In der Dresdner Kunstgießerei „Bildguss“ kommen Kunst und Handwerk auf spannende Weise zusammen.

Da sitzt er wieder, als wäre nichts gewesen. Seit seinem 210. Geburtstag genießt Ludwig Richter wieder den Blick von seinem angestammten Platz auf der Brühlschen Terrasse in Dresden. Überlebensgroß steht die Statue des Künstlers an dem Ort, wo sie 1943 vom Sockel gerissen wurde, um eingeschmolzen in einen längst verlorenen Krieg zu ziehen. Dass der Dichter und Dresdner Ehrenbürger nach 70 Jahren wieder hier steht, ist vielen engagierten Sachsen zu verdanken – und einer kleinen Kunstgießerei am Dresdner Stadtrand.

Mit dem Künstler zum Kunstwerk

Schon im Büro von Thomas Ihle gibt es viel zu entdecken. Schilde wie aus dem alten Rom, kleine Skulpturen und Schrifttafeln stehen einträchtig neben einem modernen 3-D-Drucker. „Ich experimentiere gerade ein wenig, um damit Gussmodelle zu fertigen“, erklärt der 48-Jährige den Hightech-Apparat. 1990 hatte er die Kunstgießerei „Bildguss“ mit seinem Bruder gegründet, 2008 zog die Werkstatt in das alte Industriegebiet im Dresdner Norden um. Hier erblickte auch der neue Ludwig Richter das Licht der Welt, in mehreren Teilen. „So eine große Figur lässt sich nicht in einem Stück herstellen“, erklärt Thomas Ihle. Der gelernte Kunstformer und Ziseleur war vor seiner Selbstständigkeit in einer großen Gießerei für die Feinarbeiten nach dem Guss zuständig und die Details sind ihm bis heute wichtig. „Wir arbeiten viel mit Künstlern und ambitionierten Laien zusammen“, sagt er und weiß, dass die „oft ganz spezielle Vorstellungen haben“. Doch bis zum fertigen Kunstwerk ist es ein weiter Weg. Am Anfang steht immer ein Modell aus Gips, bei kleineren Güssen kann es auch Wachs sein oder eben Spezialkunststoff aus dem 3-D-Drucker. Dieses Modell dient als Grundlage für die Gussform, die bei großen Objekten oft aus Dutzenden Teilen besteht.

Skulpturen für die Ewigkeit

All diese Vorarbeiten nehmen in der Gießerei die meiste Zeit in Anspruch, in der noch vier Angestellte und ein Lehrling arbeiten. Der Gussofen wird deshalb nur einmal in der Woche angeheizt und bringt die Metalllegierung für den Guss auf viele hundert Grad Celsius. „Unsere Spezialisten sehen schon an der Farbe der glühenden Masse, welche Temperatur sie hat“, erklärt Thomas Ihle. Diese Erfahrung sei wichtig, weil „es Formen gibt, die besser mit dünnflüssigem Metall ausgegossen werden, und andere mit dickerem.“ Nach dem Auskühlen des Gusses wird es Zeit für die Feinarbeiten: Einzelteile zusammenfügen, verschleifen, Patina bearbeiten. Oft legen die Künstler in dieser Phase nochmals selbst Hand an. „Rund drei Wochen dauert es in der Regel mindestens, bis aus dem Modell eine Metallskulptur geworden ist“, sagt Gießerei-Chef Ihle. Das Schöne daran: Meist ist die Arbeit von Dauer und wer aufmerksam durch Dresden geht, entdeckt immer wieder Werke aus dem Industriegebiet: Herrn Richter auf der Brühlschen Terrasse, die Wagner-Plakette nahe der Frauenkirche oder am Königsheimplatz eine reitende Europa auf dem Stier.

www.bildguss.de