„Formula Student“ heißt der weltweit wohl bedeutendste Wettbewerb für zukünftige Automobilbauer. Dafür konstruieren und bauen Studierende komplett eigenständig einen einsitzigen Formel-Rennwagen. Die vorderen Plätze in dem internationalen Wettbewerb belegten seit Jahren Teams von großen technischen Universitäten, wie beispielsweise Delft, Zürich oder Stuttgart. Zwickau mit seiner kleinen, feinen Hochschule rund um den Kraftfahrzeugbau hatte da lange Zeit keiner auf der Uhr. Noch bei der Preisverleihung 2009 fragte ein Laudator ironisch: „Where the hell is that town“, schmunzelt Michael Jakob, angehender Kraftfahrzeugtechniker, seit fünf Jahren beim Racing-Team der Westsächsischen Hochschule. Diese Zeiten sind vorbei. „In der vergangenen Saison haben wir uns auf den dritten Platz der Weltrangliste in der Elektrowertung gekämpft“, erzählt Franziska Barth, PR-Chefin. Eingefahren haben die Zwickauer ihre Top-Platzierung mit einem 160 kg leichten Auto. „Kein Elektrofahrzeug war leichter als unser eKlaus.“

Tüftler mit Biss: riesen Potenzial an Neuentwicklungen und Mitarbeitern

Der FP713e, Spitzname „eKlaus“, wird von zwei komplett selbst konstruierten und gebauten Motoren angetrieben. Teams von anderen Universitäten lassen ihre Motoren fertigen – die Zwickauer friemeln selbst, drehen Teile und wickeln Spulen. „Alles aus einer Hand — das ist eine unserer Stärken“, sagt Michael Jakob. Und weil in der „Formula Student“ so viel Potenzial an technischen Neuentwicklungen und zukünftigen Mitarbeitern steckt, unterstützen fast alle großen Automobilhersteller und Zulieferbetriebe die Nachwuchs-Ingenieure. Denn der Wettbewerb ist eine effiziente Möglichkeit, frühzeitig Kontakte zu Tüftlern mit Biss zu knüpfen. Michael Jakob drückt es so aus: „Wir studieren mit klarem Praxisbezug und lernen zeitig potenzielle Arbeitgeber kennen.” Oder die Absolventen sind so mutig und werden gleich selbst zu Arbeitgebern. Wie die vier Ex-Racing-Teamler, die sich 2011 mit der HERMS Technologies GmbH in Zwickau selbstständig gemacht haben und inzwischen zehn Mitarbeiter beschäftigen.

Innovativ verbunden: mit Klebstoff aus der Biomedizin

Natürlich steckt hinter all dem harte Arbeit. „10- bis 15-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. Doch das ist es wert“, bekräftigt Björn Pohle. Den Mehraufwand an Zeit und Kraft nehmen er und die anderen Teammitglieder gern in Kauf. In der vergangenen Saison führte der Mikrotechnologie-Student das WHZ-Racing-Team als technischer Projektleiter zum Erfolg. Am Wettbewerb fasziniert ihn „quer-zu-denken und an echten Innovationen zu arbeiten“. Dabei zweckentfremden die Zwickauer schon mal einen Klebstoff, der eigentlich für die Biomedizin entwickelt wurde. Im Automobilbau eingesetzt, verbindet er Carbon mit Aluminium am Fahrgestell. Das hat vor den Zwickauern noch keiner probiert. Genau dieser Innovationshunger treibt die rund 50 jungen Frauen und Männer des Racing Teams an. Sie haben einen unbändigen Spaß dran, das Thema Automobil jedes Jahr neu zu denken. Seit über 100 Jahren steht der Zwickauer Automobilbau für geniale Ingenieurskunst und macht Sachsen zu einem der bedeutendsten Standorte im deutschen Fahrzeugbau.

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