich bin hier geboren und lebe hier. Außerdem habe ich hier die Technologie, mit der ich die Hemden qualitativ hochwertig produzieren kann. Ich brauche die besten Firmen für meine Produkte und bin in der Lage meine Hemden im Umkreis von 200 km komplett herzustellen. Das ist etwas ganz Besonderes, weil hier alle Produktionskompetenzen vereint werden. Die Hemden werden in der Lausitz gewebt und hier in Burgstädt (bei Chemnitz) gedruckt.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

René König: Für dieses Jahr plane ich ein besonderes Karl-Marx-Hemd mit einem Künstler, der Bilder auf der Schreibmaschine tippt. Regionale Bezüge sind mir wichtig, ohne, dass man in eine Klein-Denke verfällt. Außerdem sollen 2018 Schuhe als neues Produkt hinzukommen.

www.germens.shop