Sebastian Bürger aus Beckwitz bei Torgau ist ein Mathe- und Physik-Ass. Als einer von neun Sachsen hat es der 16-Jährige 2014 in die 3. Auswahlrunde der 45. Internationalen Physikolympiade im renommierten Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen geschafft. Im Forscher- und Erfinderland Sachsen wird traditionell großer Wert auf eine exzellente Ausbildung in den Naturwissenschaften gelegt; im PISA-Ranking belegten die Sachsen jüngst den Spitzenplatz. So verwundert es nicht, dass die Sachsen mit der zahlenmäßig stärksten Schüler-Delegation vertreten waren. Bei der internationalen Physik-Olympiade – kurz IPhO – werden weltweit besonders begabte Physik-Nachwuchstalente frühzeitig gefördert und an die Wissenschaft herangeführt. So auch Sebastian.

Lieber rechnen und tüfteln als am Computer zocken: Das gibt’s wirklich

Der rothaarige Junge besucht die 10c am Torgauer Johann-Walter-Gymnasium. „Das Mathe-Interesse kam durch meinen älteren Bruder“, erzählt er. „Der ist auch sehr gut in den Naturwissenschaften und hat an Wettbewerben teilgenommen. Da habe ich gesehen, wie viel Spaß das macht.“ Sein bisher größter Erfolg: „Letztes Jahr in die Bundesrunde der deutschen Mathematik-Olympiade gekommen zu sein“. Wenn man sich jetzt einen weltfremden Nerd vorstellt – Fehlanzeige. Sebastian spielt Tischtennis im Verein, interessiert sich für Geschichte und hat viele Freunde. Wie er das enorme Pensum auf die Reihe bekommt? „Och, gute Organisation. Ich mache meine Hausaufgaben möglichst fix und lese auf dem Weg zur Mathe-AG im Zug nach Leipzig. Okay, auf manches muss man schon verzichten. Ich habe zum Beispiel schon lange nicht mehr Computer gespielt.“

Lehrer und Leiter mit Herzblut, Humor und Leidenschaft

Unterstützt wird Sebastian von Schulleiter Peter Nowack und seinem Team. Nowack findet es wichtig, dass die besonders fitten Schüler an mindestens einem Wettbewerb pro Jahr teilnehmen: „Das ist ein Anreiz zu üben und die Fähigkeiten zu schulen. Für uns Pädagogen ist es eine gute Möglichkeit, die Besten herauszufiltern und gezielt zu fördern.“ Nowak ist seit 30 Jahren Mathe- und Physiklehrer. „Ich mag meinen Beruf und stehe auch heute immer noch gern vor der Klasse“, erzählt der 52-Jährige, früher selbst Schüler des Johann-Walter-Gymnasiums. Ein Schulleiter, der seinen Job mit viel Herzblut ausübt: „Wenn man die Schule nur verwaltet, das geht nicht.“ Er lädt sich gern Extraarbeit auf. „Und manchmal auch meinen Kollegen“, sagt er und schmunzelt. Das Johann-Walter-Gymnasium ist ein ehemaliges Franziskanerkloster, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert reichen. Die Schule schafft in einer ländlichen Region den Spagat zwischen künstlerisch-sprachlichem und naturwissenschaftlichem Profil. Peter Nowack ist stolz, dass Sebastian Bürger zusammen mit Schülern von naturwissenschaftlichen Spezialschulen wie dem Nexö-Gymnasium Dresden oder dem Leipziger Ostwald-Gymnasium in Göttingen angetreten ist. Dabei ging es den beiden in erster Linie ums Dabeisein: „Der Weg ist das Ziel, stimmt’s?!“, sagt Nowack und zwinkert Sebastian zu. Wenn es nach Sebastian geht, ein Weg mit einem Mathestudium im Fokus — am liebsten am renommierten Mathematischen Institut der Uni Leipzig.

Update: Im Februar 2016 ist Sebastian Bürger beim Deutschlandausscheid der Internationalen Physikolympiade Siebenter geworden. Unter den zehn besten deutschen Nachwuchsphysikern sind übrigens fünf Sachsen. Ein Leipziger belegt den 1. Platz.