Wie eine Erfindung aus dem Erzgebirge die Patientenpflege verbessert.

Großartige Ideen sind manchmal ganz einfach. So wie die von Isabell Naundorff und Sarah Colditz. Die zwei Auszubildenden der Kliniken Erlabrunn gGmbH im Erzgebirge haben eine Pflege- und Therapiekonsole für pflegebedürfte Menschen entwickelt. Die Idee der beiden jungen Frauen ist so gut, dass sie beim sächsischen Landesausscheid von „Jugend forscht“ prämiert wurde und den Bundessonderpreis „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“ der Christoffel-Blindenmission erhielt. Die Konsole ist eine Art multifunktionaler Tisch, der unkompliziert am Patientenbett angebracht werden kann. Isabell Naundorff: „Auf der Grundplatte ist eine rote Anti-Rutschmatte angebracht – eine Farbe, die auch Demenzkranke mit getrübter Farbwahrnehmung gut erkennen. Es gibt separate Bohrungen für Tasse, Glas und Vase. An die Grundplatte lässt sich eine drehbare Bücherstütze anschrauben. Auf deren Rückseite ist Platz für einen digitalen Bilderrahmen oder einen Tablet-Computer.“ Außerdem lasse sich die Bücherstütze mit einer Magnettafel erweitern, an die eine Zeitung oder auch ein Spielbrett für „Mensch ärgere Dich nicht“ gepinnt werden kann, ergänzt ihre Kollegin Sarah Colditz. Eine integrierte Leuchtlupe helfe beim Lesen. „Patienten, die den ganzen Tag liegen müssen, können sich mit unserer Konsole viel besser allein behelfen, sich kämmen oder sogar die Zähne putzen“, erzählt Isabell Naundorff. Kleine alltägliche Handgriffe, die für viele bettlägerige Patienten ein großer Gewinn an Würde und Selbstbestimmung sind.

Friemeln statt feiern

Seit November 2013 haben die beiden Auszubildenden an dem Projekt gearbeitet. Während gleichaltrige Jugendliche ihre Freizeit genossen, saßen Isabell und Sarah über ihrem Projekt. „Wir interessieren uns einfach für unseren Beruf“, lächeln die beiden bescheiden. Die Grundidee für die Konsole stammt von einem Bekannten. Die 20- und die 21-Jährige entwickelten sie weiter, machten die Konsole praxistauglich und bewarben sich schließlich bei „Jugend forscht“. Isabell und Sarah gewannen in der Kategorie „Arbeitswelt“.

Praxiseinsatz im Erlabrunner Klinikum

Josef Wieder, Geschäftsführer des Klinikums, honoriert das Engagement der beiden jungen Frauen und lässt die ersten drei Konsolen für den Pflegealltag produzieren. Vielleicht der Anfang für eine Serienproduktion?

„Das wäre natürlich ein Traum“, sagen die angehenden Krankenschwestern.

Beim Patent- und Markenamt in München angemeldet ist die Therapie- und Pflegekonsole schon mal – von zwei sächsischen Auszubildenden im zweiten Lehrjahr.